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Kommentar Nicht mit Hoffnung sparen

 ·  Von Jörg Hahn

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Frohes neues Sportjahr. Die Leipziger Olympiabewerbung wird im Mai Geschichte, einen Monat später scheitert die deutsche Fußball-Nationalmannschaft in der Vorrunde der Europameisterschaft in Portugal, und im August in Athen erlebt die deutsche Olympiadelegation ihr Desaster. Darauf kann man wetten - oder etwa nicht?

Warum so defätistisch? Weil der deutsche Sport in den vergangenen zwölf Monaten ein zwiespältiges Bild hinterlassen hat. Pessimisten konnten sich bestätigt sehen in ihrer Haltung, daß es mit dem Sport hierzulande bergab gehe; Optimisten gab 2003 gleichwohl Anhaltspunkte für die These, der Sport sei besser als sein Ruf. Hinter dem deutschen Leistungssport liegt ein gutes Jahr. Die vorolympische Bilanz untermauerte die Erwartung, daß die Deutschen in Athen noch immer Kandidat für Platz drei in der Medaillenwertung sind. Nimmt man die zurückliegenden Weltmeisterschaften in den dreihundert Medaillendisziplinen als Grundlage für ein Rechenspiel, werden im August Deutsche und Chinesen um die Position hinter den dominierenden Sportnationen Rußland und Vereinigte Staaten kämpfen. Daß neue Bewegung in die weltweite Dopingbekämpfung gekommen ist, könnte bislang zementierte Rangfolgen aufbrechen. Vorerst bleibt das jedoch eine vage Hoffnung. Nichts mehr umstoßen läßt sich für die Deutschen ausgerechnet in populären Spielsportarten, wo die Qualifikation schon verpaßt wurde. In der Leichtathletik gab es ebenfalls schwere Rückschläge. Olympische Prognosen auf Basis vorheriger Leistungen sind problematisch, das haben die Sydney-Spiele gelehrt. Denn damals erfüllten sich die Hochrechnungen nur zu einem kleinen Teil. Doch sehen wir es einmal zuversichtlich: Warum soll in Athen nicht sogar viel mehr als erhofft für den deutschen Sport herausspringen?

Den Skeptikern und Schwarzsehern lieferten 2003 ausgerechnet diejenigen Stoff, die dem Sport Struktur, Richtung und Inhalt geben sollten; stattdessen erweckten führende Funktionäre mit Grabenkämpfen den Eindruck der Zerrissenheit. Deutscher Sportbund und Nationales Olympisches Komitee strebten in wichtigen Fragen höchst unterschiedliche Ziele an und führten für die Öffentlichkeit das Stück "eine schreckliche Familie" auf. Uneins redet man sich gegenseitig schlecht, was möglicherweise bei Politik und Wirtschaft eine fatale Langzeitwirkung hat. In der sächsischen Olympiabewerbung ist Bundesinnenminister Otto Schily bisweilen als Aufsichtsratsvorsitzender bezeichnet worden. Das ist nach den Statuten zwar der Präsident des Nationalen Olympischen Komitees. Doch Schily und Kollegen mischen sich ein, weil sie an Handlungsfähigkeit und Entscheidungssicherheit des Sports zweifeln. Diesen Vorbehalt abzuschütteln, ist wichtigste Aufgabe der Sportpolitik. Denn die Rahmenbedingungen des Bundes für den Spitzensport sind nur bis zu diesem Jahr festgeschrieben. Nach Olympia 2004 steht vieles auf dem Prüfstand.

Die Reformdiskussionen und -beschlüsse des Bundestages kurz vor Weihnachten vor Augen, muß man auch für den Sport in Zukunft tiefe Einschnitte befürchten. Nicht am Sport sparen, sondern mit dem Sport sparen, diese Forderung aus der Neujahrsbotschaft des Präsidenten des Deutschen Sportbundes könnte und sollte gelten für Bereiche wie Schul- und Gesundheitssports. An den Hochleistungssport werden andere Maßstäbe angelegt, wenngleich der Staat auch dort in der Pflicht bleibt. Mittel und Kräfte in den Verbänden und Stützpunkten zu konzentrieren, ist schon auf dem Weg nach Athen Pflicht. Danach wird der Veränderungs- und Spardruck noch zunehmen - unabhängig von der Zahl der Medaillen und Erfolge für den deutschen Sport in diesem Jahr. In diesem Zusammenhang könnte es entscheidend werden, daß Leipzig über 2004 hinaus im olympischen Rennen bleibt, und so das Klima für den Sport fördert.

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01.01.2004, 17:00 Uhr

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