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Leichtathletik-WM Grit Breuer will die Schwäche ihrer "Mädels" nicht hinnehmen

01.09.2003 ·  Ein goldenes Finale war von diesem Quartett nicht zu erwarten, nicht einmal eine Medaille. Doch mit der Zeit, die sie auf Platz vier der WM brachte, konnten die deutschen Frauen über 4x400 Meter nicht zufrieden sein.

Von Jörg Hahn
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Ein goldenes Finale war von diesem Quartett nicht zu erwarten, nicht einmal eine Medaille. Seit 1997 konnten die deutschen Frauen über 4x400 Meter - auf dieser Strecke sind sie auch Europameister - stets unter den besten drei der WM landen; nach der Disqualifikation Senegals rückten Claudia Marx, Birgit Rockmeier, Claudia Hoffmann und Grit Breuer in Paris immerhin auf Platz vier (3:26,25 Minuten) vor. Mit der Zeit von 2001, als die deutsche Staffel in Edmonton noch Zweite wurde (3:21,97), hätte sie diesmal locker den Titel gewonnen. Für die Vereinigten Staaten, Rußland und Jamaika wurden jeweils 3:22 Minuten plus einige Zehntel gestoppt.

Als "Schock" empfand es die deutsche Meisterin Claudia Marx, als sie sich auf der Zielgeraden vor dem ersten Wechsel am Ende des Feldes befand. "Ich hatte nicht gedacht, daß ich so schlecht gelaufen bin", meinte die Berlinerin. Schnell wurde dieses Erlebnis abgehakt, alle schauen nach vorne. Denn nach der Anabolika-Dopingsperre für Florence Ekpo-Umoh Anfang der Saison und der Achillessehnenverletzung von Grit Breuer mitten im Sommer stand vor der WM längst fest, daß die Deutschen diesmal nicht konkurrenzfähig sein würden. "Wir müssen alle an uns arbeiten und besser werden, wenn wir nächstes Jahr eine Rolle spielen wollen", fordert Grit Breuer. Nächstes Jahr, das heißt bei den Olympischen Spielen in Athen. Nach den deutschen Meisterschaften in Ulm Ende Juni schien sie wegen ihrer massiven Beschwerden zum WM-Verzicht gezwungen zu sein. Doch ihr glückte mit Trainer Thomas Springstein zumindest eine Teilrückkehr. "Wunderdinge konnte man aber nicht erwarten." Nicht zuletzt deshalb, weil die drei Kolleginnen der 31 Jahre alten Magdeburgerin einen so großen Rückstand mit auf die Runde gegeben hatten. "Du läufst hinterher und versuchst alles, aber es nicht dein eigenes Rennen." Eine "fünfziger Zeit fliegend" habe sie wohl erzielt. Beim deutschen WM-Triumph 1997 in Athen wurden für sie 48,69 Sekunden gemessen.

Als Reinfall oder Niederlage wollte Grit Breuer das Wochenende dennoch nicht werten. "Es war auf alle Fälle richtig, auf den Einzelstart zu verzichten, für die Staffel aber alles zu versuchen. Es tat mir persönlich gut. Vor allem aber ist die Staffel jetzt für Olympia qualifiziert, und wir sind diese Bürde los." So steht man im nächsten Jahr nicht wieder unter diesem Druck. Es ging also schon um einiges in Paris. Denoch war Grit Breuer "relativ relaxt. Schon aufgeregt, aber auch nicht so stark, daß ich nachts nicht hätte schlafen können". Ihrem in der Vergangenheit immer wieder angeschlagenen Körper - sie verpaßte Olympia 2000 wegen einer Rückenoperation - hat sie bei der WM vertrauen können. "Ich bin gesund durchgekommen. Dennoch werde ich intensivst weiter an mir arbeiten und auch die eine oder andere Untersuchung machen lassen, um den Ursachen für die Schmerzen endgültig auf den Grund zu gehen." Ihr Fazit hört sich trotz allem rundum positiv an. "Ich habe dieses Feeling hier erlebt, das war wichtig für mich. Mein Start war aber auch wichtig für die Mädels, den Verband, für den Verein." Die Pariser Tage haben neuen Schwung gebracht. "Ich möchte absolut angreifen. Ich freue mich auf das nächste Jahr und habe richtig Lust auf die Olympiasaison."

Die Schwäche ihrer Mitläuferinnen, nicht bloß bei der WM, war augenfällig. "Die drei anderen sind recht gut durch die Saison gekommen, also nicht so wie ich mit vielen Beschwerden, dennoch waren sie langsamer als ich. Sie wissen selber, daß das nicht reicht." Grit Breuer will die von ihr erkannten Versäumnisse nicht einfach hinnehmen. "Vor der WM war nicht der richtige Zeitpunkt, dieses schwache Leistungsbild über die 400 Meter bei uns anzusprechen. Wir werden nach der WM konkret darüber reden." Sie sei "sicher nicht allwissend", meine aber, den von ihr geschätzten "Mädels" manchen guten Rat geben zu können. Dabei wird es wohl weiter eine inviduelle Vorbereitung geben. "Wir werden sicher die eine oder andere Maßnahme zusammen machen, vor allem um immer wieder zu prüfen, wer wo steht. Aber es ist schwer, das Training von vier Läuferinnen auf eine Linie zu bringen. Also muß jede schon für sich alleine den besten Weg bis Olympia finden."

Grit Breuer macht auf jeden Fall für dieses Jahr erst einmal Schluß. "Für die großen Wettkämpfe bin ich wegen meiner Verletzung nicht eingeladen worden, und für einen Wettkampf irgendwo auf dem Dorf fehlt mir nach so einer WM die Motivation." 2004 gibt es eine entscheidende Veränderung im Alltag. Nils Schumann, der zuletzt verletzte und trainingsmüde 800-Meter-Olympiasieger aus Thüringen, ist zu Thomas Springstein, dem harte Methoden nachgesagt werden, nach Magdeburg gewechselt. "Ich erwarte ganz viel von Nils als Trainingspartner", sagt Grit Breuer "Ich denke, daß wir uns gegenseitig sehr viel geben können. Alt und jung, das paßt gut zusammen." Schumann ist gerade sechs Jahre jünger als Grit Breuer. Allerdings hat er mit dem Leistungstraining erst 1990 begonnen. Damals wurde Grit Breuer, letztmals für die DDR startend, in Split schon Europameisterin.

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Jahrgang 1961, verantwortlicher Redakteur für Sport.

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