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Leichtathletik-Kommentar Kleiner Gipfel, großer Gipfel

31.07.2010 ·  Ganze vier Wochen vor Olympia 2012 wird es schon wieder eine Leichtathletik-EM geben. Es werden groteske Meisterschaften mit ein paar Lahmen und Fußkranken sowie dem Triumph mindestens eines geständigen Dopers.

Von Michael Reinsch
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Für 2012 gibt es zwei Prognosen: Wenn die Veranstalter nicht das Berliner Modell nutzen, werden sie noch weniger Zuschauer haben als bei den Europameisterschaften in Barcelona. Das Berliner Modell ist bei Istaf und Weltmeisterschaften erprobt und geht so: Sponsoren bringen Riesenmengen Tickets unter das Volk und sorgen, notfalls mit Bustransfers aus dem ganzen Land, für eine ansehnliche Kulisse im Stadion. Das sieht gut aus und bietet die Möglichkeit, auf die Begeisterung des Publikums zu verweisen. Die zweite Prognose: Dwain Chambers gewinnt die Goldmedaille im Sprint.

Von welcher Veranstaltung die Rede ist? Jedenfalls nicht von den Olympischen Spielen 2012 in London. Sie sind der Höhepunkt des Sportkalenders aller Sommersportarten. Die Leichtathleten haben sich dennoch entschieden, dem großen Gipfel einen kleinen Gipfel vorzuschalten. 26 Tage vor der Eröffnung der Spiele in London soll in Helsinki eine Europameisterschaft zu Ende gehen, die auch noch um Marathon und Geherwettbewerbe reduziert ist. Als könnten alle anderen Athleten erst in Finnland und dann in England antreten! Die Kalkulation des europäischen Verbandes zielt auf die Präsenz ihrer Sportart im Fernsehen und bei Sponsoren. In Wirklichkeit aber bedrohen sie mit der Inflation der Titel die gesamte Veranstaltung.

Die Spiele der Lahmen und Fußkranken

Auf welche der beiden Veranstaltungen werden Athleten und Fernsehsender ihre Ressourcen wohl konzentrieren? Damit Spitzenleute und Budget nicht schon vor den Spielen erschöpft sind, werden Trainer und Fernsehbosse voraussichtlich sogar ein Startverbot für ihre Stars aussprechen. Damit dürfte Helsinki 2012 ein Tummelplatz des Nachwuchses und der zweiten Garde werden. Und natürlich für Dwain Chambers. Wegen seiner Vergangenheit als Doper wird er Großbritannien nicht bei den Olympischen Spielen in seiner Heimatstadt vertreten dürfen.

Mit leichter Hand hat Cheftrainer Charles van Commenee ihn deshalb bereits für Finnland nominiert - alle anderen sollen sich auf London konzentrieren. Die anderen europäischen Verbände werden sich ähnlich verhalten müssen. Welcher Athlet wird bei einer Europameisterschaft starten wollen, bei der er seine Chancen auf ein gutes Abschneiden bei den Olympischen Spielen ruiniert? So wird es wohl zu grotesken europäischen Jugendspielen der Leichtathletik kommen - mit ein paar Lahmen und Fußkranken sowie dem Triumph mindestens eines überführten und geständigen Dopers.

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