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Leichtathletik Gebremster Schwung

19.07.2010 ·  Es ist nicht so, dass die Leichtathletik-Fans nach der Berliner WM plötzlich in Scharen in die Stadien strömen. Aber immerhin hat Nike seinen Ausrüster-Vertrag vorzeitig bis zu den Olympischen Sommerspielen 2020 verlängert.

Von Claus Dieterle
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Es ist oft vom Berliner Schwung die Rede gewesen, der die deutsche Leichtathletik in eine bessere Zukunft tragen sollte. Aber nach einem Jahr gibt es eine Menge Stimmen, die behaupten, dass die Heim-WM 2009 in Berlin mit ihrer großartigen Stimmung und ihren beachtlichen Erfolgen doch weitgehend spurlos an der deutschen Leichtathletik vorbeigegangen sei. Das ist sicher übertrieben, aber es steckt auch mehr als nur ein Körnchen Wahrheit darin.

Die Laufmisere gibt es nach wie vor, auch wenn sie im europäischen Maßstab nicht so eklatant ist wie im globalen Vergleich und bei der EM in Barcelona sogar die ein oder andere Medaille winkt. Aber das war vor vier Jahren in Göteborg auch schon so. Die technischen Disziplinen sind weiterhin die Spielfelder, auf denen deutsche Athleten weltweit noch Hauptrollen spielen. Aber immerhin ist die Verjüngung geglückt, in die tragenden Rollen sind inzwischen andere geschlüpft. Allein das ist schon ein Erfolg. Was den vermeintlichen Zuschauer-Boom angeht: Es ist nicht so, dass die Leichtathletik-Fans jetzt plötzlich in Scharen in die Stadien strömen. Die 4500 Zuschauer bei der DLV-Gala in Wattenscheid oder auch die insgesamt 30.000 Besucher an den zwei Wettkampftagen der deutschen Meisterschaften sind nun wahrlich kein Beleg für ein gewachsenes Interesse an der olympischen Kernsportart. Es ist die gewohnte Resonanz, nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Der Verband kann langfristig mit Aktiven und mit Aktiva planen

Selbst auf der Veranstalterseite gibt es derzeit wenig, was auf bessere Zeiten hindeuten würde. Heinz Hüsselmann, einer der wichtigsten Sportfest-Organisatoren in Deutschland, befürchtet sogar ein Sterben der kleinen Meetings hierzulande, weil die große Leichtathletik der kleinen mit einem zunehmend ausgedehnten Wettkampfkalender das Wasser abgräbt. In der ersten Liga, der neuen Diamond League, ist erst gar kein deutscher Veranstalter mehr vertreten, seit sich das Berliner Istaf zurückgezogen hat, auch mangels rechtzeitiger Fernsehzusage. Apropos Fernsehen: Da droht der deutschen Leichtathletik noch mehr Ungemach. Die Hallen-WM im März in Doha war hierzulande im frei empfangbaren Fernsehen überhaupt nicht zu sehen, eine Fortsetzung des Blackouts bei der Freiluft-WM 2011 in Daegu (Südkorea) ist nach jetzigem Stand nicht ausgeschlossen. Einer Sportart kann kaum etwas Schlimmeres passieren, als zum Höhepunkt ihrer Saison aus dem öffentlichen Fokus zu verschwinden.

Aber das ist vorerst Theorie. Rein praktisch hat die Berliner WM doch einen nicht zu unterschätzenden Gewinn gebracht. Nike, der Generalausrüster des Deutschen Leichtathletik-Verbandes, hat seinen seit 2005 laufenden Vertrag vorzeitig bis zu den Olympischen Sommerspielen 2020 verlängert. Der Verband kann langfristig mit Aktiven und mit Aktiva planen. Das allein ist in wirtschaftlich schwierigen Zeiten schon ein Glücksfall.

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Jahrgang 1956, Sportredakteur.

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