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Kommentar zur Sportgymnastik Modern ausgemistet

Turner-Präsident Bruno Grandis Vorgehen unterscheidet sich auffällig vom Verhalten mancher Kollegen. Er stellt Ungereimtheiten offen in Frage. Die Rhythmische Sportgymnastik hat ein Wertungsrichter-Problem.

© Wonge Bergmann Vergrößern Ästhetische Sportart mit Problemen: Die Rhythmische Sportgymnastik

Der Mann hat Courage. Stellt eine ganze Sportart in Frage, zumindest die Kampfrichterausbildung der internationalen Rhythmischen Sportgymnastik und damit die Richter selbst. Unglaubwürdigkeit hat Bruno Grandi ihnen vorgeworfen. Ein vernichtendes Urteil für Frauen, die über die Leistungen junger Menschen urteilen sollen. Über Sportlerinnen, die nach jahrelangem, hartem Training, nach einem von Entbehrungen geprägten Leben einen Anspruch haben auf eine möglichst faire Bewertung ihrer Leistungen.

Anno Hecker Folgen:  

Daran hatten die Organisatoren der Rhythmischen Sportgymnastik in der Turn-Familie unter Präsident Grandi offenbar kein Interesse. Die Manipulation der Kampfrichterprüfungen im großen Stil zeugt jedenfalls von einer maßlosen Respektlosigkeit gegenüber den Sportlern. Zwar sollte man als Athlet wie als Beobachter das Resultat einer Vorführung nie vom Verlauf eines Wettkampfes trennen, also auch den Weg dorthin würdigen. Aber wenn Urteile in einer kompositorischen Sportart nicht mehr vom Urteilsvermögen abhängen, dann verkommt der Sport zu einer Zirkusnummer. Dann entscheidet das Publikum - per Applaus.

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Grandi hat also richtig gehandelt. Der Turner hat die Ärmel hochgekrempelt und den Augiasstall ausgemistet. Man könnte fast glauben, da habe einer vom alten Schlag kompromisslos zugepackt. Aber das Vorgehen des Italieners unterscheidet sich auffällig vom Verhalten mancher Kollegen in ähnlichen Situationen. Sie versuchen solche Probleme hinter verschlossenen Türen zu lösen. Grandi wählte die moderne Art, er informierte die Öffentlichkeit vom vergangenen Winter an regelmäßig über Nachrichten auf der Homepage des Verbandes. Jeder wichtige Schritt ließ sich verfolgen, wie im Livestream Grandi reformierte sozusagen online.

Diese Transparenz ist sehr ungewöhnlich in der internationalen Sportpolitik. Die traditionelle Distanz zwischen den altehrwürdigen Turnern und den Protagonisten der Rhythmischen Sportgymnastik mag dabei eine Rolle gespielt haben. Unter dem Strich aber bleiben zwei erfreuliche Erkenntnisse: Der radikale Eingriff wird die Rhythmische Sportgymnastik vor lebensbedrohlichen Konsequenzen, etwa einem durchaus möglichen Olympia-Ausschluss, bewahren. Und Grandi beweist, das greise Funktionäre, wenn sie wollen, sehr beweglich sein können. Er ist 79.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 21.08.2013, 17:13 Uhr

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