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„Für den Menschen Jan Ullrich tut es mir unheimlich leid“: Magdalena Neuner. Bild: dpa

Magdalena Neuner im Gespräch : „Ich kann nachvollziehen, was mit Jan Ullrich passiert ist“

Die frühere Biathletin Magdalena Neuner war Liebling der Nation. Mit 25 Jahren beendete sie ihre Karriere. Im Interview spricht Neuner über Jan Ullrich, den Druck auf Sportstars und ihren Sechser im Lotto.

          Frau Neuner, können Sie in irgendeiner Weise nachvollziehen, was mit Jan Ullrich passiert ist?

          Michael Eder

          Sportredakteur.

          Ja, ich kann das nachvollziehen, Ich weiß, welchen schwierigen Situationen und welchem Druck Spitzensportler ausgesetzt sind. Ich kann nachvollziehen, dass man daran zerbrechen kann. Es tut mir für den Menschen Jan Ullrich unheimlich leid. Es ist fürchterlich. Ich wünsche ihm, dass er es gemeinsam mit seiner Familie schafft, wieder ein normales Leben zu führen. Eine Therapie wäre der Anfang, aber leicht wird das nicht.

          Sie waren als Biathletin zehnmal Weltmeisterin, zweimal Olympiasiegerin, dreimal Sportlerin des Jahres, Sie waren der Liebling der Nation. Und dann haben Sie aufgehört, mit 25 Jahren. Sie haben auf viel Geld und viele Titel verzichtet, was war Ihnen wichtiger als das?

          Mein Leben mit den Menschen zu leben, die ich liebe: mit meiner Familie, jetzt mit den Kindern, den Freunden. Und neue Herausforderungen zu finden. Neugierig zu sein auf das, was kommt.

          Hat Sie der Starruhm verändert?

          Ich habe mich immer geehrt gefühlt, wenn man mich als Star bezeichnet hat, war aber immer noch ich selbst. Es hat nichts an der Vorstellung geändert, wie ich mein Leben führen möchte. Man muss sich im Erfolg Dankbarkeit erhalten und ein gewisses Umfeld. Mein Freundeskreis hat immer aus Menschen bestanden, die nichts mit dem Spitzensport zu tun hatten. Und ich kann gut unterscheiden, wer meine Freunde und wer meine Bekannten sind.

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          Sie haben aber auch die Schattenseiten des Ruhms kennengelernt.

          Ja, ich habe erlebt, dass die Leute sehr aufdringlich waren, dass ich auch zu Hause nicht mehr meine Ruhe hatte, dass nachts Leute auf meinem Balkon standen, dass es Morddrohungen gab, Polizeieinsätze und Gerichtsverhandlungen. Ich habe drei schlimme Stalking-Geschichten hinter mir. Das alles hat mich sehr belastet. Mein Umfeld hat mir geholfen, darüber hinwegzukommen, und wahrscheinlich war der wichtigste Punkt: Ich arbeite mit einem sehr, sehr guten Mentaltrainer zusammen, habe viele Dinge mit ihm geklärt. Das kann man in gewisser Weise als Therapie bezeichnen. Die Arbeit mit ihm war immer ein Schlüssel, um mit schwierigen Phasen gut umzugehen. Manche stürzen sich bei Problemen in Alkohol und Drogen, da ist es sicherlich die bessere Wahl, sich einen guten Mentalcoach zu suchen und mit ihm die Dinge anzusprechen und zu klären.

          Wie ist das mit dem Druck, der auf Sportstars lastet?

          Der Druck ist groß, definitiv. Wir gewinnen in Deutschland gern Gold, und alles andere ist nicht mehr so viel wert. Ich habe Zeiten erlebt, in denen ich das Gefühl hatte, daran zu zerbrechen, weil ich diesem Druck nicht standhalten kann. Auch da hat mir das mentale Training unheimlich geholfen. Es geht darum, ob ich als Sportler diesen Druck an mich heranlasse oder ob ich es schaffe, ihn von mir wegzuhalten. Es ist von großer Bedeutung, überall dort, wo man großen Druck erfährt, einen professionellen Coach an seiner Seite zu haben.

          Wann haben Sie mit dem Mentaltraining angefangen?

          Ganz früh, vor zehn Jahren schon. 2007 bin ich reingerutscht ins Biathlon, wurde gleich Weltmeisterin und habe gemerkt, das überrollt mich jetzt ein bisschen. Anfangs wollte ich mit dem Coach eigentlich nur mein Schießen verbessern. Wir haben erst sporadisch zusammengearbeitet und bald sehr regelmäßig. Er ist für mich im Rückblick auf die vergangenen zehn Jahre wie ein Sechser im Lotto.

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