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Manipulationsprozess um THW Kiel Verräterisches Schreiben

 ·  Im Kieler Manipulationsprozess könnte das Urteil früher als gedacht gefällt werden. Ein brisantes Fax belastet vor allem den früheren Manager Uwe Schwenker.

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Nach 14 langen Prozesstagen ist ein Ende absehbar. An diesem Mittwoch wird es im Saal 232 des Kieler Landgerichts zum letzten Mal im Jahr 2011 um die komplizierte Frage gehen, ob die beiden ehemaligen Verantwortlichen des THW Kiel, Manager Uwe Schwenker und Trainer Zvonimir Serdarusic, im Champions-League-Finalrückspiel 2007 gegen die SG Flensburg-Handewitt versucht haben, die Schiedsrichter zu bestechen. Beide bestreiten die Vorwürfe; ihre Anwälte erwarten einen Freispruch. Der Vorsitzende Richter Matthias Wardeck hatte vergangene Woche angedeutet, dass keine weiteren Zeugen vernommen werden. Somit könnte das Urteil früher als gedacht gefällt werden - schon Anfang Januar 2012.

Vieles wies bis zum vergangenen Freitag auf einen Freispruch Schwenkers und Serdarusics hin. Die meisten Zeugen, die die beiden hätten belasten können, wollten oder konnten sich nicht daran erinnern, ob Schwenker tatsächlich irgendwann von Schiedsrichterbestechung gesprochen hatte. Die polnischen Schiedsrichter bestritten alle Vorwürfe. So wirkte es zuletzt, als hätte die Staatsanwaltschaft zu wenig stichhaltiges Material für eine Verurteilung.

Was passiert im Falle eines Freispruchs?

Doch am 14. Verhandlungstag präsentierte Oberstaatsanwalt Axel Goos ein Fax vom 28. Februar 2003. Ein Fax, das zur Prozess-Überraschung wurde: In diesem Schreiben übermittelte der THW Kiel dem Kroaten Nenad Volarevic die Kontaktdaten der beiden Schiedsrichterpaare für das Champions-League-Viertelfinale gegen Prule Lubljana im März 2003. Serdarusics Freund Volarevic ist der mutmaßliche Mittelsmann, der einem der Unparteiischen des Finales von 2007 kurz vor dem Spiel 45.000 Euro Bestechungsgeld in Warschau überbracht haben soll - was alle Parteien bestreiten. Volarevic habe das Geld und andere Zahlungen lediglich als Aufwandsentschädigung für Scouting-Arbeiten auf dem Balkan erhalten, behaupten Serdarusic und Schwenker. Rätselhaft bleibt, warum Volarevic 2003 die Daten der beiden Gespanne für die Partien gegen Ljubljana bekam. Geschrieben wurde das Fax damals von der ehemaligen Geschäftsstellenleiterin Sabine Holdorf-Schust; sie ist heute Geschäftsführerin des THW. Es ist zwar nicht von Schwenker unterschrieben, aber in seinem Namen verfasst. Gefunden wurde das Schreiben auf einem beschlagnahmten THW-Computer.

Was die Staatsanwaltschaft belegen will, ist klar: Es gab engere und frühere Kontakte zwischen Schwenker und Volarevic als die bisher bekannten. Volarevic selbst wird in Kiel nicht als Zeuge auftreten. Er hat das in einem Fax abgelehnt. Im Zeugenstand konnte sich Sabine Holdorf-Schust nicht daran erinnern, was es mit dem verräterischen Schreiben auf sich gehabt habe. Sie konnte auch nicht beantworten, was Volarevic mit Schiedsrichtern künftiger THW-Spiele zu tun gehabt habe. Sie bestritt aber nicht, es verfasst zu haben. Sollte das Fax die Grundlage eines Bestechungsversuches gewesen sein, wäre er misslungen: Der THW schied damals völlig überraschend aus. Ob das Schreiben die Richter in ihrer Urteilsfindung beeinflusst, bleibt abzuwarten. Am Gesichtsausdruck Schwenkers war am vergangenen Freitag abzulesen, wie unangenehm ihm das brisante Fax war: Er lief rot an und wirkte etwas weniger siegessicher als zuvor.

In der Handballszene geht es derweil längst nicht mehr um jedes kleine Detail der manchmal quälend langsam voranschreitenden Wahrheitssuche am Kieler Landgericht. Es geht darum, was im Falle eines Freispruchs passiert. Während die Kieler Verantwortlichen um den Aufsichtsratsvorsitzenden Klaus-Hinrich Vater schweigend abwarten, hat Meistertrainer Alfred Gislason vergangene Woche gesagt, er halte eine Rückkehr Schwenkers zum THW im Falle eines Freispruchs für vorstellbar. Die beiden schätzen sich. Was mit Serdarusic geschehen könnte, geht bislang nur als Gerücht durch die Handball-Republik: Am Ende der laufenden Saison könnte er im Falle eines Freispruchs den Trainerposten beim HSV Hamburg vom glücklosen Per Carlén übernehmen. Dazwischen steht das Urteil der 5. Großen Strafkammer.

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