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HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Marcel Hacker Rudern auf der Baustelle

21.06.2009 ·  Der Fortschritt lässt auf sich warten: Bei seiner Premiere im Ruder-Vierer verpasst Marcel Hacker in München einen Podestplatz. Die Experimentierphase hat gerade erst begonnen. Und der Ausgang ist ziemlich ungewiss.

Von Elisabeth Schlammerl, München
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Für Marcel Hacker war es wie so oft in München, auf jener Strecke, die er besser kennt als jeder andere Ruderer auf der Welt: Er hat das Podest verpasst: „Das bin ich hier ja gewohnt.“ Aber anders als in den vergangenen Jahren musste er mit der Niederlage und der Kritik dieses Mal nicht allein fertig werden. Er hat seit dieser Saison drei Kollegen mit im Boot sitzen. Die Zeiten als einsamer Solist sind vorerst vorbei, Hacker gönnt sich nach zehn Jahren im Einer eine Pause vom Skiff. Im Frühling beschloss er, ins Mannschaftsboot zurückzukehren und startete am Wochenende im Doppelvierer.

Sein Einstand bei der zweiten von insgesamt drei Weltcup-Veranstaltungen der Saison hätte allerdings besser laufen können. „Ganz klar, wir wollten um die Medaillen mitfahren“, sagte Hacker nach dem fünften Platz am Sonntag. Und nach dem Vorlauf auf der Olympiaregattastrecke von München-Oberschleißheim war der 32 Jahre alte Magdeburger, der für die Frankfurter Germania startet, auch noch sicher gewesen, dass es klappen könnte - trotz einiger Abstimmungsschwierigkeiten im ersten Rennen, die den Doppelvierer um die direkte Finalqualifikation brachte. Der verpatzte Endspurt „geht klar auf meine Kappe, da hätte ich eine klare Ansage treffen müssen“, hatte Hacker am Freitag die Verantwortung auf sich genommen.

Gerade einmal 200 Kilometer sind die Vier, die im Vorlauf gemeinsam im Boot saßen, zusammen gerudert, und davon nur fünf, sechs Kilometer im Renntempo. Damit haben sie erst gut drei Prozent der für Ruderer üblichen Trainingskilometer pro Jahr hinter sich. Dann wurde über Nacht auch noch Bugmann Lauritz Schoof krank. Mit Nachrücker René Bertram hatten Hacker, Karsten Brodowski und Tim Grohmann aber kaum trainiert, nur drei Kilometer waren sie bis zu den beiden Rennen in München zusammen gerudert. Der Vierer qualifizierte sich dennoch ohne Schwierigkeiten für das Finale.

„Ich weiß noch nicht, ob ich in Luzern noch im Boot sitze“

Hacker und seine Kollegen ärgerte das Abschneiden offenbar mehr als den Cheftrainer Hartmut Buschbacher. „Ich bin nicht enttäuscht. Sie haben sich ein bisschen unter Wert verkauft, aber es ist ja auch einiges passiert“, sagte er, gab aber zu verstehen, dass vor der Rotsee-Regatta im Juli in Luzern das Boot neu formiert wird. Deshalb ist sich Hacker gar nicht sicher, ob seine Karriere im Doppelvierer nicht schon wieder zu Ende ist. „Ich weiß noch nicht, ob ich in Luzern noch im Boot sitze.“ Buschbacher wollte sich am Sonntag noch nicht festlegen. „Wir müssen schauen, wer mit wem am besten zusammenpasst.“

Aber auf Hacker wird er höchstwahrscheinlich nicht verzichten. Schließlich hatte er sich Ende des vergangenen Jahres dafür eingesetzt, dass der Ruderer weitermacht. Nach dem Desaster von Peking, als er wieder einmal bei einer Großveranstaltung die hohen Erwartungen nicht erfüllt hatte, dachte Hacker ernsthaft daran, seine Karriere zu beenden. Dann kam der Anruf des gerade bestellten Cheftrainers. Hackers Verhältnis zur Sportführung des Deutschen Ruderverbandes war bis dahin gestört gewesen. Aber nach der Pleite bei Olympia gab es einen Schnitt, von dem Hacker nun profitiert. „Ich bin von außen reingekommen“, sagt Buschbacher und meint damit, dass er für Hacker als unvoreingenommen galt.

Trotz des holprigen Starts zweifelt Hacker nicht daran, die richtige Entscheidung getroffen zu haben: Weiterzumachen, sich von Trainer Andreas Maul nach zehn Jahren zu trennen und zumindest für eine Saison in ein Mannschaftsboot zu wechseln. Er sei nicht mehr er selbst gewesen in den vergangenen Jahren, sondern „in eine gewisse Rolle hineingewachsen“. In die Rolle des Egomanen, des nicht teamfähigen Einzelgängers. Die Kollegen gaben sich deshalb zunächst zurückhaltend. „Ich war schon ein bisschen voreingenommen nach dem, was man so alles gehört hat“, gibt Karsten Brodowski zu.

„Im Boot gliedere ich mich genauso ein wie die anderen“

Nachdem er aber ein paar Wochen das Zimmer mit Hacker geteilt hatte, stellte er fest. „Er ist ganz anders.“ Fast selbstverständlich übernimmt Hacker die Verantwortung, er ist mit Abstand der Älteste im Boot und der Erfahrenste. „Ich bin sicher eine Führungspersönlichkeit“, sagt er selbstbewusst. „Aber im Boot gliedere ich mich genauso ein wie die anderen.“ In München haben ihn die Trainer deshalb auch auf die Position des Schlagmannes gesetzt, er hat es akzeptiert, obwohl es nicht ganz seiner Vorstellung entsprach. „Ich wäre lieber weiter hinten gesessen, denn ich muss noch viel lernen im Mannschaftsboot.“

Die gute Gesamtbilanz beim Weltcup in München-Oberschleißheim konnte das Abschneiden des Doppelvierers nicht trüben. Mit fünf Siegen war der Deutsche Ruderverband bei einem Weltcup so erfolgreich wie lange nicht mehr. Vor allem der im Olympiajahr arg ins Trudeln geratene Achter zeigte vielversprechende Ansätze. Die acht Ruderer, die Buschbacher als Erstbesetzung präferiert, die in München aber in zwei Viererbooten starteten, belegten Platz eins und zwei. Die als Projektachter bezeichnete Nachwuchscrew gewann ihr Rennen - allerdings war in München die internationale Konkurrenz längst nicht vollständig angetreten. „Die Erfolge sind eine Bestätigung, dass wir die richtige Richtung eingeschlagen haben“, sagt Buschbacher. Aber wie die Baustelle Doppelvierer zeigt, ist es nicht mehr als ein erster Schritt.

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