Die Hölle des nordamerikanischen Eishockeys hat den Königen bislang keine Angst einjagen können: Die Los Angeles Kings erspielten sich nach den ersten drei Finals eine komfortable Ausgangsposition, liegen gegen die New Jersey Devils mit 3:0 Siegen in Führung und sind dem ersten Triumph in der NHL ein gutes Stück näher gekommen.
In der Nacht zum Dienstag ging das Duell der Giganten in die nächste Runde, das derjenige für sich entscheidet, der in der Serie „Best of Seven“ zuerst viermal gewonnen hat. Mit 4:0 besiegten die Kings die Devils. „Wir sind ganz nahe dran“, sagte Justin William. In der Nacht zum Donnerstag kann Los Angeles den Titelgewinn schon perfekt machen.
Die Chancen für das Team aus Kalifornien, das nun nochmal vor eigenem Publikum antreten darf, stehen nach dem dritten Erfolg sehr gut, zu früh freuen sollte es sich aber noch nicht - was auch damit zu tun hat, dass der angeschlagene Gegner einen Profi in seinen Reihen aufbieten kann, der wie kaum ein Zweiter im Kreis der aktuellen NHL-Stars seiner Berufung mit einer Extraportion Leidenschaft nachgeht und für seinen Erfolgshunger über Klubgrenzen hinweg gerühmt wird: Martin Brodeur.
Der Schlussmann der Devils ist mittlerweile vierzig Jahre alt, hält zahlreiche Torhüter-Rekordmarken in der weltbesten Liga, und vom nächsten Kunststück seiner schwer vergleichbaren Karriere ist er nach wie vor überzeugt: dem vierten Stanley-Cup-Meisterstück mit New Jersey. Die kampfstarken und spielgewaltigen Teufel auf Kufen stehen zum fünften Mal seit 1995 im Finale um die bedeutendste Vereinstrophäe der Branche, wurden dreimal Erster.
Brodeur, seit 1993 ununterbrochen und unangefochten die Nummer eins zwischen den Pfosten, war ihnen stets ein aufmerksamer Rückhalt. „Ich hatte Glück, ein Teil von großartigen Mannschaften gewesen zu sein, die Erfolg hatten. Ich habe aber auch in tollen Teams gespielt, die nicht erfolgreich waren“, sagte er, der trotz seines für Spitzensportverhältnisse vorgerückten Alters noch nichts vom nahenden Ende seiner Eiszeit wissen möchte: „Auf dem Höhepunkt der Karriere abzutreten, das wünscht sich jeder. Aber wenn man weiß, dass man noch mithalten kann, ist das Loslassen schwer.“
„Eishockey ist keine One-Man-Show“
Den Weg ins Endspiel ebnete der olympische Goldmedaillengewinner mit der kanadischen Nationalmannschaft (2002 und 2010) dank unzähliger Paraden, die spektakulärste davon wurde von den Fans zur „Rettungsaktion des Jahres“ gekürt: Gegen Marian Gaborik, Stürmer der New York Rangers, verhinderte er im Fallen einen Gegentreffer, als er, auf dem Bauch liegend, reaktionsschnell das rechte Bein nach oben riss und sein Lederschoner die Flugbahn des Pucks entscheidend veränderte.
„Unglaublich, was er leistet“, sagte Kollege David Clarkson, „es beginnt alles bei ihm, und es gibt nur einen Grund, warum wir bis hierhin gekommen sind: weil wir ihn im Tor haben.“ Brodeur indes wies die Komplimente von sich: „Ich weiß, was ich noch kann, und versuche, alles zu geben, damit wir eine Chance haben, zu gewinnen. Aber Eishockey ist keine One-Man-Show.“
„Ein anderes Trikot ziehe ich nicht mehr über“
Sein Trainer Peter Deboer nahm Brodeur in der Analyse der Niederlagen gegen Los Angeles ausdrücklich von der Kritik aus, riet seinen Vorderleuten stattdessen, sich ein Beispiel an dem Routinier zu nehmen und mehr Einsatz zu zeigen: „Wir schießen nicht genug Tore.“
Wie auch immer das Kräftemessen ausgeht, ein Platz in den Geschichtsbüchern der NHL ist Brodeur sicher: die meisten Spiele: 1212, die meisten Siege: 656, die meisten Shutouts: 119. New Jersey den Rücken zu kehren war dabei nie ein Thema: Seit 22 Jahren spielt er in den rot-schwarz-weißen Trikots der Devils. „Ein anderes ziehe ich nicht mehr über.“ Nur so viel steht jetzt schon fest.