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Leichtathletik „Homerun“ nach Olympia

 ·  So schnell wie möglich über hundert Meter, ob mit oder ohne Hürden: Carolin Nytra und Verena Sailer werfen ihre Zweifel ab und unterbieten die Normzeiten für Olympia.

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© picture alliance / dpa Alle Hürden überwunden: Carolin Nytra

Erst: „Es wird lang, es wird lang.“ Dann: „Da ist das Ziel, krass!“ Und schließlich: „Der Wind, der Wind.“ Es ist erstaunlich, was Carolin Nytra auf den letzten Metern eines Hürdensprints so alles durch den Kopf geht. Doch sie konnte es genau so rekapitulieren: Die ersten drei Viertel des Weges hatten sich so gut angefühlt, aber auch die Unsicherheit vor den letzten Metern lief mit. Doch dann löste sich die innere Aufregung in pure Freude auf: 12,74 Sekunden zeigte die Anzeigetafel, und das bei zulässiger Windunterstützung von 1,5 Metern pro Sekunde: Olympia-Norm geschafft, London kann kommen. „Ich hatte schon Schiss, ob das heute klappt“, sagte die in Hamburg geborene, aber seit 2011 für die MTG Mannheim laufende Hürdensprinterin nach ihrem überzeugenden „Homerun“ beim Olympia-Qualifikationswettkampf am Samstag im Mannheimer Stadion. Es war schließlich ihr erstes Rennen über 100 Meter Hürden seit August 2010, und entsprechend nervös ging die EM-Dritte von 2010 den Tag an.

Sie habe sich vor dem Lauf am liebsten verstecken wollen, erzählte die 27-Jährige nachher. Doch das sei nicht gegangen. Wo sie auch hinschaute, überall sah sie in vertraute Gesichter. Bekannte, Freunde, Verwandte, Nachbarn. Alle waren da, alle drückten die Daumen. Was natürlich auch zusätzlich motivierte. Viele Tiefs hatten Carolin Nytras sportliches Leben in den vergangenen Monaten belastet. Ein Muskelfaserriss, Gelenkprobleme und Rückenschmerzen kosteten der Halleneuropameisterin 2011 die Teilnahme an der WM in Daegu, ein neuerlicher Faserriss verdarb ihr den Auftakt des laufenden Jahres. „Ich war wirklich unsicher, ob ich mehr als fünf, sechs Hürden schaffe.“ Entsprechend schwer zu ertragen sei sie gewesen: „Aber jetzt geht es wieder besser.“ Nun könne sie positiv an die kommenden Aufgaben herangehen, weil sie nach dem viertschnellsten 100-Meter-Hürdenlauf ihrer Karriere wisse: „Mein Körper gibt‘s wieder her.“

Auch Carolin Nytras Vereinskollegin Verena Sailer hatte am Samstag Grund zur Freude. Die Europameisterin von 2010 sprintete über die flachen 100 Meter nach 11,19 Sekunden ins Ziel und unterbot damit nicht nur die Olympia-Norm, sondern egalisierte auch die deutsche Jahresbestzeit der 19-Jährigen Tatjana Pinto, die kürzlich unerwartet in die europäische Spitze gerannt war. Das habe sie schon „ein bisschen unruhig“ gemacht, bekannte Verena Sailer, deren Jahresbestzeit bis dato bei 11,34 stand: „Ich wollte unbedingt die Norm abhaken, jetzt bin ich echt froh.“ Nach dem zweiten Zeitlauf an diesem Samstag hätte sie sogar noch ein bisschen glücklicher sein können, aber ihre famose Zeit von 11,13 Sekunden wurden von unerlaubtem Rückenwind begleitet. Die geplante Teilnahme am Staffelrennen sagte die 26-Jährige danach sicherheitshalber ab. „Ihr Körper ist ihr wichtigstes Kapital“, sagte Trainer Valerij Bauer, stets besorgt, dass seine Läuferin sich nicht überlastet. Schließlich musste auch Verena Sailer fast auf die komplette Saison 2011 verzichten - Achillessehnenprobleme hatten sie gestoppt.

Carolin Nytra verzichtete ebenfalls auf einen weiteren Lauf: „Den hab ich auf kommende Woche verschoben“, erklärte sie und rechnete das kleine Einmaleins ihre nächsten Aufgaben vor: Bei den deutschen Meisterschaften muss sie Vor- und Endlauf bestreiten, bei der EM drei Runden einschließlich Finale, bei Olympia wahrscheinlich deren vier. Die Zweifel, ob ihr Körper das Programm aushält, hat sie am Samstag zwischen den Hürden abgeworfen.

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Jahrgang 1969, Sportredakteur.

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