Der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) strebt eine einschneidende Regeländerung für Athleten mit einem Handicap an, die technische Hilfsmittel für ihren Wettkampf benötigen. Diese Sportler sollen künftig nicht mehr bei Wettbewerben mit Nichtbehinderten gemeinsam gewertet werden. Über die Initiative der DLV- Regelkommission berichtet der „Spiegel“ in seiner neuen Ausgabe.
Der DLV bestätigte den Bericht des Nachrichtenmagazins. „Es geht uns nicht um einen Ausschluss von behinderten Athleten, sondern um eine klare Trennung in der Wertung“, sagte DLV-Präsident Clemens Prokop am Sonntag der Nachrichtenagentur dpa. „Dies entspricht im Übrigen auch der Differenzierung bei den Behindertensportlern selbst, die ja viele unterschiedliche Schadensklassen haben.“ Eine klare Abgrenzung sei notwendig, meinte Prokop, „sonst bekommen wir eine Endlos-Diskussion“. Die Regeländerung „dient zur Vermeidung von Streitfällen und beugt technischen Manipulationen vor“, erklärte DLV-Sportdirektor Thomas Kurschilgen.
Popow äußert sich empört
Ein Grund für die nationale Initiative, die auch dem Weltverband IAAF als „Regeländerungsantrag“ unterbreitet werden soll, sei die Chancengleichheit. Bei Athleten, die Hilfsmittel wie Prothesen für ihren Wettkampf benötigen „kann ein Wettbewerbsvorteil nicht ausgeschlossen“ und daher „innerhalb eines Wettbewerbes keine gemeinsame Wertung zugrunde gelegt werden“, argumentiert der DLV.
Der deutsche Leichtathlet und Paralympics-Goldmedaillengewinner Heinrich Popow (29) äußert sich empört über die angestrebte Regeländerung: „Sollte der DLV den gemeinsamen Sport von Menschen mit und ohne Behinderungen aktiv verhindern, ist das ein Skandal und weit entfernt von der Lebenswirklichkeit und dem Sport.“
Nach Ansicht Popows zementiere der DLV damit „die Spaltung des Sports“ und zerstöre „die Vorbildfunktion der Leichtathletik für die Gesellschaft“ insgesamt. In einer Stellungnahme, die FAZ.NET vorliegt, schreibt Popow: „Im Sport geht es nicht um Gleichmacherei, sondern um Gemeinsamkeit, um Leistung, um fairen Wettbewerb. Ich will nicht besser gestellt werden, ich will nicht bedauert werden, ich will einfach nur Sport treiben und mich mit anderen messen.“
Würde die IAAF die Regel übernehmen, dürfte ein Weltklasse-Leichtathlet wie 400-Meter-Läufer Oscar Pistorius nicht mehr an Weltmeisterschaften oder Olympischen Spielen teilnehmen. Der beinamputierte Südafrikaner, der auf Hightech-Karbon-Prothesen sprintet, hatte sich sein Startrecht bei den Nichtbehinderten erst erkämpfen müssen.
„Der faire Wettkampf in Gefahr“
Selbst Experten sind sich bis heute nicht einig, ob die technischen Hilfsmittel wie ein „Antrieb“ wirken und ihm einen Vorteil verschaffen. „Die Behindertensportszene ist sich untereinander nicht mal einig. Bei den Paralympics beschuldigten sich Sportler gegenseitig, unerlaubte Prothesen einzusetzen.
Solange es keine Möglichkeit gibt, Vorteilsnahme auszuschließen, ist uns eine Gleichbehandlung zu unsicher“, zitierte der „Spiegel“ Manfred Mamontow von der Wettkampforganisation des Verbandes. „Die Prothesentechnik könnte bald so ausgefeilt sein, dass der faire Wettkampf in Gefahr wäre.“
"Prothesenläufer sollen draußen bleiben" - Eine
unpassende Überschrift
M. F. (manuel.ferrara)
- 18.11.2012, 20:23 Uhr
Nackig laufen
Christiane Wolf (Annonymus26)
- 18.11.2012, 18:17 Uhr
Für und Wider
Marc Schuh (MarcSchuh)
- 18.11.2012, 16:14 Uhr
Ich wuerde dies positiv sehen ...
Frank Geiser (geiser123)
- 18.11.2012, 15:53 Uhr
Richtig !
Karl Dietrich Naumann (Huga)
- 18.11.2012, 15:50 Uhr