07.08.2007 · Skateboard steht vor der Olympia-Premiere 2012. IOC-Präsident Rogge kommt so seiner gewünschten Modernisierung der Spiele näher. Doch bei den Sportlern ist der Eintritt in die olympische Familien umstritten.
Wilder, attraktiver, jünger: Skateboard steht vor der Olympia-Premiere 2012 in London, und IOC-Präsident Jacques Rogge kommt seiner gewünschten Modernisierung der Olympischen Spiele wieder einen Schritt näher. Der „Action Sports International Federation“, verantwortlich für die Skateboarder, hat sich mit dem Radsport-Weltverband (UCI) geeinigt, unter dem Dach der UCI um die Aufnahme ins olympische Programm zu bitten. Das hatte das Internationale Olympische Komitee (IOC) als Voraussetzung für ein Olympia-Debüt formuliert. Die Zustimmung der IOC-Exekutive unter einen entsprechenden Antrag gilt als Formsache.
„Die UCI ist beim IOC noch nicht als offizieller Vertreter der Skateboarder anerkannt“, sagte IOC-Vizepräsident Thomas Bach, „aber wenn sich die Skateboarder unter das Dach des UCI begeben, ist das ein wichtiger Schritt. Wir warten auf den offiziellen Antrag, mit dem sich dann die Programmkommission und die Exekutive beschäftigen müssen.“ Selbst das Organisationskomitee der Olympischen Spiele in London hat sich schon dafür ausgesprochen und will Skateboard im neuen „Olympic Parc“ veranstalten. Drei Wettbewerbe sollen sich unter den olympischen Ringen präsentieren dürfen: Vert, Street und Big Air.
Von „Olympia ist geil“ bis „hört auf mit dem Schwachsinn“
In Internet-Foren werden die Bemühungen kontrovers diskutiert. „Olympia ist geil“ - „bitte nicht, die klauen uns unsere Tradition - „hört auf mit dem Schwachsinn. Als nächstes wird auch noch Formel 1 als Sparte des Radsport-Weltverbandes laufen, weil es mit Rädern zu tun hat“ waren nur einige Reaktionen, die verschiedene Denkweisen in der Szene verdeutlichen. Rogge hat bei seinem Amtsantritt zur persönlichen Mission gemacht, Olympia für sportliche Trends in der Gesellschaft zu öffnen.
Durch den direkten Anschluss an einen bereits im IOC vertretenen Weltverband werden die olympischen Qualifikations-Kriterien für einen Sport und die Wege durch das ansonsten beträchtliche Statutenwirrwarr erheblich verkürzt. Skateboard wäre demnach keine neue Sportart, sondern eine neue Disziplin. Als Disziplin benötigt Skateboard nur die Zustimmung der Exekutive und nicht der Vollversammlung. Siehe Snowboard, das sich 1994 dem Internationalen Ski-Verband (FIS) angeschlossen hatte, und 1998 in Nagano dabei sein durfte.
Positive Schlagzeilen für krisengeschüttelte UCI
Zahlreiche Snowboard-Asse hatten den Olympia-Einstand allerdings boykottiert, weil sie sich von der FIS zu sehr reglementiert und ihren Sport nicht authentisch genug repräsentiert fühlten. „Jeder hatte gemischte Gefühle, aber Olympia war ein Super-Spaß“, sagte Olympiasieger Shaun White (USA).
Der charismatische Multi-Millionär könnte auch zum Coverboy der Skateboarder werden. Der 20 Jahre alte Kalifornier, immerhin Vert-Champion bei den X-Games 2007, will unbedingt auch zu den Sommerspielen. Der viermalige X-Games-Champion Bob Burnquist (Brasilien), Profi-Skateboarder und einer der größten Stars des Sports, ist dagegen skeptisch: „Ich habe viel Respekt vor Olympia, aber wenn das IOC versucht, uns seinen Willen aufzuzwingen, werde ich dagegen arbeiten und nicht teilnehmen.“ Sein Landsmann Sandro Diaz, ebenfalls in der Weltelite, fungiert sogar als Fahrersprecher im neugegründeten Weltverband. Gegenwärtig gibt es weltweit knapp 13 Millionen registrierte Skateboarder.
Die krisengeschüttelte UCI könnte unterdessen bei der medialen Dauer-Schelte nach den zahlreichen Doping-Verfehlungen positive Schlagzeilen dringend gebrauchen. „Wir tun unser Bestes, damit Skateboard 2012 dabei ist und verfolgen eine klare Strategie, um der Bitte von Jacques Rogge nachzukommen“ erklärte der UCI-Sportdirektor Olivier Queguiner, “technisch, logistisch und auch von den Kosten her wäre es kein Problem, Skateboard 2012 auszutragen. Wir benötigen nur noch das grüne Licht des IOC.“ Die 15 Mitglieder der IOC-Exekutive dürften sich wohl kaum dem Willen ihres Chefs, Ober-Olympier Rogge, verschließen.