Home
http://www.faz.net/-gtl-rxus
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 01.01.2006, 15:10 Uhr

Martina Hingis Schwach im Training - stark im Turnier?

Mit Mittelmäßigkeit will die ehemalige Tennis-Weltranglistenerste sich nicht zufriedengeben. „Mein Ziel ist es, auf höchstem Niveau konkurrenzfähig zu sein“, sagt Martina Hingis vor ihrem ersten Turnier seit drei Jahren.

© AP „Mal sehen, wie es läuft”

Bis jetzt weiß Martina Hingis eigentlich nur, daß sie nichts weiß. Auch auf intensives Nachfragen zahlreicher internationaler Journalisten antwortete sie immer wieder: "Mal sehen, wie es läuft." Was soll sie auch sonst sagen? Drei Tage vor ihrem Comeback nach dreijähriger Wettkampfpause ist sie genauso gespannt wie die Medienvertreter und Tennisfans in aller Welt.

Ihr Ziel aber ist klar, mit Mittelmäßigkeit will die ehemalige Weltranglistenerste sich nicht zufriedengeben. "Mein Ziel ist es, auf höchstem Niveau konkurrenzfähig zu sein", sagte sie an Australiens Gold Coast, wo sie in der ersten Runde an diesem Montag auf Maria Vento-Kabchi aus Venezuela trifft.

Mehr zum Thema

„Das Damentennis ist schneller geworden“

Zwar ist mit Patty Schnyder eine andere Schweizerin an Nummer eins gesetzt und durfte die Auslosung vornehmen, aber alle Aufmerksamkeit gilt Martina Hingis. Allein sechs Kamerateams verfolgten ihren einzigen Auftritt vor der Presse vor dem ersten Match. Noch scheint die fünfmalige Grand-Slam-Siegerin recht entspannt. Am Abend ließ sie sich mit anderen Spielerinnen und Offiziellen am Rande des Golfplatzes des exklusiven Royal Pines Resort das Essen schmecken. Auch ihr Training mit der 17jährigen Französin Tatiana Golovin hatte ihr offenbar nicht den Appetit verdorben, obwohl sie nur selten ihr altes Können aufblitzen ließ und sich zahlreiche Fehler leistete.

"Ich fühle mich gesund", war die wohl wichtigste Erkenntnis von Martina Hingis, die wegen chronischer Fußverletzungen im Alter von nur 22 Jahren ihre Karriere beenden mußte, bevor sie sich vor kurzer Zeit zu einem offiziellen Comeback entschloß. Weder sie selbst noch ihre Ärzte können prophezeien, wie weit die Füße sie tragen werden. Und eines ist der ehemaligen Branchen-Primadonna klar: Sie muß besser sein als zum Zeitpunkt ihres erzwungenen Abschiedes, um wieder in der Weltspitze mithalten zu können. "Das Damentennis ist schneller geworden. Ich habe nie einen Aufschlag gebraucht, jetzt muß ich härter und akkurater servieren."

„Jetzt ist sie eine junge Frau

In der Zeit ohne Spitzentennis habe sie den Wettkampf vermißt, aber nicht das Rampenlicht und das viele Reisen. Vom "richtigen Leben", das sie erfahren habe, sprach Hingis, die sich die Zeit mit ihren geliebten Pferden, Kommentieren im Fernsehen und "einen Haushalt zu haben, ganz simplen Dingen" vertrieb. Außerdem habe ihr die lange Pause geholfen, sich als Mensch zu entwickeln. Ihr Manager Mario Widmer, der auch Lebensgefährte ihrer Mutter und Trainerin Melanie Molitor ist, hat zumindest schon einen Unterschied ausgemacht: "Als Martina aufgehört hat, war sie ja noch ein halbes Kind, jetzt ist sie eine junge Frau."

Die Motivation für das Comeback sei vielschichtig, erklärte die jüngste Weltranglistenerste der Tennisgeschichte. Mannschaftstennis in den Vereinigten Staaten spielen habe ihren Hunger genauso wieder geweckt wie die Arbeit fürs Fernsehen und die Tatsache, daß ältere Spielerinnen wie Mary Pierce und die derzeitige Weltranglistenrrste Lindsay Davenport im abgelaufenen Jahr so hervorragende Ergebnisse erzielen konnten.

Kann Martina Hingis die Zeit zurückdrehen?

Martina Hingis hatte im vergangenen Jahr einen kleinen Versuchsballon steigen lassen, als sie ihr erstes offizielles Match seit Filderstadt 2002 bei einem Turnier im thailändischen Badeort Pattaya gegen die Deutsche Marlene Weingärtner verlor. Da war aber noch keine Rede von einem richtigen Comeback, das Turnier fand im Rahmen einer Wohltätigkeitsveranstaltung statt. Erst vor einem Monat gab Martina Hingis in Zürich ihren Plan zur Rückkehr auf die Tennistour bekannt. Bisher hat sie sich festgelegt, an der Gold Coast, in Sydney, bei den Australian Open und in Tokio zu spielen, erst dann könne sie weitere Entscheidungen treffen.

Ihre Gegnerin im Touristenzentrum an der australischen Ostküste kennt sie zumindest. Gegen die 31jährige Vento-Kabchi hatte sie 2001 in Doha in zwei Sätzen gewonnen, als sie noch Weltranglistenerste war und noch bevor sie von Power-Spielerinnen wie den amerikanischen Williams-Schwestern überholt wurde. Schon bald werden Martina Hingis und die gesamte Tenniswelt wissen, ob sie die Zeit zurückdrehen kann.

Quelle: F.A.Z. vom 2. Januar 2006

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Angelique Kerber im Fed Cup Zwischen Wolke sieben und Wolke vier

Trotz des Rummels um ihre Person führt Angelique Kerber eine Woche nach ihrem Triumph bei den Australian Open das deutsche Fed-Cup-Team an. Ihr Auftritt gegen die unangenehmen Gegnerinnen aus der Schweiz bedeutet für sie ein kleines Wagnis. Mehr Von Peter Penders

06.02.2016, 11:29 Uhr | Sport
Drohnenvideo Kaliforniens Küste aus der Luft

Kaliforniens Küste aus der Vogelperspektive – eine Sicht, die man nicht alle Tage auf den amerikanischen Bundesstaat hat. Der Filmemacher Avery Wong hat eine Drohne entlang der Küstenlinie Kaliforniens am Pacific Coast Highway gesteuert. Mehr

29.01.2016, 15:13 Uhr | Gesellschaft
Australian Open Nervenstark auf großer Bühne

Angelique Kerber steht im Halbfinale der Australian Open. Seit langem überzeugt sie mal wieder auf der großen Tennis-Bühne - und peilt selbstbewusst den Einzug ins Finale an. Den verpasst im Doppel ihre Fed-Cup-Kollegin Julia Görges. Mehr

27.01.2016, 04:07 Uhr | Sport
Parlamentswahlen Opposition gewinnt in Venezuela

In Venezuela hat die Opposition die Parlamentswahlen für sich entschieden. Nicolás Maduro erkannte die Niederlage seiner Sozialistischen Partei am Montagmorgen an. Seine Amtszeit geht noch bis 2019. Mehr

16.01.2016, 10:53 Uhr | Politik
Angelique Kerber Boom oder Kater

Nach dem Triumph bei den Australian Open zeigt Sat.1 den Fed Cup im Hauptprogramm, aber ob Angelique Kerber gegen die starken Schweizerinnen überhaupt spielt, steht noch gar nicht fest. Mehr Von Peter Penders, Leipzig

03.02.2016, 14:17 Uhr | Sport

Stichtag Valentinstag

Von Achim Dreis

Für die Florett-Herren fiel Aschermittwoch auf Karnevals-Sonntag. Die Degen-Kollegen hegen noch eine kleine Olympia-Chance. Der allgemeine Niedergang der Fechter kommt nicht überraschend. Mehr 1