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Veröffentlicht: 23.04.2017, 19:18 Uhr

London-Marathon Vollgas, bis die Kräfte schwinden

Beim London-Marathon hat Daniel Wanjiru den längsten Atem. Mary Keitany läuft in 2:17:01 Stunden Weltrekord für Frauenrennen. Und Favorit Kenenisa Bekele drückt der Schuh.

von , London
© EPA Der Schnellste: Daniel Wanjiru rettet neun Sekunden Vorsprung ins Ziel

Beim London-Marathon sind die besten Läuferinnen und Läufer der Welt an ihre Grenzen gestoßen: Sie mussten am Sonntag fast alle realisieren, dass sie das Rennen zu schnell begonnen hatten. Für Mary Keitany und Daniel Wanjiru aus Kenia zahlte sich jedoch aus, was im Langstreckenlauf als Unvernunft gilt: Die dreimalige Siegerin des New-York-Marathons kämpfte sich nach einem Solo von vierzig Kilometern, das sie mit Zeiten um drei Minuten pro Kilometer begonnen hatte, mühsam zu ihrem dritten Erfolg auch beim London-Marathon.

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Obwohl sie zum Schluss zwanzig Sekunden mehr für jede tausend Meter brauchte als zu Beginn, lief sie in 2:17:01 Stunden Weltrekord; allein an Prämien (zusätzlich zum Antrittsgeld) hat sie damit 300.000 Dollar gewonnen. Paula Radcliffe, deren Rekord sie um 41 Sekunden unterbot, bleibt gleichwohl die schnellste Marathonläuferin der Welt. Während Mary Keitany nun den Rekord für Frauen-Marathons hält, gelten die 2:15:25 von 2003 als Rekord für gemischte Rennen. Paula Radcliffe hatte damals zwei männliche Tempomacher aus Kenia, besteht aber bis heute darauf, dass sie nicht hinter, sondern stets neben ihnen gelaufen sei. Mary Keitanys Tempomacherin stieg nach der halben Distanz aus.

46027158 Royale Unterstützung an der Verpflegungsstation: William und Kate muntern auf © AFP Bilderstrecke 

„Vor dem Rennen dachte ich, 2:15 sind nicht zu erreichen“, sagte die 35 Jahre alte Siegerin. „Jetzt bin ich überzeugt, dass ich sie schlagen kann.“ Sie lief die ersten fünf Kilometer in 15:31 Minuten, zehn Kilometer in 31:17 und brachte den halben Marathon in 1:06:54 Stunden hinter sich. In diesem Tempo hätte sie, wäre sie damit durchgekommen, sogar den Mixed-Rekord von Paula Radcliffe um mehr als anderthalb Minuten unterboten.

Zweite wurde die Äthiopierin Tirunesh Dibaba; mit der Zeit von 2:17:56 Stunden in ihrem erst zweiten Marathon hat die dreimalige Olympiasiegerin über 5000 und 10000 Meter und zehnmalige Weltmeisterin auf der Bahn und im Cross bewiesen, dass sie auch auf der Straße eine Große ist. Schneller als sie sind jemals nur Paula Radcliffe und Mary Keitany gelaufen; noch nie haben zwei Frauen in ein und demselben Marathon 2:19 Stunden unterboten, geschweige denn 2:18. Tirunesh Dibaba hatte wenige Kilometer vor dem Ziel Krämpfe und musste sich übergeben. Ihr gefürchtetes Sprintvermögen dürfte Mary Keitany zur Flucht nach vorn getrieben haben.

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Auch die Männer, am Sonntagmorgen eine halbe Stunde nach den Frauen am Start, gingen das Rennen viel zu schnell an. Für die ersten fünf Kilometer brauchte die Spitzengruppe um den äthiopischen Favoriten Kenenisa Bekele 14:11 Minuten; damit liefen sie das Tempo für einen Marathon in knapp zwei Stunden, obwohl Bekele lediglich angekündigt hatte, den Weltrekord von 2:02:57 Sekunden anzugreifen. Doch nach der Hälfte des 42,195 Kilometer langen Rennens, erreicht nach 61:41 Minuten, schien den stärksten Langläufern der Welt die Puste auszugehen. Bekele fiel aus der Spitzengruppe zurück, der Kenianer Daniel Wanjiru hielt am längsten durch und erreichte das Ziel am Buckingham Palace in 2:05:48 Stunden.

Füße wund gerieben

Bekele beklagte, dass seine Schuhe ihn aus dem Rennen geworfen hätten. Das ist peinlich, weil der Sportartikelhersteller Nike sie für sein Projekt breaking2 entwickelt hat, in dem Eliud Kipchoge in zwei Wochen die Marathon-Distanz von 42,195 Kilometer in weniger als zwei Stunden absolvieren soll. Die Innenseite der Schuhe aus hartem Kunststoff habe ihm, weil er keine Socken trage, die Füße wund gerieben, klagte Bekele. Durch seinen veränderten Bewegungsablauf und seine andere Haltung habe er Schmerzen im rechten Bein bekommen. Beim Berlin-Marathon 2015 waren Eliud Kipchoge die Innensohlen aus seinen Nike-Schuhen gequollen; er ließ sich nicht beeindrucken und wirkte bei seinem Sieg (2:04:01), als hätte er Flügelchen an den Knöcheln.

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Statt aufzugeben, kam der 34 Jahre alte Bekele zurück. Scheinbar mühelos passierte er all die erschöpften Läufer, mit denen er in der Spitzengruppe gelaufen war, und schloss in einem einsamen Rennen immer weiter zu dem zehn Jahre jüngeren Wanjiru auf. Dieser rettete neun Sekunden von rund einer halben Minute Vorsprung ins Ziel und konstatierte, nach einer angemessenen Verschnaufpause: „Das Rennen wurde härter und härter, ich kann sagen: Es war nicht leicht.“ Wenn er 2018 wiederkomme, versprach er, dann stärker und schneller. Mit Sammy Wanjiru ist Daniel Wanjiru nicht verwandt oder verschwägert. Doch er hat lebhafte Erinnerungen an den draufgängerischen Langläufer, der im Mai 2011 ums Leben kam. „Ich ging noch zur Schule, als er 2008 in Peking Olympiasieger wurde“, erzählte er in London. „Ich hatte am selben Tag Training und sagte mir: Vielleicht kannst du auch eines Tages an internationalen Wettbewerben teilnehmen.“

Angesprochen auf Vorjahressiegerin Jemima Sumgong, die bei einer Trainingskontrolle des Dopings mit Epo überführt worden ist, schloss sich Mary Keitany der von Paula Radcliffe erhobenen Forderung an, Doping zu einem Straftatbestand zu machen – wie in Deutschland. „Sie killen den Sport“, sagte sie vor dem Rennen über Doper. „Wenn ich am Sonntag gewinne, sagen vielleicht manche, ich sei wie die anderen. Ich will das nicht. Ich will sauber laufen, und alle sollen es wissen.“

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