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Sport-Kommentar Letzte Chance für eine Chaotin

15.02.2012 ·  Die Läuferin Lindenberg fürchtete öffentlich, Olympia zu verpassen, weil sie drei Dopingtests verpasst hatte - aus eigener Blödheit, wie sie sagte. Nun schweigt sie erleichtert.

Von Michael Reinsch
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Blödheit hat sie sich selbst bescheinigt, die Läuferin Janin Lindenberg, und sie hat sich auch als eine Chaotin bezeichnet. Da fürchtete die Magdeburgerin noch, dass sie für den Rest der Olympiasaison gesperrt werden würde, weil sie drei Doping-Tests verpasst hatte.

Nun schweigt sie erleichtert, denn eines ihrer drei Versäumnisse wird vom Disziplinarausschuss der Nationalen Anti-Doping-Agentur nicht als Verstoß bewertet. Mit zweien aber steht sie weiterhin in der Kreide, wie eine Verkehrssünderin, die sich keinen weiteren Punkt in Flensburg leisten darf, um nicht den Führerschein zu verlieren. Sie kann es sich nicht noch einmal erlauben, dass die Doping-Kontrolleure unverrichteter Dinge wieder abziehen müssen, weil Frau Lindenberg nicht aufzufinden war.

Dabei dürfte es vermutlich eher ihre geistige Abwesenheit gewesen sein, die dazu führte, dass das berühmt-berüchtigte Adams-Computersystem sie als zu Hause erreichbar auswies, als sie in Wirklichkeit - und leicht überprüfbar - mit der Leichtathletik-Nationalmannschaft auf dem Heimflug von der Weltmeisterschaft in Südkorea war. Trotzdem ist genau dies einer ihrer beiden aktenkundigen „missed tests".

Blödheit ist keine Entschuldigung

Auch den anderen hat sie sich selbst zuzuschreiben, denn sie vergaß, die sogenannten „Whereabouts", Standortmeldungen für ein Vierteljahr im Voraus, in den Computer einzugeben. Weil das Gerücht einer bevorstehenden Sperre nach drei verpassten Tests die Runde machte und weil der Leichtathletikverband auf Klärung drang - schließlich ist die Sportlerin mitten in der Vorbereitung auf die Olympischen Spiele -, ging Janin Lindenberg mit ihrer Angst um die sportliche Existenz an die Öffentlichkeit.

Die für den Spitzensport freigestellte Polizistin klagte nicht über das System, das sie offenbar überfordert, sondern meinte sogar, dass ein Freispruch, den sie verzweifelt erhoffte, ein falsches Signal an alle anderen Athleten sei. Trotzdem hat sie nun die Mitteilung erhalten, dass die Nada keinen Verstoß gegen die Regularien erkenne.

De facto ist es ein Freispruch. Doch der ganze Fall ist - nicht nur für Janin Lindenberg - auch eine Warnung, das Kontrollsystem ernst zu nehmen. Um es mit dem Wort der Betroffenen zu sagen: Blödheit ist keine Entschuldigung.

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Jahrgang 1958, Korrespondent für Sport in Berlin.

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