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Landessportbund NRW „Unsere Vereine werden gezielt von Tätern ausgesucht“

21.03.2010 ·  Dorota Sahle ist Referentin beim Landessportbund NRW und zuständig für Intervention bei sexuellem Missbrauch im Sport und Prävention. Im Interview spricht sie über einen Ehrenkodex, die Vorgehensweise der Täter und Tipps für Vereine im Verdachtsfall.

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Dorota Sahle ist Referentin beim Landessportbund Nordrhein-Westfalen und dort unter anderem zuständig für Intervention bei sexuellem Missbrauch im Sport und Prävention. Im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung spricht sie über einen Ehrenkodex, die Vorgehensweise der Täter und Tipps für Vereine im Verdachtsfall.

Durch die vielen Vorfälle bei der Kirche kommt das Thema sexueller Missbrauch derzeit massiv in die Öffentlichkeit. Hilft Ihnen das auch im Sport?

Die öffentliche Diskussion darüber ist notwendig. Aufklärung trägt zur Transparenz in der Problematik bei und gibt dem Missbrauch eine Sprache.

Wie häufig kommt es zu sexuellem Missbrauch im Sport?

Der Sport ist in dieser Hinsicht so betroffen wie andere Lebensbereiche auch. Auch er ist ein Betätigungsfeld für Täter. Aber es gibt keine gesicherten Zahlen darüber.

Als einzige Sportorganisation in Deutschland kümmert sich der Landessportbund Nordrhein-Westfalen schon seit Jahren intensiv um die Missbrauchsproblematik und Prävention. Sie geben Informationsmaterial heraus und veranstalten Fortbildungen. Wie nehmen die Vereine an der Basis das Thema an?

Es muss uns klar sein: Das Thema ist weiterhin sehr schwierig und die Hemmschwelle bei Vereinen sehr hoch, darüber zu reden. Die Enttabuisierung geht sehr langsam voran. Die Vereine haben oft Angst, sich in ihrem Umfeld einem Generalverdacht auszusetzen, wenn sie sich dem Thema nähern. Wir machen aber auch die Erfahrung, dass die Vereine, die präventiv tätig werden, dem Thema nicht mehr hilflos gegenüberstehen.

Sie haben einen Ehrenkodex für den qualifizierten Umgang mit Kindern und Jugendlichen im Sport entwickelt, der von Übungsleitern freiwillig unterschrieben werden kann. Wie ist die Resonanz?

Ein großer Teil der Vereine sendet uns den Ehrenkodex unterschrieben zurück. Wir wissen aber auch, dass viele Übungsleiter oder Vereine irritiert sind, wenn sie das Papier zugeschickt bekommen. Sie sehen es als Nichtwertschätzung ihrer Arbeit an. Es bedarf da noch einiger Aufklärungsarbeit.

Was können Sie zu den Tätern sagen?

Uns sagen die Fachleute, dass unsere Vereine gezielt von Tätern ausgesucht werden. Wir haben es oftmals mit einem gut vernetzten Zirkel von Tätern zu tun, die sich gegenseitig Tipps geben. Wenn der Verein hier nicht Aufmerksamkeit innerhalb seines Systems entwickelt hat, dann wird es schwer sein, Missbrauchsfälle zu verhindern.

Was sollten Vereine im Verdachtsfall tun?

Ruhe bewahren, nicht über die Köpfe der Betroffenen hinweg aktiv werden und Kontakt zu einer Beratungsstelle aufnehmen.

Die Fragen stellte Michael Ashelm.

Quelle: F.A.S.
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