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Leichtathletik Springstein suspendiert: ein krimineller Dopingtäter?

30.09.2004 ·  Bei Springstein, der hinter der Affäre um Katrin Krabbe stand und heute Grit Breuer und Olympiasieger Nils Schumann trainiert, wurden verbotene Substanzen gefunden. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Von Hans-Joachim Waldbröl
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Zwölf Jahre ist es her, daß Thomas Springstein als Trainer der Neubrandenburger Sprinterinnen um Katrin Krabbe und Grit Breuer eine bis heute nicht restlos geklärte Rolle bei der Manipulation mit Clenbuterol spielte. Damals war die Substanz noch nicht regelgerecht als anabol eingestuft - weshalb die überführten Sportlerinnen "nur" wegen Medikamentenmißbrauchs bestraft wurden.

Die höchst dubiose Vorgeschichte des inzwischen 46 Jahre alten Diplomsportlehrers droht nun eine strafrechtliche Fortsetzung zu finden. Springstein sieht, falls sich der Verdacht der Magdeburger Staatsanwaltschaft zur Gewißheit erhärten läßt, einer Freiheitsstrafe zwischen einem und zehn Jahren entgegen. Dieses Strafmaß ist für einen Verstoß gegen Paragraph 95, Absatz III des Arzneimittelgesetzes vorgesehen, der Gegenstand der behördlichen Ermittlungen ist: Abgabe von Dopingsubstanzen an Minderjährige im Sport.

Der Leichtathletik-Trainer ist am Donnerstag von seinem Klub SC Magdeburg suspendiert worden. Der 46jährige sei „auf Grund der durch die Staaatsanwaltschaft gesicherten Indizien von der Betreuung jeglicher SCM-Sportler entbunden“ worden, teilte das Präsidium des Klubs mit. Der SC Magdeburg behält sich zudem rechtliche Schritte gegen Springstein vor.

Im Urlaub in Griechenland

Für das vorerst vermutete Delikt hat die Staatsanwaltschaft während einer auf richterliche Anordnung hin am Dienstag vorgenommenen Durchsuchung der Wohnung, der Sachen sowie der von Springstein genutzten Räume und Behältnisse konkrete Hinweise gefunden: "Dabei sind u. a. Arzneimittel gefunden worden, die offenbar den Wirkstoff Testosteron-Undecanoat enthalten, der im Sport als Dopingsubstanz verboten ist", heißt es in einer am Mittwoch morgen veröffentlichen Mitteilung der Magdeburger Ermittler.

Springstein, der mit seiner Partnerin Grit Breuer nach Angaben der Vereinsführung einen bis zum 6. Oktober geplanten Urlaub in Griechenland verbringt, war gestern weder für die Staatsanwaltschaft noch für eine Nachfrage dieser Zeitung zu erreichen. SCM-Sportkoordinator Martin Sanne erklärte unterdessen nach einer Meldung des Sportinformationsdienstes: "Ich habe kurz mit ihm telefoniert." Springstein wolle so schnell wie möglich zurückkehren.

„Schweres kriminelles Delikt“

Die Untersuchung der Ermittlungsbehörde geht auf eine Strafanzeige des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) vom 2. August 2004 zurück, aus der sich laut Staatsanwaltschaft "konkrete Anhaltspunkte dafür ergeben, daß der Beschuldigte mehreren, zum Teil noch jugendlichen Mitgliedern seiner Trainingsgruppe zur Steigerung ihrer Leistungsfähigkeit regelmäßig Arzneimittel mit verbotenen Dopingwirkstoffen verabreicht hat, die zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen können". Daher, so erläuterte DLV-Präsident Clemens Prokop auf Anfrage, die Einstufung des mutmaßlichen Vergehens als "schweres kriminelles Delikt".

Der Verbandschef und Jurist, Mitte September zum Direktor des Amtsgerichts in Kelheim befördert, warnte jedoch vor einer Vorverurteilung Springsteins. "Bis zum Abschluß der Ermittlungen handelt es sich um einen Verdacht, alle jetzt erörterten Konsequenzen haben rein spekulativen Charakter", sagte Prokop, der sich vor den Olympischen Spielen in Athen gezwungen sah, die noch ungesicherten Informationen zur Anzeige zu bringen. Die konkreten Tathinweise sollen von besorgten Eltern einer jungen Athletin stammen, die in der Magdeburger Gruppe trainiert hat. Von Grit Breuer, der fünfmaligen Europameisterin, Olympiadritten von 1996 und Weltmeisterin von 1997 mit der 4×400-Meter-Staffel, oder ihrem Trainingsgefährten Nils Schumann, dem Europameister von 1998 und Olympiasieger von 2000 über 800 Meter, stammten die Informationen "selbstverständlich nicht". Es gebe auch keinen Anlaß zu Vermutungen, die beiden Stars des Teams hätten sich Dopingvergehen schuldig gemacht.

„Da gibt es kein Pardon“

Prokop betont, daß zwar keine staatsbürgerliche Pflicht zur Strafanzeige ("wie etwa bei vermutetem Mord oder Totschlag") gegen Springstein bestanden habe. "Doch sobald wir Hinweise auf eventuelles Doping und mögliche strafbare Handlungen haben, handeln wir. Das ist für mich persönlich und für meinen Verband eine Selbstverständlichkeit. Da gibt es kein Pardon." Angesprochen auf weitere Konsequenzen, die der DLV schon aus den bislang feststehenden Fakten folgern könne, antwortete Prokop: "Die Verfahrensherrschaft liegt bei den Justizbehörden. Wir können jetzt nur abwarten, wie sich die Beweislage entwickelt." Um eigenen Anti-Doping-Regeln gemäß Sanktionen vorzunehmen, benötige der Verband Beweise. Positive Proben von Athleten oder Geständnisse, die im Falle des verdächtigten Trainers indes sportrechtlich gegenstandslos wären: "Wir haben ja keinen Vertrag mit Springstein, den wir im Falle eines Verstoßes ruhenlassen oder auflösen könnten."

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.09.2004 / Nr. 228
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