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Leichtathletik-Kommentar Sprung aus der Krise

09.03.2009 ·  Die von den Fachleuten immer wieder beschworene Trendwende in der Leichtathletik hat bei der Hallen-Europameisterschaft endlich einen Ausdruck gefunden: in Medaillen und in Gesichtern.

Von Michael Reinsch
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Vielleicht sollte man nicht von einem Höhenflug sprechen, auf den die deutsche Leichtathletik in Turin gegangen ist. Schließlich ist ihr jüngster Stern, Sebastian Bayer, nicht im Hoch-, sondern im Weitsprung aufgegangen. Vor allem aber hatten sich die zehn Medaillengewinner von Turin, darunter die neuen Europameisterinnen Ariane Friedrich und Petra Lammert, und ihre 28 Mannschaftskameraden nicht mit aller Welt, sondern allein mit einer Auswahl der europäischen Konkurrenz auseinanderzusetzen.

Für viele von ihnen war die Fahrt nach Turin eine Studienreise, bei der sie lernten, was man bei einer internationalen Meisterschaft so alles falsch machen kann. Die Bewährungsproben an der frischen Luft und im Vergleich mit den Sprintern aus der Karibik, mit den Langläufern aus Afrika, mit der Vielzahl der leichtathletischen Talente aus den Vereinigten Staaten sowie mit all denen, die auf Hallensport verzichtet haben, warten noch.

Das Team hat gemeinsam den Aufbruch nach Berlin beschworen

Trotzdem ergeben die Erfolge von Turin mehr als nur eine gute Werbung für die Weltmeisterschaften dieses Jahres in Berlin. Die von den Fachleuten immer wieder beschworene Trendwende in der Leichtathletik, für welche eine einsame Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen in Peking kein glaubhafter Beleg war, hat in Italien endlich einen Ausdruck gefunden: in Medaillen und in Gesichtern.

Gerade die jungen Athleten haben die Gelegenheit genutzt, die ihnen die Meisterschaft mit beschränkter Teilnahme bot – und sei es, dass sie ihren etablierten Mannschaftskameraden Beine machten. Nicht nur Gold, nicht nur die Silbermedaillen von Denise Hinrichs, Silke Spiegelburg und Nils Winter, nicht nur die Bronzemedaillen von Verena Sailer und Anna Battke, von Ralf Bartels und Alexander Straub sind Indikatoren dafür, dass die Baisse der Leichtathletik in Deutschland vielleicht doch nicht so tief ging, wie es den Anschein hatte.

Eine Generation, die nicht nur viel verspricht

Auch die Haltung im Wettkampf und in der Niederlage, wie etwa von Hürdensprinterin Carolin Nytra – deutlich führend, verstolperte sie die Finalteilnahme, erreichte im Fallen aber noch persönliche Bestzeit –, zeigt, dass eine Generation nachwächst, die nicht nur viel verspricht, sondern auch viel zu halten versucht.

Turin wirkt nach außen wie nach innen. Das Publikum hat mehr als einen Grund bekommen, mal wieder bei den Leichtathleten vorbeizuschauen. Wer hörte, wie die Mannschaft am Sonntagabend gemeinsam den Aufbruch nach Berlin beschwor, der weiß, dass die Aussicht auf die Weltmeisterschaft in Deutschland begeistert und anspornt. Noch ist damit, was die wirklich wichtigen Wettbewerbe angeht, nichts gewonnen. Doch die Stimmung ist profund umgeschlagen. Was macht schließlich mehr Spaß als Siege, was teilt man lieber als Erfolge? Vielleicht kann man nach Turin noch nicht von einem Höhenflug sprechen – wohl aber von einem Riesenschritt aus der Krise. Vielleicht sogar von einem Sprung in bessere Zeiten.

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Jahrgang 1958, Korrespondent für Sport in Berlin.

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