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Kommentar Floyd, der Erste

21.09.2007 ·  Es hat in der langen Geschichte der an Dopingskandalen reichen Tour de France eine Reihe befleckter Sieger gegeben - allerdings ohne Konsequenzen. Bis jetzt. Der Richterspruch über Floyd Landis ist ein Hoffnungsschimmer, mehr nicht. Claus Dieterle kommentiert.

Von Claus Dieterle
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Wie heißt noch mal der Tour-Sieger 2006? Floyd Landis, oder? Nein, das war einmal. Oscar Pereiro gebührt jetzt diese Ehre. Es hat zwar 14 Monate gedauert – und das ist viel zu lange –, bis feststand, dass der Zweite der Erste ist, auch wenn der Spanier selbst schon mal im Zwielicht stand.

Aber vielleicht werden wir uns generell daran gewöhnen müssen, dass Siegerehrungen, so ergreifend und feierlich sie sein mögen, letzten Endes nichts weiter sind als Momentaufnahmen mit geringer Aussagekraft. Weil nicht Zeiten oder Plazierungen über Sieg und Niederlage entscheiden, sondern im Zweifelsfall die Sportgerichte.

Kein einstimmiges Urteil

Gerade in der langen Geschichte der an Dopingskandalen reichen Tour de France hat es eine ganze Reihe befleckter Sieger gegeben – allerdings ohne jede Konsequenz. Bis jetzt. Floyd Landis gebührt die zweifelhafte Ehre, in einer Hinsicht dann doch der Erste zu sein: Der erste Tour-Sieger, der nachträglich – ganz offiziell – aus der Liste gestrichen wird. Wegen Testosteron-Dopings. Zwar bleibt dem Radprofi noch der Gang zum internationalen Sportgerichtshof, aber selbst Pat McQuaid, der sonst eher zurückhaltende Präsident des internationalen Radsportverbandes, will dessen Urteil gar nicht erst abwarten, sondern fügt seines gleich hinzu: Streichen!

Dass das dreiköpfige amerikanische Richtergremium nicht zu einem einstimmigen Urteil kam, liegt schon in seiner Zusammensetzung begründet. Denn der Mann, der sich nicht den beiden Kollegen anschließen mochte, ist schließlich von Landis’ Verteidigung bestimmt worden. Und die hat in der vergangenen Monaten weder Kosten noch Mühen gescheut, um ihren Mandanten, der noch immer seine Unschuld beteuert, vom Verdacht des Dopings reinzuwaschen.

Erpressungs- und Einschüchterungsversuchen

Mit einer Medienkampagne, mit einem Heer von Gutachtern, mit Spendenaufrufen, die allerdings weit unter den Erwartungen blieben, mit Erpressungs- und Einschüchterungsversuchen. Ein medienwirksam inszeniertes Spektakel, das bisweilen den Rahmen juristischer Auseinandersetzungen verlassen hatte. Mit einer Strategie, die dem sattsam bekannten Muster folgte: Leugnen, die Gegenseite – vor allem die Arbeit des französischen Labors Chatenay-Malabry – erschüttern; Fehler machen immer nur die anderen. Aufgegangen ist diese Taktik nicht. Auch wenn das amerikanische Gremium Verfahrensfehler des Labors einräumte – der Steroid-Missbrauch ist unzweifelhaft erwiesen.

Wenn Landis jetzt das Urteil als Schlag gegen die Athleten bezeichnet, der zudem ein fehlerhaftes System offenbare, zeigt das nur, welches Ausmaß der Realitätsverlust bei ihm inzwischen angenommen haben muss. Eingesetzt hat er spätestens auf jener 17. Etappe mit der aberwitzigen Komödie von der wundersamen Auferstehung eines tags zuvor hoffnungslos geschlagenen Favoriten, die selbst Radsport-Enthusiasten unheimlich vorkam. Landis hat sich in der Folgezeit wohl hoffnungslos in den Wahn gesteigert, zu beweisen, was nicht zu beweisen war – seine Unschuld.

Der Richterspruch ist ein Hoffnungsschimmer – mehr nicht – in einer Branche, die lange genug beide Augen zugedrückt hat, vor allem wenn große Namen im Spiel waren. Aber jetzt anzunehmen, dass diese Zeiten tatsächlich ein für allemal vorbei sein sollten, fällt schwer.

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Jahrgang 1956, Sportredakteur.

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