http://www.faz.net/-gtl-y6uw

Marc Sluszny im Gespräch : "Ich bin nicht als James Bond geboren"

Marc Sluszny: Geht nicht, gibt's nicht Bild: Ezequiel Scagnetti © Reporters

Marc Sluszny ist ein Mann der Extreme. Der Belgier spielte Tennis und war Fechter. Nun fährt er Bob und taucht mit Haien. Der 49-Jährige spricht über sein sportliches Anti-Aging-Programm und die Angst als Kick.

          Er war in Wimbledon, beim Davis Cup, im Ärmelkanal, auf der Annapurna, bei der Fecht-WM, über den Wolken und 120 Meter unter der Meeresoberfläche. An diesem Wochenende trifft man Marc Sluszny bei der Bob-WM am Königssee. Aber wieder nicht als Zuschauer, sondern als Mitspieler, als Pilot. Sein Einsatz ist hoch. Die Hürde auch. Jeder kann das, behauptet Sluszny: „Du musst nur die Angst vor dem Tod überwinden.“

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Warum steigen Sie nach all Ihren Abenteuern in einen Bob?

          1993 habe ich den Film ,Cool Runnings' (ein jamaikanisches Bobteam qualifiziert sich für Olympia) gesehen. Damals dachte ich, schnell laufen kannst du ja, und zu Olympia willst du auch. Ich habe dieses Ziel dann aus den Augen verloren. Bis mich vor einem Jahr ein Anruf erreichte, ob ich nicht Pilot des belgischen Teams werden wollte.

          Fallschirmspringer Sluszny: „Ich will auch dann noch Herr der Lage bleiben, wenn der Einsatz der höchste ist, denn man bieten kann: das Leben”

          Da waren Sie 48 Jahre alt.

          Ja. Ich dachte, ein Freund spielt mir einen Streich. Mein heutiger Bremser Lino Vandoorne rief an. Ich fragte ihn, wie alt denn der älteste Bremser sei. Er antwortete: ,Der ist schon 28.' Schon 28, verstehen Sie? Er hatte keine Ahnung von meinem Alter.

          Alter scheint kein Hindernis für Sie zu sein.

          Ich werde nächstes Jahr 50, aber ich bin so fit wie ein 35-Jähriger. Ich habe die Alterung um ein Drittel verzögert.

          Anti-Aging mit extremen Belastungen. Das ist eine neue Variante. Slusznys Programm: ein Versuch hinauf zur 8091 Meter hohen Annapurna ohne Sauerstoffflaschen, für sechs Stunden hinunter und hinein ins Wrack der „Britannia“ auf 120 Metern Tiefe. Oder eine Schwimmtour durch den Ärmelkanal in zehneinhalb Stunden. Loopings mit dem Hängegleiter, Wasserskifahren auf den Füßen, dazu noch Bungeejumping vom Heißluftballon. Absprunghöhe: 6720 Meter.

          Andere hätten drei Leben dafür gebraucht, sagen Sie. Sie haben also beschleunigt. Das muss Kraft kosten.

          Ja, anfangs. Aber das, was ich tue, gibt mir mehr Kraft zurück.

          Sie haben bei Ihren Crashkursen auf dem Weg zur Bob-WM zahlreiche Stürze erlebt, unzählige Prellungen davongetragen. Was sollte Ihnen bitte Kraft geben?

          Die Erkenntnis, Schritt für Schritt weiterzukommen. Nicht der Titel allein macht dich stark, sondern der Weg dahin. Und deshalb kann auch der zweite oder der vorletzte Platz wichtig sein. Das Bewusstsein, alles gegeben zu haben, ist entscheidend.

          Sie fahren auf Ankommen. Das ist nicht unbedingt einer Weltmeisterschaft würdig.

          Das kann man so sehen. Aber wenn man sich meinen Lebenslauf betrachtet, dann sieht man, dass ich immer ein hohes Niveau erreicht habe. Ich weiß aber, dass ich weder für Tennis noch für Schwimmen und ganz sicher auch nicht für das Bobfahren geboren bin. Ich bin kein Naturtalent, aber meine Lernkurve ist steil.

          Kein Talent. So. Sluszny gehörte der Davis-Cup-Auswahl für Belgien an, schaffte es in die erste Runde von Wimbledon. Er war Mitglied der belgischen Equipe bei der Fecht-WM 2002. Über den Anden ist dem Hubschrauberpiloten ein Höhenrekord im Segelfliegen gelungen.

          Warum haben Sie nicht versucht, in einer Sportart ganz nach oben zu kommen?

          Das habe ich, im Tennis mit sechs Stunden Training am Tag. Mein Vater sagte mir immer, man könne sich nur auf eine Sache konzentrieren. Das ist falsch. Als ich Tennis spielte, war es für ihn wichtig, dass ich gewinne. Tat ich das nicht, ging es mir sehr schlecht. Denn ich hatte nichts, was mich in solchen Momenten gestützt hätte. Das war deprimierend. Als ich mit etwa 22 aufhörte, wurde mir klar, dass ich, hätte ich mehrere Leidenschaften gehabt, niemals in allen gleichzeitig einen schlechten Moment erlebt hätte. Es wäre immer ein Ausgleich dagewesen. Ich verstand, dass ich meine Energie in verschiedene Dinge investieren musste.

          Wie schafft man es, zu Lande, zu Wasser und in der Luft an die Grenze zu gehen, so ohne Talent?

          Meine Stärke ist mein Wille, meine Fähigkeit, mich auf etwas zu konzentrieren, langfristig wie kurzfristig. Dazu muss man Träume haben, Mut. Man muss seine Ängste überwinden können.

          Weitere Themen

          Der Unbeugsame

          Tennisprofi Roger Federer : Der Unbeugsame

          Roger Federer sieht den Kampf gegen das Alter noch nicht als verloren an. Er unterliegt Alexander Zverev in London – und sagt, dass er sich auf das nächste Tennis-Jahr freue. Das hat einen Grund.

          Auf „Schneefüßen“ den Hang hinunter Video-Seite öffnen

          Statt Ski und Snowboard : Auf „Schneefüßen“ den Hang hinunter

          Zwei Tschechen haben eine neue Art von Gleitschuhen entwickelt, mit denen man die Pisten heruntersausen kann. Die „Snowfeet“ sind eine Kombination aus Ski und Schlittschuh, passen über Winterschuhe und haben eine Metallkante.

          Topmeldungen

          Mord an Jamal Khashoggi : Trump lässt Riad nicht fallen

          Obwohl Trump es als möglich erachtet, dass der saudische Kronprinz Kenntnis vom Mord an Khashoggi hatte, hält der amerikanische Präsident an der Verbindung nach Riad fest – und nennt eine Reihe von Gründen.

          FAZ Plus Artikel: Union und Migrationspakt : Nichts zu machen wäre viel schlimmer

          Die Union streitet weiter über den neuen Migrationspakt. Spahn verstärkt seine Kritik, Söder schwankt – doch Dobrindt steht weiter dazu. Selbst eine Einigung unter den Politikern würde den Pakt jedoch nicht beliebter machen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.