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Kommentar Ein trauriges Finale

02.11.2007 ·  Martina Hingis hat viel geleistet, für sich und das Tennis. Sie hat 43 Turniere im Einzel, 36 im Doppel und viele Millionen gewonnen. Umso trauriger ist es, dass das „Jahrhunderttalent“ jetzt als tragische Figur abtritt, meint Wolfgang Scheffler.

Von Wolfgang Scheffler
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Martina Hingis hat viel geleistet, für sich, für ihren Sport. Sie hat fünf Grand-Slam-Turniere, insgesamt 43 Turniere im Einzel und 36 im Doppel gewonnen, sie verdiente mehr als 20 Millionen Dollar Preisgeld und ein Vielfaches an Sponsorengeldern.

Als sie am 31. März 1997 erstmals die Führung in der Weltrangliste übernahm, eine Position, die sie insgesamt 209 Wochen okkupierte, war sie 16 Jahre, 6 Monate und einen Tag auf der Welt – bis heute die jüngste Spielerin, die die Spitze des Wandergewerbes Tennis erklomm. Sie beeindruckte mit ihrem Spiel: Der schieren Gewalt der Powerfrauen setzte sie Cleverness und Antizipation entgegen. Sie nutzte geschickt die Wucht der gegnerischen Schläge, und sie liebte die „Winkel“, mit deren Hilfe sie die Gegnerinnen aus dem Platz trieb.

Unwürdige Winkelzüge

Umso trauriger ist es, dass das „Jahrhunderttalent jetzt als tragische Figur“ in einem „Märchen ohne Happy-End“ abtritt, wie das Schweizer Boulevardblatt „Blick“ treffend formulierte. Sie beendet ihre großartige Karriere nun unrühmlich mit den unwürdigen Winkelzügen und den üblichen faulen Ausreden ertappter Dopingsünder. Dabei spielt es keine Rolle, ob Martina Hingis Kokain als sportliches Aufputschmittel nutzte oder ob sie sich während des Wimbledon-Turniers nur einen zusätzlichen „Kick“ verschaffen wollte. Jeder Sportler ist für verbotene Substanzen verantwortlich, die zweifelsfrei in seinem Körper nachgewiesen werden. Der Hinweis auf die negative Haarprobe beweist nur, dass sie die Droge nicht dauerhaft konsumierte, taugt also nicht zum Reinwaschen.

Was bleibt noch zu sagen? Ganz sicher dies: Eine Ausnahmesportlerin wie Martina Hingis hat einen anderen Abgang verdient – aber vielleicht passt gerade dieses traurige Finale zu der jungen Frau, die am 30. September 1980 in Kosice (Kaschau) als Martina Hingisova Molitor in der heutigen Slowakei geboren wurde und 1988 nach der Scheidung der Eltern mit ihrer Mutter in die Schweiz übersiedelte.

„Sie geht lieber reiten“

Denn die „Swiss Miss“ hat für ihre Erfolge auch immer einen hohen Preis gezahlt: eine verlorene Jugend durch den allzu frühen Wechsel ins Profilager im Alter von nur 14 Jahren, ständige Verletzung ihres immer wieder rebellierenden Körpers, ein angespanntes Verhältnis zu ihrer Mutter und langjährigen Trainerin Melanie Molitor und ein ruheloses Privatleben, mit dem sie die Boulevardpresse mit immer neuen Männern an ihrer Seite ständig fütterte.

Erst in den letzten Wochen machte sie nicht nur durch ihre Hüftverletzung und Spekulation um das zweite Karriereende Schlagzeilen, sondern auch durch ihre neue Liaison mit dem 36-jährigen ukrainischen Öl- und Gasmilliardär Alexander Onischenko, dem „Abramowitsch des Springreitens“.

„Sie wird gegen die Vorwürfe nicht mit aller Kraft kämpfen“, sagte Mario Widmer, ihr Manager und der Lebenspartner ihrer Mutter, „sie geht lieber reiten.“ So bleibt ihr und uns ein langjähriger und unappetitlicher Rechtsstreit um angeblich nicht von ihr stammenden Urinproben, so die erste Verteidigungsstrategie ihrer englischen Anwälte, hoffentlich erspart – das einzige Positive am Fall der Martina Hingis.

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Jahrgang 1948, Sportredakteur.

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