04.08.2006 · Es war eine Leistungsexplosion, darüber sind sich alle einig. Doch nach ihren grandiosen Erfolgen bei der Schwimm-EM wird auch Britta Steffen mit dem Dauerthema „Doping“ in Verbindung gebracht. Ein Kommentar von Gerd Schneider.
Von Gerd Schneider, BudapestEs gab mal eine Schwimmerin, die galt jahrelang als Supertalent, aber die Trainer sind an ihr verzweifelt. Sie ließ ihre Gaben schlummern, sie schaffte international einfach nicht den Durchbruch. Doch eines schönen Tages, es war im Jahr der Olympischen Spiele von Sydney, war aus ihr plötzlich eine dominante Siegerin geworden. Sie gewann Goldmedaillen und wurde zu einem großen Star. Alle Welt wunderte sich damals über ihren späten Aufstieg.
In ihrer Heimat, den Niederlanden, hieß es, sie habe erstmals in ihrem Leben richtig trainiert und deshalb endlich ihr Potential ausgeschöpft. Anderswo, gerade in Deutschland, verband man ihr Gesicht und ihren Körper eher mit Doping. Man nannte sie, ein bißchen boshaft, Ingo. Dabei gab es nie eine positive Dopingprobe von Inge de Bruijn.
Keine konkreten Anhaltspunkte
Die Geschichte der inzwischen zurückgetretenen Olympiasiegerin ist auch eine Geschichte über das Dilemma des Schwimmens. Es gibt seit Jahren keine positive Dopingprobe von erfolgreichen Athleten - und trotzdem bleibt das dunkle Gefühl, es gehe nicht alles mit rechten Dingen zu. Erst recht, wenn solche Leistungssprünge im Spiel sind wie bei Britta Steffen.
Dabei gibt es bei der Brandenburgerin keinerlei konkrete Anhaltspunkte für den Einsatz von externen Kraftquellen. Sie hat weder eine dunkle Stimme noch einen besonders ausgeprägten Kiefer, noch eine männlich-muskulöse Figur wie einst Inge de Bruijn. Und doch wird sie vorerst damit leben müssen, daß man ihren Weltrekorden nicht ohne Mißtrauen begegnet, ja: begegnen kann.
Einzeltäter fliegen auf
Gewiß, es gibt Argumente, die gegen systematisches und flächendeckendes Doping im Schwimmsport sprechen. Die Schwimmer - zumindest die deutschen - gehören zu den am meisten kontrollierten Leistungssportlern. Auch an dem Argument ist etwas dran, daß dort, wo in großem Stil gedopt wird, einzelne Täter irgendwann auffliegen.
Es wäre außerdem zu fragen, wo die Schwimmer das Geld hernehmen sollten, um mit medizinischer Anleitung durch das Kontrollnetz zu schlüpfen, wie es offenbar im Radsport üblich ist. Bis auf wenige Ausnahmen müssen die Schwimmer ohne potente Sponsoren über die Runden kommen. Dennoch verschwimmen alle guten Gründe bei konkreten Verdachtsmomenten, die sich auf den gesunden Menschenverstand stützen.
Fünf Rennen innerhalb weniger Stunden
So wunderte man sich just an dem Tag von Britta Steffens Weltrekord auch über die französische Starschwimmerin Laure Manaudou. Sie bestritt innerhalb von acht, neun Stunden gleich fünf Rennen: zwei Vorläufe und zwei Halbfinals (100 Meter Rücken und 200 Meter Lagen) und das Finale über 800 Meter Freistil - und sie gewann alle mühelos. Noch zwei Tage zuvor war sie im Vorlauf (!) über 400 Meter Lagen saft- und kraftlos ausgeschieden. Mit einer Zeit, die 14 Sekunden über ihrer Bestmarke lag. Noch Fragen?
Verbände, die Wert auf sauberen Sport legen, sollten das tun, was nun auch der Deutsche Schwimm-Verband vorhat: selbst die Initiative ergreifen und mit den Anti-Doping-Agenturen zusammenarbeiten. Blutprofile von den Athleten sind ein erster Schritt im Kampf um die verlorengegangene Glaubwürdigkeit. Unaufgefordert seine Unschuld zu beweisen, das mag in manchen Ohren grotesk klingen. Aber so sind nun mal die Zeiten. Die Unschuldsvermutung gilt im Sport von heute schon lange nicht mehr.
Dopingverdacht
Gerhard Quell (gquell)
- 04.08.2006, 12:43 Uhr
Fader Beigeschmack?
André Rößner (roessners)
- 04.08.2006, 12:47 Uhr
Deutsche Schwimmerinnen
A. Ro-Nori (Steuerzahler)
- 04.08.2006, 16:12 Uhr
Steffen: Radfahren-Schwimmen-Fußball?
Sebastian Wolff (produktewolff)
- 07.08.2006, 21:56 Uhr
Danke für den Kommentar
Sebastian Wolff (produktewolff)
- 07.08.2006, 22:05 Uhr