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Martin Kaymer beim Masters Die Lockerheit des Außenseiters

 ·  Martin Kaymer startet von diesem Donnerstag an zum fünften Mal beim Golf-Masters in Augusta. Noch nie hat er den Cut überstanden. Doch diesmal hat er sich den Rat zweier Altmeister eingeholt.

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© AFP Im Vorjahr hatte Martin Kaymer als Weltranglistenerster den Cut um fünf Schläge verpasst

Der Schlag der Woche ist Martin Kaymer schon am Montag gelungen. Wie es bei Proberunden für das Masters üblich ist, versuchte auch der Deutsche am 16. Loch den Ball nicht durch die Luft aufs Grün zu schlagen, sondern ließ ihn an diesem 155 Meter langen Par-3-Loch über die Wasseroberfläche hüpfen. Der Ball landete nach diesem Kunstschlag nicht nur auf dem Grün, er verschwand unter dem tosenden Jubel der Fans direkt zum „Hole-in-one“ oder Ass im Loch.

Es war das zweite in der Karriere des 27-jährigen Golfprofis aus Mettmann - und das auch noch in Begleitung der Golflegende Tom Watson. Kaymer hatte den mittlerweile 62-jährigen Altmeister aus Kansas City vor zwei Monaten per E-Mail darum gebeten, mit ihm eine Proberunde zu drehen. „Es ist einfach toll, mit so einem Mann zu spielen. Er hat mich danach zum Mittagessen im Champions Locker Room eingeladen, ein tolles Erlebnis“, schwärmte der beste deutsche Golfer.

Von einem Platz in diesem den Masters-Siegern vorbehaltenen Umkleideraum mit kleinem Speisesaal im ersten Stock des Klubhauses ist der 27-jährige Rheinländer noch weit entfernt. Bei seinen bisher vier Teilnahmen war das Turnier für ihn jeweils schon nach zwei Runden beendet: 2009 verpasste er den Cut um einen, 2010 um zwei und im Vorjahr gar um fünf Schläge, seine acht Turnierrunden absolvierte er in 18 über Par. Trotzdem ist die Vorfreude auf das Stelldichein der Meister des Spiels in Augusta im amerikanischen Bundesstaat Georgia in diesem Jahr so groß wie nie zuvor: „Ich fühle mich unheimlich wohl. Ich bin bestens vorbereitet“, sagte Kaymer.

Übungsrunden mit Spitzenamateur Einhaus

Drei Wochen hat er vor dem ersten Major des Jahres kein Turnier gespielt, statt dessen intensiv trainiert und nur einen Ausflug nach Dallas und zu seinem Zweitwohnsitz in Scottsdale (Arizona) gewagt. Nach Texas flog Kaymer, um den Würzburger Basketballstar Dirk Nowitzki endlich einmal live zu erleben. Noch kennt der Golfstar den deutschen Sportler des Jahres nicht, auch in Dallas gab es kein Treffen mit dem Star der Mavericks. Dafür spielte Kaymer eine Runde mit dem deutschen Spitzenamateur Sean Einhaus, der sich im College-Team von Oklahoma auf eine Profikarriere vorbereitet, im Colonial Country Club in Dallas, dem Heimatklub der Golflegende Ben Hogan. Kaymer wohnt in Augusta mit Einhaus, seinem älteren Bruder Philip und seinem Physiotherapeuten Rolf Klöttschen in einem gemieteten Haus - eine Männerwohngemeinschaft, die auch zur allgemeinen Wohlfühlatmosphäre beiträgt.

„Dieses Jahr bin ich viel entspannter“, sagt Kaymer. Im Vorjahr war er noch als Weltranglistenerster in den Südstaat gekommen und hatte den Druck gespürt, der auf einen Primus wirkt. „Man hat natürlich auch darüber nachgedacht, was andere über einen sagen.“ Kaymer ist nicht der erste Weltranglistenerste, für den das Masters schon nach zwei Tagen beendet war. Dieses Missgeschick widerfuhr auch dem Australier Greg Norman (1990 und 1997) und dem Zimbabwer Nick Price (1995). „Es war nicht schlimm, dass ich letztes Jahr den Cut verpasst habe. Ich habe daraus gelernt“, sagt Kaymer.

Er hört auf den Rat eines Altmeisters

Der 27-Jährige will auf den Rat des zweimaligen Masters-Champions Bernhard Langer (1985 und 1993) hören, der ihn während einer Übungsrunde am Sonntag aufforderte, beim Masters nicht defensiv zu spielen: „Du hast Turniere gewonnen, weil du im richtigen Moment aggressiv gespielt hast“, sagte der mittlerweile 55-jährige Altmeister. „In den vergangenen Jahren habe ich den Platz immer so gespielt, wie ich dachte, dass man ihn spielen muss. In diesem Jahr werde ich ihn so spielen, wie es meinem Spiel entgegenkommt“, beschreibt Kaymer sein Rezept für die 76. Auflage des Turniers.

Er wird an einigen Löchern, vor allem am zehnten Loch, den Ball mit einem Draw, einer sanften Links-Rechts-Flugbahn spielen, ansonsten aber dem natürlichen Ballflug, einem Fade, einer leichten Rechts-Links-Flugbahn trauen. „Mein Schwung hat sich in die richtige Richtung entwickelt, und mein kurzes Spiel ist viel besser. Ich kann den Ball jetzt in beide Richtungen manövrieren, was ich früher nicht schaffte“, sagte Kaymer. Deshalb geht er voller Optimismus ins Turnier: „Ich kann hier weit kommen.“

Drei Proberunden auf dem extrem hügeligen Platz haben sein Selbstvertrauen weiter gestärkt. Am Dienstag und Mittwoch trainierte nur er auf dem Übungsgelände, um frisch in das Turnier zu gehen, das er am Donnerstag um 8:45 Uhr (14:45 MESZ) gemeinsam mit dem Australier Adam Scott und dem Amerikaner Bo van Pelt beginnt. Kaymer, der am Montag in der Weltrangliste von Platz vier auf Platz sechs zurückgestuft wurde, gilt als krasser Außenseiter.

Er wurde in diesem Jahr nicht einmal zu einer Pressekonferenz gebeten, eine Pflichtübung für alle Favoriten. Die heißen Luke Donald, Rory McIlroy und vor allem Tiger Woods. Die beiden Briten und der Amerikaner haben jeweils ihren letzten Aufgalopp gewonnen, Kaymers zehnter Turniersieg dagegen liegt schon fast ein halbes Jahr zurück. „Es ist eine spannende Zeit im Golf“, sagte Kaymer, „ich freue mich, ein Teil davon zu sein.“ Umso schöner wäre es, wenn er das auch erstmals bei einem Masters-Wochenende wäre.

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Jahrgang 1948, Sportredakteur.

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