28.10.2007 · Die Frankfurter Marathon-Organisatoren wandelten bisher gekonnt auf einem schmalen Grat zwischen Wachstumsstreben und Verantwortungsbewusstsein. Beraten und aufklären - viel mehr kann ein Veranstalter nicht tun, damit alle Läufer gesund ankommen.
Von Leonhard KazdaEs geht voran mit dem Frankfurt Marathon. Seit nunmehr fünf Jahren steigt die Teilnehmerzahl; 12.000 Läuferinnen und Läufer waren bei den jüngsten Auflage des Laufs am Main über die klassische Distanz unterwegs. Insgesamt, so meldete der Veranstalter, brachte der Marathon mit Struwwelpeterlauf für die Kleinsten, dem Brezzellauf für Jedermann, dem Minimarathon für den Nachwuchs und dem Staffelwettbewerb 18.000 Menschen in Bewegung. Stolze Zahlen, die für die solide Arbeit der Organisatoren sprechen.
Um neue Freunde und Läufer zu gewinnen, hat der Frankfurt Marathon in diesem Jahr in die Trickkiste gegriffen. Was nicht unbedingt verwerflich ist. Die Maximalzeit für die langsameren Läufer auf 6:15 Stunden zu erhöhen, hat sicher noch ein paar mehr Sportler aus der Sparte jener angelockt, die mit weniger Ehrgeiz und gemäßigtem Tempo an den Start gehen. Eine dreiviertel Stunde mehr als im Jahr zuvor stand diesen Teilnehmern zur Verfügung, um sich hinterher als Marathonläufer bezeichnen zu können. Die Grenze ist damit deutlich gelockert worden. Und selbst der Frankfurter Renndirektor Jo Schindler gestand ein: „In der Zeit kann man schon fast ins Ziel wandern.“
Fingerspitzengefühl nötig
Marathon ist ein Massenphänomen geworden. 1936 gewann der Koreaner Sohn Kee-Chung in 2:29:20 Stunden die olympische Goldmedaille. Solche Resultate erzielen heute die besten Läufer aus der Altersklasse unter 60 Jahren. Dass sich Marathonveranstalter dem Trend anpassen, kann man ihnen nicht vorwerfen. Dennoch ist Fingerspitzengefühl nötig, denn viele der weniger gut trainierten Teilnehmer nehmen bei ihren Starts ein Gesundheitsrisiko in Kauf, nur um sich später Marathonläufer nennen zu können. Sogar zu Todesfällen kommt es zuweilen. Für 14 Läufer endete ihre Teilnahme an einem diese Langstreckenläufe in diesem Jahr tödlich. Was tun?
Ein Gesundheitspass würde riesigen bürokratischen Aufwand bedeuten. Aktionen wie das „Konsensus-Papier“, das im September eine Runde von Sportmedizinern als gut gemeinten Katalog mit Maßnahmenempfehlungen veröffentlichte, werden kaum erhört. Auch Dr. Klaus Gerlach, Mannschaftsarzt des Fußball-Zweitligaklubs Mainz 05 und selbst Marathonfinisher, hält nicht viel davon: „Das Konsenspapier“, sagte Gerlach beim Sportgespräch in Frankfurt, das sich dem Thema Marathon und Gesundheit widmete, „wird nichts bewirken.“
Positives Bild mit zusätzlichem Glanz
So wandeln die Frankfurter Organisatoren bisher gekonnt auf einem schmalen Grat zwischen Wachstumsstreben und Verantwortungsbewusstsein. Beraten, aufklären, Problembewusstsein wecken – viel mehr kann ein Veranstalter nicht tun. In Frankfurt hat dies in diesem Jahr bestens funktioniert. Ein „Gesundheitscheck“ auf der Internetseite und das „Sportgespräch“ einen Tag vor dem Start waren sinnvolle, flankierende Maßnahmen.
So kann man dann unbeschwert eines der schönsten, sportlichen Feste feiern, das Frankfurt zu bieten hat. Und dass der Kenianer Wilfred Kigen den Marathon mit seinem dritten Sieg in Folge und einer neuen Rekordzeit adelte, verlieh dem ohnehin schon positiven Bild zusätzlichen Glanz.