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Skirennfahrer Linus Straßer : „Was gibt es Schöneres?“

Linus Straßer: „Bis zu einem gewissen Punkt geht es über Talent, aber irgendwann funktioniert es nicht mehr ohne eisernen Willen, ohne harte Arbeit, die man hineinsteckt.“ Bild: Pahnke, Christina

Wer im Sommer zu wenig macht, bekommt im Winter die Quittung: Skirennfahrer Linus Straßer über seinen Weg in die Weltspitze, Träume und Zweifel – und was einen guten Slalomfahrer mit Lionel Messi verbindet.

          Herr Straßer, um im Sport etwas Großes zu erreichen, braucht man da ein Vorbild? Ein Idealbild seiner selbst? Einen Traum?

          Michael Eder

          Sportredakteur.

          Als Kind, und noch als jüngerer Athlet, braucht man ein Idol. Das hatte ich auch: den Norweger Kjetil André Aamodt. Er wurde zu meinem Vorbild, als ich sieben war. Im Kitzbüheler Ski Club durften wir beim Hahnenkammrennen im Zielbereich immer ziemlich nah ran an die Athleten, auch bei der Siegerehrung. Aamodt hatte die Kombination gewonnen, und nachdem er vom Siegerpodest runterkam, bin ich zu ihm hin und habe gefragt, ob ich seine Startnummer haben darf. Er hat mir seine Ski in die Hand gedrückt, seinen Riesenpokal, den Blumenstrauß, ich stand da, und er hat mir noch die Startnummer übergezogen. Ich war völlig geflasht. Aamodt hat mir wahnsinnig imponiert, ein großer Star und ein freundlicher, in sich ruhender Typ. Ich glaube, es ist wichtig, als Kind ein Leitbild zu haben, an dessen Beispiel man sieht, wohin die Reise gehen kann. Irgendwann ist aber der Punkt erreicht, an dem es sich dreht, an dem man sich nicht mehr an einem Vorbild orientiert, sondern an sich selbst. Ich bin jetzt 24 und schaue noch, wie die anderen fahren, klar, ich mache mir ein Bild von ihnen, aber ich habe kein festes Vorbild mehr.

          Wie wichtig ist Realismus? Wie sehr darf man träumen?

          Ich betrachte meinen Sport als großes Puzzle. Man muss es über die Jahre hinweg zusammenfügen. Wenn man meint, das würde allein über Talent gehen, funktioniert es nicht. Das merkt man spätestens, wenn man in der Weltspitze angelangt ist. Bis zu einem gewissen Punkt geht es über Talent, aber irgendwann funktioniert es nicht mehr ohne eisernen Willen, ohne harte Arbeit, die man hineinsteckt. Das gilt nicht nur für den Winter. Wenn man im Sommer denkt, man kann sich ein gemütliches Leben machen, dann bekommt man im Winter die Quittung dafür.

          Hilft ein Ziel, das alles auf sich zu nehmen, ein Traum?

          Ja klar. Ein Riesentraum von mir war immer, einmal ein Weltcup-Rennen zu gewinnen, gar nicht mehr – erst einmal. Es ist noch nicht lange her, da war das sehr weit weg, und dann ging es ziemlich schnell. Man findet seinen Platz, und auf einmal steht man beim Parallelslalom in Stockholm als Weltcup-Sieger da. Das nimmt einem die Zweifel, dass alles nur ein Traum bleiben könnte. Dann kommt der nächste Traum: mal um eine Weltcup-Kugel fahren, um eine Medaille – und das ist nach Stockholm etwas, was ich mir viel mehr zutraue als zuvor. Ein erfüllter Traum bewirkt eine andere Sicht auf die eigene Zukunft. Man wächst in eine Aufgabe hinein, aber man wächst auch an ihr.

          Skirennläufer Linus Strasser: „Auf einmal steht man beim Parallelslalom in Stockholm als Weltcup-Sieger da“

          In welchem Verhältnis müssen Anspruch und Wirklichkeit stehen?

          Man muss sich reflektieren können. Man muss wissen, was im Augenblick wirklich möglich ist, man muss wissen, wo man steht. Ich zum Beispiel weiß jetzt, dass es für mich jederzeit möglich ist, im Slalom um den Sieg mitzufahren, aber ich weiß auch, dass dann vieles zusammenpassen muss.

          Sie sagen, Sie hätten ein gutes Gefühl für sich selbst. Was meinen Sie damit?

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