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Kommentar : Lieber mit Lasershow

Vorfreude: John Isner ist für Amerika dabei Bild: DIVISEK/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Der Davis Cup könnte endgültig in den Schatten gestellt werden: Der Rod-Laver-Cup verspricht beste Unterhaltung.

          Ob dieser Rod-Laver-Cup ein Erfolg wird? Die Frage stellt sich angesichts der imposanten Teilnehmerliste im Grunde schon gar nicht mehr, aber zumindest Dirk Hordorff, der Vizepräsident des Deutschen Tennis-Bundes, blickt dem neuen Event abwartend entgegen: „Bisher sind sämtliche Exhibitions, bei denen es um viel Geld ging, sang- und klanglos in die Pleite gerutscht.“ Ob Hordorff das wirklich glaubt, was er da sagt, ist schwer zu verifizieren, aber auf jeden Fall muss er es ja sagen. Dieser Rod-Laver-Cup wird angesichts der Terminfülle im internationalen Turnierkalender schließlich ein ganz erheblicher Konkurrent für den Davis Cup, wenn nicht sogar ein übermächtiger. Gespielt werden soll in diesem neuen Format immer zwei Wochen nach dem Finalwochenende der US Open und damit in der Woche nach dem Halbfinale und den Relegationsspielen im Davis Cup.

          Mit den absoluten Stars der Branche in einem Team zu einem Wettbewerb modernster Prägung antreten, der sehr viel Aufmerksamkeit (und ja, auch sehr viel Geld) generieren wird – oder irgendwo auf dieser Welt mehr oder weniger für die Ehre und den Ruhm für sein Land spielen? Man kann sich leicht ausmalen, wohin die Reise gehen wird, und im Fall von Alexander Zverev wurde dies besonders deutlich.

          Kann man dem deutschen Jungstar, der eine Weltkarriere anstrebt und immerhin in der aktuellen Weltrangliste an Nummer vier plaziert ist, ernsthaft verübeln, dass er lieber in einer ausverkauften Halle in Prag mit Lasershow, viel Tamtam und einem spektakulären, weil noch nie dagewesenen schwarzen Hartplatzbelag an der Seite von Nadal und Federer antritt, als in der Vorwoche weitgehend unbeachtet auf einem Sandplatz vor überschaubarer Zuschauerzahl in irgendeinem Klub in Portugal?

          Auch Becker hätte sich so entschieden

          Kann man nicht, konnte und wollte auch Boris Becker, der neue „Head of Men’s Tennis“ in Deutschland, nicht, weil er sicher wusste, wie seine eigene Entscheidung ausgefallen wäre. Das mag zu Beckers aktiver Zeit noch anders gewesen sein, aber damals war der Davis Cup nach den Grand-Slam-Veranstaltungen und dem Saisonabschlussturnier der besten Profis auch noch der wichtigste Tennistermin im Jahr. Das ist er längst nicht mehr, weil die Stars einen Bogen um den Davis Cup machen, da sie den in der Regel damit verbundenen Belag- und Ballwechsel und den nicht vorhersehbaren Reiseaufwand nicht irrsinnig schätzen.

          Welche sportliche Bedeutung dieser 1. Rod-Laver-Cup auch haben mag, spielt dabei erst einmal keine Rolle. Europa gegen den Rest der Welt, das ist angelehnt an den äußerst prestigeträchtigen Ryder Cup im Golf. So weit ist der Rod-Laver-Cup bei weitem noch nicht – aber elektrisierender als der Davis Cup wirkt die ganze Geschichte schon. Rafael Nadal und Roger Federer in einem gemeinsamen Doppel zu sehen, das dürfte an diesem Wochenende eine ganze Menge Tennisfans weltweit mehr interessieren als irgendein Davis-Cup-Doppel in der vergangenen Woche.

          Quelle: F.A.Z.

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