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Doping im eSport : Das falsche Spiel mit der Maus

Höchstleistungen im Sitzen: eSportler verstehen sich als richtige Athleten. Bild: Archiv

In Seattle startet die inoffizielle WM der eSportler. Kurz zuvor legt ein amerikanischer Spieler ein vielbeachtetes Doping-Geständnis ab. Kurios ist, dass dies der Szene vor allem in Deutschland helfen könnte.

          Wenn Bogenschießen und Schachspielen Sportarten sind, dürfen sich auch die täglich stundenlang am Computer sitzenden Gamer als Athleten bezeichnen. Das sagen zumindest die eSportler. Die Diskussion darüber halten sie für müßig. Und tatsächlich: eSportler hämmern bis zu 400 Mal in der Minute mit ihren Fingern asymmetrisch auf Tastatur und Computermaus ein, halten ihren Blick bis zu eine Stunde lang starr auf den Bildschirm gerichtet und kommunizieren dabei über Headseat mit ihren Teamkollegen, um kommende Spielzüge abzusprechen.

          Ihre Disziplinen heißen „Dota 2“, „Counter Strike“ oder „League of Legends“. Sie vollbringen sportliche Höchstleistungen - im Sitzen. Dazu kommen ein mittlerweile immer größer werdender Konkurrenzkampf, steigende mediale Aufmerksamkeit, Preisgelder und Sponsorenverträge in Millionenhöhe und Turniere mit tausenden Zuschauern, die aufgezogen sind wie der Super Bowl. Und es gibt bei all dem auch im eSport die Versuchung, seine Fertigkeiten durch die Einnahme bestimmter Substanzen zu verbessern.

          Erst kürzlich gab der amerikanische Profi-eSportler Kory „Semphis“ Friesen auf einem Youtube-Kanal für Gamer ein in der Szene vielbeachtetes und fast 240.000 Mal angeklicktes Interview. In dem Gespräch gestand Friesen, der hauptsächlich den Strategie-Ego-Shooter „Counter Strike“ spielt, als erster eSportler öffentlich, dass er und sein Team vor einem Wettkampf das leistungssteigernde Adderall eingenommen hätten. Das Medikament bekämpft Konzentrationsschwächen und wird normalerweise bei Kindern mit ADHS eingesetzt.

          In den Vereinigten Staaten wird das Mittel, das dem hierzulande noch häufiger verwendeten Ritalin ähnlich ist, auch immer mehr von Schauspielern, Models, Studenten und eben Sportlern und eSportlern genutzt. Friesen sagte zudem, dass an der teilweise überdrehten Kommunikation zwischen den Mitspielern aller Mannschaften erkannt werden könne, dass etwas grundsätzlich nicht stimme. Auf die Frage des Interviewers, ob er damit meine, dass nahezu jeder Teilnehmer in der Electronic Sports League (ESL) Adderall nehme und sich damit dopen würde, antwortet der eSportler mit einem knappen „Yeah“.

          Sein Statement wurde in den sozialen Netzwerken zehntausendfach geteilt, und in verschiedenen Fachmedien meldeten sich kurz darauf weitere prominente eSportler, die unter Wahrung ihrer Anonymität von ähnlichen Erlebnissen wie Friesen berichteten. Kurios an diesem Doping-Aufruhr ist, dass dies der Szene vor allem in Deutschland helfen könnte, als „richtiger“ Sport akzeptiert zu werden. Denn während der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) dem eSport derzeit noch die Aufnahme in seinen Verband verweigert, weil sowohl die eigene sportartbestimmende motorische Aktivität als auch die Einhaltung ethischer Werte und bestimmte Verbandsstrukturen nicht den Anforderungen des DOSB entsprächen, ist die Nationale Anti-Doping-Agentur (Nada) bereits einen Schritt weiter: Wie kurz nach Friesens Interview publik wurde, will die ESL in Kooperation mit der Nada schon in naher Zukunft einen eigenen offiziellen Doping-Test einführen.

          Erstmals wird die Agentur am 22. August bei der ESL One in der Lanxess Arena in Köln, dem mit 250.000 Euro dotierten zweitgrößten eSports-Turnier in Deutschland, vor Ort sein und erste, vergleichsweise günstige Hauttests vornehmen, durch die nach Angaben der ESL die Einnahme von etwa 300 potentiellen Doping-Mitteln festgestellt werden könne. Laut Sprecherin Anna Rozwandowicz ist der eSport aus Zeit- und Personalgründen derzeit allerdings noch weit davon entfernt, flächendeckende Kontrollen einzuführen. „Das Thema ist bei uns aber schön länger präsent“, sagt sie.

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          Auch für Professor Dr. Ingo Froböse von der Sporthochschule Köln liegt es auf der Hand, dass im eSport die „Sucht“ nach leistungssteigernden Substanzen ähnlich verbreitet ist wie in vielen traditionellen Sportarten. Seit zwei Jahren erforscht der Sportwissenschaftler das Thema und hat bei eSportlern unter anderem Cortisolmessungen durchgeführt, dessen Werte ähnliche Stresspegel wie bei Schachspielern und Bogenschützen anzeigen.

          „Die Art der körperlichen Anspannung und nervlichen Belastung ist auf jeden Fall typisch für Sportler“, sagt Froböse. Außerdem würden eSportler teilweise „bis zu zehn Stunden am Tag“ trainieren und viel zu wenig regenerieren. Aufputschende Mittel wie Adderall und Ritalin oder auch Schmerzmittel, welche die teilweise chronischen Nacken- und Armschmerzen lindern, würden im eSport also in jedem Fall ihren Zweck erfüllen.

          Allerdings, so kritisiert auch Froböse, ist der eSport in seinen Strukturen zuweilen noch viel zu intransparent – was auch beim Kampf gegen Doping offensichtlich wird. So sind bei der inoffiziellen eSport-Weltmeisterschaft „The International“, die an diesem Montag in der amerikanischen Stadt Seattle startet und dessen Veranstalter, der Computerspielehersteller „Valve“, mit einem Gesamtpreisgeld von mehr als 15 Millionen Dollar wirbt, vorerst keine Tests geplant. Auch wenn die Teilnehmer mit einem Athletenvisum und somit ganz offiziell als Sportler in die Vereinigten Staaten einreisen.

          Die Internationale eSport Föderation (IeSF) mit Sitz in Südkorea – wo eSport ähnlich wie in Schweden, Russland oder Großbritannien schon lange als Sport anerkannt ist – trat zwar bereits vor zwei Jahren der Welt-Anti-Doping-Agentur bei, hat bei ihren Turnieren bislang aber noch keine gemeinsamen Kontrollen durchgeführt. Dabei sollen zu hohe Kosten oder fehlendes Personal als plausible Erklärung in einer Szene herhalten, die als Sport gelten will und längst zu einem Millionengeschäft geworden ist.

          Quelle: F.A.Z.

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