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Kommentar Strukturschwaches Handball-Sorgenkind

03.09.2008 ·  Die HSG Nordhorn hat es versäumt, die Erfolge in wirtschaftliche Stabilität zu verwandeln. Dem Lizenzentzug geht der Handball-Bundesligaklub vermeintlich. Aber ein dunkler Fleck lastet dennoch auf dem Beginn der neuen Saison.

Von Frank Heike
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Vielleicht kommt der große Retter noch in dieser Woche. Man mag es der HSG Nordhorn aber kaum mehr glauben, wenn sie verspricht, ihre finanziellen Nöte bald in den Griff zu bekommen. Zu oft hat es in den vergangenen sechs Jahren schon geheißen, bald, ganz bald käme der potente Geldgeber und beseitige alle Sorgen. Meistens war es dann doch der omnipotente Manager Bernd Rigterink, der in die Schatulle seiner Spedition griff und mit einer Finanzspritze das Schlimmste verhinderte.

Das neueste Gerücht aus der Grafschaft Bentheim besagt, dass mit dem Bau einer Multifunktionsarena im benachbarten Lingen und dem Umzug der HSG dorthin rosige Zeiten begännen: neue Halle, mehr Zuschauer, mehr Sponsoren. Zukunftsmusik. Die Gegenwart sieht düster aus. Die Steuerfahndung war Anfang der Woche da, es gibt den Verdacht der Steuerhinterziehung. Schwarzgeld könnte gezahlt worden sein, um die Lohnsteuer zu sparen.

Die Lizenz ist keine Garantie für ein sorgenfreies Geschäftsjahr

Hinzu kommt: Die Spieler haben ihr letztes Gehalt im Mai bekommen. Dabei sollte alles besser werden – der Ligavereinigung HBL versprach man, die Gehaltsschecks der vergangenen drei Monate bald auszustellen. Als das nicht passierte, hieß es gegenüber der HBL, ein Sponsor sei ausgefallen. Da hatte die HSG die Lizenz mit Auflagen schon bekommen. Der HBL kann man keinen Vorwurf machen – sie prüft auf der Basis der wirtschaftlichen Kennzahlen, die die Vereine vorlegen.

Aber die Lizenz ist keine Garantie für ein sorgenfreies Geschäftsjahr. Das kennt man auch an anderen Standorten, wo die Klubs gerade in den spielfreien Monaten oft klamm sind, weil die Zuschauereinnahmen fehlen. Insgesamt aber geht es der Handball-Bundesliga gut; die Finanzierung ist so sicher, wie sie im Profisport eben sein kann, nimmt man Gummersbach und Essen mit ihren Zuschauerproblemen und Magdeburg mit der drohenden Steuerschuld aus der Hildebrandt-Ära aus. Flensburg, Kiel, Mannheim und Lemgo haben große Vertragsabschlüsse hinter sich, Klubs wie Wetzlar, Melsungen, Göppingen, Großwallstadt wirtschaften seit Jahren solide.

Lizenzentzug dennoch unwahrscheinlich

Das Sorgenkind bleibt die HSG Nordhorn. Am Tag des Saisonbeginns hat sie für einen großen Imageschaden gesorgt: die Steuerfahndung bei Weltmeister Holger Glandorf – wie sieht das denn aus? Immer wieder argumentieren die Nordhorner, sie kämen aus einer strukturschwachen Region. Richtig. Das gilt für andere aber auch. Es ist eher so, dass der Handball-Boom in Nordhorn seine Schattenseiten zeigt: alle an der Spitze sind gewachsen, da fühlte sich auch die HSG unter Druck mitzuhalten.

Deutliches Zeichen dafür war, dass Glandorf trotz lukrativer Angebote nicht verkauft wurde, sondern bis 2009 bleibt. In all den Jahren der vergangenen Erfolge ist es Nordhorn nicht gelungen, Strukturen zu schaffen, die für Nachhaltigkeit stehen. Nur vier Monate nach dem größten Erfolg der Vereinsgeschichte steht die HSG Nordhorn als Schmuddelkind der Bundesliga da.

Dabei hatte der Triumph im EHF-Pokal im Mai doch entscheidend mithelfen sollen, endlich den lange versprochenen Großsponsor zu bekommen. Ein Lizenzentzug erscheint zwar mehr als unwahrscheinlich, doch der 2. September 2008 bleibt als schwarzer Tag in der Geschichte der HSG bestehen.

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