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Lance Armstrong bei Bill Clinton Im Gewand des Krebskämpfers

25.09.2008 ·  Bill Clinton bot Lance Armstrong die große Bühne für den Auftakt der angeblichen Goodwill-Tour. Die wahren Pläne des siebenmaligen Tour-de-France-Siegers liegen aber auch nach dem medienwirksamen Auftritt an der Seite des ehemaligen amerikanischen Präsidenten im Dunkeln.

Von Jürgen Kalwa, New York
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Bei Lance Amstrong stehen dieser Tage viele offizielle Verpflichtungen auf dem Programm, bei denen man viele wichtige Leute treffen kann. Am Dienstagabend ist er in New York auf einer Festivität dem französischen Staatspräsidenten Sarkozy über den Weg gelaufen und hat die Honneurs gemacht. Am Mittwoch unterhielt er sich in einem Hotel in Manhattan mit Bill Clinton, dem ehemaligen amerikanischen Präsidenten.

Man weiß nie so genau, ob sich der Texaner bei solchen Gelegenheiten in Anzug und Krawatte wirklich wohl fühlt. Oder ob die Pose, mit der er zwischendurch auf der Bühne steht – Hände tief in den Taschen, das Kinn und die Kiefermuskulatur gespannt, die Beine steif und breit, als wäre er gerade nach einem langen Rennen vom Rad gestiegen – nicht tatsächlich etwas anderes verrät: Die Sehnsucht, endlich die gepflegten Ansprachen eines Treffens wie der jährlichen Clinton-Global-Initiative zu verlassen und etwas Konkretes zu tun: in die Pedale zu treten.

Gewand des prominenten Krebskämpfers

Armstrong hat sich in das Gewand des prominenten Krebskämpfers geworfen, und es wurde bei Bill Clintons Veranstaltung, wo einflussreiche Leute über Naturkatastrophen, Krankheiten und Armut reden, viel über die Kampagne gesprochen, die er im Rahmen seines Comebacks rund um den Globus unterstützen will.

Die Benefiz-Idee funktioniert aber gleichzeitig wie ein großes Feigenblatt, hinter dem Armstrong, der einst an Hodenkrebs litt und nach einer schweren Operation an Lunge und Gehirn und einer massiven Chemotherapie in den Sattel zurückkehrte, seine wahren Ambitionen elegant verbirgt. (siehe auch: Lance Armstrong: Der Despot als Wohltäter)

Armstrong: „Ich kann keinen achten Tour-de-France Sieg garantieren“

Der Texaner wird beim Team Astana anheuern, wo er abermals mit seinem alten Sportchef Johan Bruyneel zusammenarbeiten kann: „Ich kann keinen achten Tour-de-France Sieg garantieren. Ich werde so gut vorbereitet sein, wie es geht. Aber ich weiß nicht, ob das für einen Erfolg reicht. Nächsten Sommer bin ich fast 38 Jahre alt“, sagt er. (siehe auch: Comeback bei Astana: Lance Armstrong dreht das Rad zurück)

Was von solcher Tiefstapelei wirklich zu halten ist, hat Alberto Contador signalisiert. Der Spanier, zur Zeit Kapitän des Astana-Rennstalls, hatte nach seinem Sieg bei der Vuelta am Sonntag in einem Interview irritiert zu Protokoll gegeben, was er von dem neuen Mannschaftskollegen hält: „Ich denke, ich habe meinen Platz in der Mannschaft erarbeitet und muss nicht mehr darum kämpfen. Mit Armstrong könnten sich schwierige Situationen ergeben, wenn er vom Team vorgezogen wird, und das würde mir schaden.“ (siehe auch: Radsport: Contador will nicht mit Armstrong fahren )

Entscheidung für Astana wegen Bruyneel

Armstrong reagierte auf die Abwanderungspläne des Tour-Siegers von 2007 wie ein Politiker. Diplomatisch: „Da ist Platz für uns alle“, sagte er. „Contador ist zur Zeit der beste Fahrer auf dem Planeten. Ich freue mich, mit ihm zusammen in einem Team zu fahren.“ Und plötzlich konnte sich Contador doch wieder vorstellen, an der Seite des Altmeisters zu fahren.

Die Entscheidung für die kasachische Mannschaft habe nur einen Grund, sagte Armstrong. Er wolle wieder mit Bruyneel zusammenarbeiten, mit dem er bei US Postal und Discovery Channel seine großen Erfolge errungen hatte. “, sagte Armstrong, der auch eine andere, neue Partnerschaft ankündigte.

Zusammenarbeit mit Anti-Dpoing-Forscher

Mit Don Catlin hat er den angesehensten Doping-Experten der Vereinigten Staaten verpflichtet. Der Pharmakologe hatte im Rahmen des Balco-Skandals in seinem Labor das Designer-Steroid THG nachgewiesen und will nun nicht nur das Blutprofil von Armstrong überwachen und nach verbotenen Substanzen fahnden, sondern auch, wie er dieser Zeitung sagte, neue Tests durchführen, die bisher noch nicht eingesetzt wurden. Die Kosten für seine Arbeit und sein Honorar werde Astana übernehmen. Catlins guter Name soll die Glaubwürdigkeitslücke schließen, die Armstrong im Laufe seiner Karriere ständig zu schaffen machte.

In New York gab sich Armstrong erstaunlich zurückhaltend, erklärte, dass er nicht einmal dafür kämpfen werde, eine Startberechtigung für die Tour de France zu erhalten. „Wenn ich nicht eingeladen werde, kann ich das nicht ändern.“ Das klang nicht nach Resignation, sondern eher nach einem Menschen, der beschlossen hatte, an diesem Tag die würdevolle Stimmung der Clintonschen Benefiz-Welt nicht mit einer Überdosis Sportler-Ego zu behelligen. Schließlich ist noch viel Zeit für das Gezerre hinter den Kulissen.

Armstrongs Pläne für das kommende Jahr sind noch nicht festgezurrt. Fest steht inzwischen nur, dass er Ende Januar in Australien an der Rundfahrt „Tour Down Under“ teilnehmen wird, um erstmals seine Form zu testen.

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