http://www.faz.net/-gtl-74ysk

Kugelstoßer Adam Nelson : Goldenes Karriereende?

Gekröntes Haupt: Wird aus Silber Gold? Bild: dapd

Vor acht Jahren gewann Adam Nelson bei den Olympischen Spielen Silber im Kugelstoßen. Nun wurde der damalige Sieger des Dopings überführt. Und Nelson wartet auf goldene Post.

          Als Adam Nelson die ersten Gerüchte hörte, beendete er sein Training und machte Schluss mit seiner sportlichen Karriere. Schließlich ist er 37 Jahre alt. Als ihn die ersten Journalisten anriefen, war er auf dem Weg von Atlanta nach Austin, wo er am vergangenen Wochenende einen Vortrag über die Zukunft der Leichtathletik hielt. „Ich bin sicher, dass ich eine Schachtel mit der Goldmedaille in der Post haben werde“, sagte Nelson, der bei 1,83 Meter Größe immer noch 115 Kilo schwer ist. Doch noch haben das Internationale Olympische Komitee (IOC) und der Leichtathletik-Weltverband (IAAF) nicht entschieden, ob sie den Olympiasieg im Kugelstoßen von Athen 2004 neu vergeben werden.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Der Ukrainer Jurij Bilonoh, der im Stadion des antiken Olympia siegte, ist des Dopings mit dem künstlichen Steroid Oxandrolon überführt und disqualifiziert worden. Mit ihm und den drei weiteren in der vergangenen Woche öffentlich gemachten Doping-Fällen erhöht sich deren Zahl für Athen 2004 auf dreißig. Nicht alle eingezogenen Goldmedaillen sind neu vergeben worden.

          Ein Beispiel für Stetigkeit

          Er sei Zeit seiner Karriere völlig frei von Drogen gewesen, beteuerte Nelson nun und lobte IOC und IAAF für die Tests mit verbesserten Verfahren. In diesem Jahr sind neun Doper von 2004 entlarvt worden. Dies sei ein Signal an die Betrüger, dass man sie selbst acht Jahre später noch kriegen kann, sagte Nelson. „Dem Sieg und der Goldmedaille in einem solchen Moment beraubt zu werden, ist sehr enttäuschend“, sagte Nelson. Bilonoh nannte er einen Kriminellen: „Er hat Athleten beraubt. In jedem anderen Beruf würden solche Kriminelle strafrechtlich belangt werden, aber in unserem Sport werden sie nur gesperrt.“

          Nelson ist bekannt dafür, wie er sich mit lauten Selbstgesprächen in Wettkampfstimmung bringt, wie er seinen Pullover auf die Erde schleudert und in den Ring stürmt. Und er ist ein Beispiel für Stetigkeit. An drei Olympischen Spielen nahm er teil und wurde dabei zweimal Zweiter. In Helsinki wurde er 2005 Weltmeister; dreimal war er WM-Zweiter.

          Bei Olympia 2004 war er in der ersten Runde mit 21,16 Metern in Führung gegangen und ließ fünf Fehlversuche folgen. Bilonoh kam zweimal auf 21,15 Meter, bevor er im vorletzten Versuch mit 21,16 Metern gleichzog. Er siegte, weil bei Gleichstand der nächstbeste Stoß entscheidet.

          Später Lohn: 2004 unterlag Adam Nelson (l.) noch dem gedopten Jurij Bilonoh (Mitte). Joachim Nelson holte Bronze
          Später Lohn: 2004 unterlag Adam Nelson (l.) noch dem gedopten Jurij Bilonoh (Mitte). Joachim Nelson holte Bronze : Bild: dapd

          Nelsons Manager errechnete damals, dass seinem Athleten mit dem Olympiasieg rund eine halbe Million Dollar Prämien und Werbeeinnahmen entgangen waren. Statt aufzugeben, machte Nelson energisch weiter: bis zu den ersten Anrufen vor drei Wochen. „Das Größte in einer olympischen Karriere ist, wenn du deine Nationalhymne hörst und deine Flagge siehst, während du auf dem Treppchen stehst. Das wird mir niemand zurückgeben können.“

          Quelle: F.A.Z.

          Weitere Themen

          Konservative ÖVP ist klare Siegerin Video-Seite öffnen

          Wahlen in Österreich : Konservative ÖVP ist klare Siegerin

          Die konservative ÖVP mit ihrem Spitzenkandidaten Sebastian Kurz ist ersten Hochrechnungen zufolge als Siegerin aus der Parlamentswahl in Österreich hervorgegangen. Die Volkspartei kam am Sonntag demnach auf 30,2 Prozent der Stimmen und wurde damit stärkste Kraft.

          Topmeldungen

          Jamaika-Koalition : Der Grünstreifen am Horizont

          Vor vier Jahren haben die Grünen ihre Chance auf eine Beteiligung an der Regierung vertan. Diesmal wollen sie ernsthaft verhandeln. Das geht nur, wenn die Parteilinken mitmachen. Doch, sind die dazu bereit?
          Die britische Regierungschefin Theresa May und der EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker bei ihrem Treffen in Brüssel.

          Treffen von May und Juncker : Jetzt aber flott!

          Das Stocken der Brexit-Verhandlungen sorgte zuletzt für viel Kritik. Nun machen Jean-Claude Juncker und Theresa May Dampf. Bis Dezember soll ein Plan für die Scheidung stehen.
          Jordi Ciuxart, Vorsitzender des katalanischen Kulturvereins Omnium Cultural, und ANC-Chef Jordi Sànchez vor dem Gerichtstermin in Madrid.

          Krise in Katalonien : Führende katalanische Separatisten inhaftiert

          Die spanische Staatsanwaltschaft hat zwei katalanische Separatistenführer festnehmen lassen. Auch gegen Polizeichef Josep Lluís Trapero wurde Untersuchungshaft beantragt, er kam gegen Kaution jedoch vorerst frei.
          „Es war eine Landtagswahl“: Merkel am Montag in Berlin

          Nach der Niedersachsen-Wahl : Runter vom Baum und Schwamm drüber

          Die Parteien, die eine schwarz-gelb-grüne Bundesregierung bilden wollen, haben bei der Niedersachsen-Wahl alle verloren. Angeblich schadet das nichts. Denn nach der Wahl ist vor der Sondierung.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.