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„Marathon Faces“ Endorphine im Bild

07.04.2009 ·  Glückliche und Verkniffene, Erleichterte und Erschöpfte, Pausbäckige und Ausgemergelte: Der Fotograf Adrian Bischoff hat Porträts von Marathonläufern nach dem Zieleinlauf aufgenommen. Zum Auftakt der Laufsaison zeigt FAZ.NET die besten Bilder.

Von Alex Westhoff, Frankfurt
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Glückliche und Verkniffene, Erleichterte und Erschöpfte, Pausbäckige und Ausgemergelte - Adrian Bischoff hat sie alle vor die Kamera bekommen. Und zwar in einem Moment, „der den Blick in die Seele freigibt“, wie er sagt. Der Frankfurter Fotograf hat Menschen aufgenommen, die gerade das erhabene Gefühl genießen, 42,195 Kilometer laufend durch Frankfurt bewältigt zu haben. (siehe auch: Frankfurt-Marathon: Deutsche Lichtblicke beim langen Lauf)

Die puren Endorphine, die wollte Bischoff bildlich festhalten. Endorphine und Erschöpfungsgrad - das waren auch sein Hauptkriterien bei der Auswahl der Bilder, die seit dem vergangenen Wochenende in der Rotunde der Dresdner Bank an der Frankfurter Gallusanlage zu sehen sind. Herausgekommen ist ein buntes Sammelsurium an Porträts, auf dem der Blick lange ruhen kann, ohne dass der Betrachter ermüdet. „Marathon Faces“, heißt die Sammlung, die noch bis zum 17. April in Frankfurt gezeigt wird.

Das erste Bild ist meist das beste

Bischoff hatte beim letztjährigen Frankfurt-Marathon wenige Meter hinter dem Ziel in der Festhalle ein kleines Fotostudio installiert. Mit 150 Läufern hatte der Fotograf vereinbart, dass sie den Marathon noch um 15 Meter verlängern und sofort bis vor seine Linse durchrennen. Eine Idee mit ungewissem Ausgang angesichts des großen Andrangs im Zielbereich eines Massenmarathons wie dem in Frankfurt. Denn jede Sekunde zählte für Bischoffs Projekt.

„Dreißig Sekunden später sehen die Gesichter schon ganz anders aus“, sagt er. Das Losgelöste, Entrückte, ja Unzensierte in den Gesichtern der Breitensportler nach der Strapaze Marathon sei immer weniger geworden, je mehr Zeit zwischen Zieleinlauf und Foto verstrich. Das jeweils erste Bild, das Bischoff von einem ankommenden Läufer machte, war nach seinen Worten meist das beste. Bei den anderen Bildern hätten „viele schon angefangen rumzukaspern“.

Schlangen vor dem Studio

Nach einiger Zeit geriet die Sache etwas aus dem Ruder. Vor dem Fotostudio bildeten sich Schlangen von geduldig wartenden Läufern. Viele wollten sich plötzlich fotografieren lassen. Da hätten sich die Züge in den Gesichtern der Teilnehmer natürlich längst beruhigt, die Kontrolle war wieder da, erzählt Bischoff und sagt auch: „Ich bin getrieben davon, anderen Leuten in die Seele zu schauen.“ Dies sei das Kernmotiv der meisten seiner Arbeiten.

177.115 Läufer haben beim Frankfurter Marathon seit 1981 das Ziel erreicht, allein im Jahr 2008 waren es 9464. Jeder Teilnehmer hat seine eigene Geschichte von einem Marathon, seine besondere Erinnerung an bestimmte intensive Episoden, an Momente des Leidens und der Begeisterung - und natürlich an das Gefühl beim Erreichen der Ziellinie.

„Frauen zeigen keinen Schweiß“

Diese Geschichten werden häufig zur Sprache gebracht. Der 49 Jahre alte Adrian Bischoff hat dafür eine Bildsprache entwickelt, die gleichermaßen ungewöhnlich wie sehenswert ist. 28 Meter Porträts auf zwei Ebenen kann der Besucher abschreiten oder sie aus einiger Entfernung als Ganzes auf sich wirken lassen.

Eins fällt dabei schnell auf: Warum sind so wenige weibliche Läuferinnen auf den Bildern zu sehen? „Frauen zeigen keinen Schweiß“, begründet Bischoff. Die Läuferinnen hätten auf den wenigen Metern vom Zielstrich bis zum Fotostudio ganze Arbeit geleistet: sorgfältig den Schweiß weggewischt, die Haare gemacht - und freundlich in die Kamera gelächelt.

Die Ausstellung „Marathon Faces“ ist noch bis zum 17.04.2009 in der Rotunde des Fürstenhofs, Dresdner Bank, Gallusanlage 2 in Frankfurt am Main zu sehen.

Quelle: F.A.Z.
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