08.05.2007 · Abstieg verhindert, Reputation zurückgewonnen. Doch auch nach dem erfolgreichen WM-Turnier bleiben die Forderungen von Bundestrainer Krupp nach schnellen Reformen und weniger Ausländern in der DEL aktuell. Ein Kommentar von Marc Heinrich.
Auf die Gesichter der deutschen Eishockey-Nationalspieler ist ein Lächeln zurückgekehrt: den Klassenverbleib in der A-Gruppe im Schnelldurchgang geschafft, Spitzenteams das Leben schwergemacht und Reputation zurückgewonnen. Der Verlauf der Weltmeisterschaft in Moskau war ein Grund zur Freude.
Inmitten des allgemeinen Wohlgefühls, das sich im Team des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) in den vergangenen Tagen ausbreitete, blieb der Bundestrainer besonnen wie kein Zweiter. Uwe Krupp, der Baumeister des jüngsten Aufschwungs und Ziehvater dieser talentierten Nachwuchskräfte, übernahm lieber die Rolle des Mahners. Nur nicht blenden lassen, lautete seine Botschaft auch an all jene aus den eigenen Reihen, die Gefahr liefen, aus einzelnen funkelnden Momentaufnahmen gleich eine strahlende Zukunft abzuleiten.
Eine neue Generation
Um das Eishockey in Deutschland ist es generell nicht gut bestellt. Mit dieser Ansicht eckt Krupp, der sich auch dank seines Wohnortes in den Vereinigten Staaten einen internationalen Überblick verschafft und Vergleiche erlauben kann, immer wieder gern an. Innerhalb des DEB, aber auch bei den Protagonisten der Deutschen Eishockey Liga (DEL), denen das Wohl und Wehe des Nationalteams noch nie sonderlich am Herzen lag. Krupp tut gut daran zu warnen.
In mühsamer Kleinarbeit kehrte er den Scherbenhaufen zusammen, den ihm sein Vorgänger Greg Poss nach dem Abstieg in die Zweitklassigkeit hinterließ. Er sortierte altgediente Kräfte, die nicht in sein System des "Safety first" passten, konsequent aus, berief lieber Jungspunde, mit denen bislang selbst eingefleischte Fans kaum etwas zu verbinden wussten, wie Draxinger, Dietrich oder Breitbach, die aber stellvertretend für eine neue Generation an Eishockey-Nationalspielern stehen.
Erfolg gegen die Kritiker
Wer Krupp helfen möchte, sich auch fortan im Kreis der Weltelite zu behaupten, hat auf dem Eis drei Kriterien zu erfüllen: Läuferisch müssen seine Kandidaten überdurchschnittlich begabt sein, dazu physisch austrainiert und mental belastbar - einzig nach diesen Merkmalen sucht er seine Spieler aus. Auf frühere Erfolge braucht sich bei ihm niemand etwas einzubilden, wie einige Routiniers, deren mangelhafte Fitness und Berufseinstellung er im Winter in einem bemerkenswerten Appell öffentlich machte, spüren mussten. Dass er damit bei der Mission in Russland nicht für möglich gehaltenen Erfolg hatte, wird manchen Kritiker in der Heimat insgeheim ärgern.
Es wäre fatal zu glauben, die Jahre bis zur Heim-WM 2010 würden nun zum Selbstläufer. Wenn kaum mehr als zwei Millionen Sportinteressierte daheim die Fernseher einschalten, alle deutschen WM-Spiele in Moskau zusammengerechnet, ist dies ein Beleg dafür, dass Eishockey in Deutschland zu einer Randsportart verkommen ist. Krupps Forderungen nach schnellen Reformen und weniger Ausländern in der DEL sind deswegen aktueller denn je. Das deutsche Eishockey braucht Gesichter, die diesen Sport wiedererkennbar machen. Dazu müssen sie in der Liga eine Hauptrolle spielen.