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Kurzbahn-WM „Ein bisschen schade“

 ·  Die Erkenntnisse der Kurzbahn-WM sind aus deutscher Sicht überschaubar. Das Traumpaar Steffen/Biedermann sorgte für die Medaillen, muss und will sich aber wie der DSV ändern, um mithalten zu können. Extra-Könner wie Ryan Lochte sind noch weit weg.

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© dpa Vergrößern Auch Freundin Britta Steffen musste nicht leer die Heimreise antreten

Britta Steffen grämte sich zum Abschluss der Kurzbahn-WM in Istanbul nicht groß über Platz vier und die knapp verpasste fünfte deutsche Medaille. „Das ist ein bisschen schade, aber okay. Ich wüsste jetzt nicht, was ich großartig falsch gemacht hätte“, sagte Steffen.

In 24,04 kam sie ganz nah an ihre Saisonbestzeit heran, vier Hundertstelsekunden fehlten am Sonntag aber auf die drittplazierte Dänin Jeanette Ottesen Gray. Die überragende Europameisterin Aliaksandra Herasimenia (Weißrussland) war eh konkurrenzlos. Das hatte 100-Meter-Weltmeisterin Steffen schon vor der weiteren Weltjahresbestzeit von 23,64 prognostiziert.

Die mit vier Medaillen (2-1-1) erfolgreichste deutsche WM auf der 25-Meter-Bahn seit sechs Jahren ist aber noch kein Anzeichen für ein schnelles Hoch nach dem Dauer-Tief. Zum einen fehlte in Istanbul ein Großteil der Weltelite, zudem ist die Olympia-Aufarbeitung noch im Gange.

„Ganz nett“, fand Paul Biedermann seinen kompletten Medaillensatz, aber nicht mehr als ein „kleines Pflaster auf die große Wunde Olympia“. Auch der neue Chef-Bundestrainer Henning Lambertz sieht erstmal kein Ende der „Durststrecke“. Immerhin ist Biedermann auf dem Weg zurück zu altem Biss - seine Forderung: „Wir müssen mal aufhören, immer zu jammern, sondern einfach mal anfangen zu machen.“

Wie im Verband ändern die medaillenlosen Spiele von London für das Traumpaar Steffen/Biedermann einiges. Während er noch weiterhin an den der London-Enttäuschung knabbert, hat sie das schon länger abgehakt. Erstmals die komplette Weltcup-Saison zu absolvieren sei zwar „Raubbau am Körper“, aber nötig für die gewünschte Wettkampfhärte. „Ich bin eigentlich total zufrieden, dass ich jetzt noch mal einen neuen Weg einschlagen kann. Es war an der Zeit, etwas Neues zu machen“, sagte sie. Die Berlinerin wechselte den Trainer, nach zehn Jahren Berlin wird sie demnächst mit Freund Paul eine gemeinsame Wohnung in Halle/Saale beziehen.

Die Hochglanz-Küche („eher puristisch und klare Linien“) darf sie aussuchen, Biedermann gestaltet es im Wohnzimmer gemütlich. Auch im Training sind die Rollen verteilt. Im Doppelpass mit Trainer Frank Embacher soll Britta ihren Paul zu mehr Trainingsfleiß motivieren. „Sie ist da schon sehr hinterher. Jetzt kriegt er von zwei Seiten Feuer“, sagte Embacher grinsend. Sein Schüler bekannte, „dass ich hart trainieren muss, ich deutliche Schwächen bei Start und Wenden habe, dass ich das nicht länger vor mir her schieben kann“.

Mehr denn je ist die Idee von einem Trainingsaufenthalt Biedermanns im Ausland im Kopf des Trainers, Steffen will bei Stippvisiten in Berlin ihre Starts und Wenden verbessern: „Ob im Herbst oder Winter meiner Karriere noch was geht, wird man sehen.“

Sportlich brachte diese WM überschaubare Erkenntnisse. Aus dem zwölfköpfigen deutschen Team überzeugte durchgehend der 19 Jahre alte Schüler Christian Diener aus Cottbus, der gegen starke Konkurrenz zwei achte Plätze über die Rückenstrecken erreichte. US-Schwimmstar Ryan Lochte war wie vor zwei Jahren der erfolgreichste Athlet. Er verschenkte alle seine Goldmedaillen an türkische Kinder.

Den Jahreswechsel verbringen Steffen und Biedermann auf La Réunion. Kein reiner Urlaub, denn auf der Insel im Indischen Ozean findet zur Jahreswende ein internationales Schwimm-Meeting statt. Zuvor stehen noch ruhige Weihnachtstage in der Heimat an. Beim geliebten Familienfest will Britta Steffen aber nicht alles so recht schmecken. Es gibt Kartoffelsalat und Würstchen, „was ich eigentlich nicht so unbedingt mag“, sagte sie grinsend.

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