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Kommentar zum Behindertensport : Fällige Aufwertung

Im Scheinwerferlicht: Die Leichtathleten untrer den Behindertensportlern können auf mehr Aufmerksamkeit hoffen Bild: dpa

Bei den Paralympics ist der Behindertensport ein Publikumserfolg. Nun dürfen die Leichtathleten auch in den vier Jahren zwischen den Höhepunkten auf mehr Aufmerksamkeit hoffen. Das ist aber auch eine Gratwanderung.

          Der schöne Schein der Paralympics täuscht manchmal darüber hinweg: Der Alltag für Behindertensportler ist in den allermeisten Fällen mit mühsam noch sehr vornehm umschrieben. Die Paralympics mögen zwar mittlerweile in die erste Liga der globalen Sport-Events aufgestiegen sein. Sie finden aber nur alle vier Jahre statt. Und dazwischen ist oft sehr, sehr wenig.

          Je nach Sportart und Standort genießen Welt- und Europameisterschaften noch ein gewisses Renommee. Oft genug jedoch können sich Athleten nicht einmal darauf verlassen, dass sie sich diese Höhepunkte zweiter Klasse als Ziele setzen können. Weil Ausrichter manchmal erst auf den letzten Drücker gefunden werden - und hin und wieder gar nicht. Im Extremfall bedeutet das also, dass Sportler sich vier Jahre lang für ein einziges Highlight motivieren und quälen müssen, die Zeit dazwischen aber in endlosen Trainingszyklen auf sich allein gestellt verbringen. Oder, als kleine Abwechslung, bei Wettkämpfen, die Feld-, Wald- und Wiesencharme versprühen.

          Sechs Meetings mit neuem Status

          Insofern haben die Leichtathleten Grund zur Freude über eine Nachricht, die die Fachsparte des Internationalen Paralympischen Komitees, IPC Athletics, am Montag verbreitete: In diesem Jahr steht eine neue Wettkampfserie vor ihrer Premiere, die zunächst vor allem ein Ziel hat: den Sportlern erweiterte und verlässliche Wettkampfmöglichkeiten auf hohem Niveau zu bieten.

          Sechs Meetings erhalten in diesem Jahr den Status von Grand-Prix-Events. Doha macht im März den Auftakt, und nach Stationen in Peking, Sao Paulo, Grosetto (Italien) und Mesa (Vereinigte Staaten) dürfen sich auch die Internationalen Deutschen Meisterschaften vom 14. bis 16. Juni in Berlin mit diesem Etikett schmücken. Zu bedeuten hat das im Moment noch nicht viel. Preisgelder werden ebenso wenig zu erringen sein wie ein Gesamtsieg, der sich entsprechend vermarkten ließe. Es handelt sich um einen Testlauf, der aber, bei entsprechendem Erfolg, in den nächsten Jahren institutionalisiert und ausgebaut werden soll. Dass auch der Name „Diamond League“ zu vernehmen ist, zeugt von Selbstbewusstsein.

          Nach dem Publikumserfolg der Paralympics von London scheint der Gedanke nicht abwegig, eine exklusive Serie zu kreieren und Sponsoren schmackhaft zu machen. Dabei ist es, wie immer im Behindertensport, eine Gratwanderung: Jeder Schritt in Richtung Professionalisierung droht die Schere zwischen einer überschaubaren Gruppe von Spitzenathleten und der Basis, zu der auch Schwerstbehinderte gehören, weiter zu öffnen. Bei dem Leistungsstand der Besten aber - und bei dem Aufwand, den sie treiben - sollten regelmäßige Wettkämpfe auf seriösem Niveau das Mindeste sein, was sie erwarten dürfen.

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