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Mein Fitness-Kick Schnäppchenjäger in der Hochglanzwelt

06.11.2007 ·  In dem feinen Studio, dem sich Michael Horeni angeschlossen hat, lässt sich gut das Kastensystem der deutschen Fitness-Gesellschaft erkennen: Nun ist er Mitglied in einem Premium Health Club - abends und am Wochenende wird er aber nicht reingelassen.

Von Michael Horeni
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Die Sportvereine, in denen ich in meinem Sportleben bisher angemeldet war oder immer noch bin, unterscheiden sich doch sehr von meinem neuen Fitnessklub. Das fängt schon bei den Tarifen an, und damit sind weniger die damit verbundenen Kosten gemeint, die natürlich auch höher sind, sondern die vielen verschiedenen Tarifklassen. Alles ist sehr individuell, sehr professionell.

Beim Vertragsgespräch fühle ich mich sehr schnell als Kunde angesprochen, auf meine individuellen Wünsche und Bedürfnisse wird Rücksicht genommen, und es werden passende Angebote für mich erstellt. Ich werde während des Gesprächs auch gefragt, ob ich etwas zu mir nehmen möchte: Wasser oder Kaffee vielleicht? Das ist nett, aber das Gefühl, als Sportler wahrgenommen und behandelt zu werden, mag nicht so recht entstehen.

Einkommen, Zeitressourcen, Stilanspruch

Es ist eher so, als ob man gerade eine Versicherung abschließt und dabei die Vor- und Nachteile der verschiedenen Tarife gegeneinander abwägt, also nicht wirklich schön. Ich schließe aus den vielfältigen Möglichkeiten, dass Fitness-Kunden vermutlich zum Individualismus neigen und dieses Kastensystem der deutschen Fitness-Gesellschaft schätzen, in das sie sich je nach Einkommen, Zeitressourcen, Stilanspruch und Geschlecht einkaufen können.

Im Fußballklub und im Tennisklub, in die sich meine Familie bisher aufteilt, sind die Menschen ihrem Beitrag nach alle gleich, da existiert noch so etwas wie der altdeutsche Flächentarifvertrag. Die wenigen Unterscheidungen sind dort sehr grob gefasst und eingängig: Schüler zahlen weniger als Studenten, Studenten weniger als Erwachsene und passive Mitglieder weniger als aktive Mitglieder.

In dem Fitnessunternehmen, dem ich mich angeschlossen habe, zeigt sich dagegen die Fragmentierung der Gesellschaft sehr schön: Das Unternehmen teilt sich auf in Lifestyle-Klubs, Business-Klubs, Premium-Klubs und Klubs für Frauen. Vermutlich gibt es irgendwo auch Fitness-VIP-Bereiche.

Schnäppchenjäger oder Billigkunde

Meinen Klub habe ich mir nach zwei verschiedenen Gesichtspunkten ausgesucht: Zum einen haben mir Oliver Schmidtlein und Shad Forsythe ein paar Vorgaben gemacht, was der Fitnessklub an Ausrüstung bieten sollte: freie Gewichte, Zugmaschinen und einen Raum, in dem ich die Möglichkeit habe, auf Matten die „korrigierenden Übungen“ zu machen, und wohin ich auch einen Gummiball mitbringen kann, falls es dort keinen gibt.

Nicht jeder Klub in meiner Nähe hat diese Vorrausetzungen erfüllt, und einer, der mir gefiel, und alles zu bieten hatte, was nötig ist, hat mich leider nicht aufgenommen. Er war nur für Frauen.

Zum anderen sollte der Klub, wenn er schon nicht zu Fuß zu erreichen ist, zeitsparend auf dem Weg zum Arbeitsplatz liegen, und da kam dann nicht mehr so viel in Frage. Nun bin ich also in einem Premium Health Club gelandet, was natürlich großartig klingt, aber in dieser Kategorie laufe ich vermutlich unter Schnäppchenjäger oder Billigkunde, mit einer Eintrittsberechtigung nur für den Vormittag, was ziemlich gut zwischen Schul- und Arbeitsbeginn passt, der einzig halbwegs realistischen Zeit, um regelmäßig Sport zu machen.

Aber abends und am Wochenende darf ich für meine 55 Euro monatlich nicht rein. Da kommen dann die, die mehr zahlen und andere Karten haben. Ich kann mir dann aber einen anderen Klub des Unternehmens in der Stadt suchen, aber darauf werde ich wohl verzichten.

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Jahrgang 1965, Korrespondent für Sport in Berlin.

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