11.05.2007 · Der Untergang der deutschen Segler im America's Cup ist durch eine Aneinanderreihung von Managementfehlern entstanden. Am fehlenden Geld hat es nicht gelegen. Ein Kommentar von Michael Ashelm.
Geld macht nicht glücklich. Diese Erkenntnis reift immer dann beim bedeutendsten und teuersten Segelwettbewerb der Welt, wenn die ersten großen Verlierer bitter geschlagen abtreten müssen von der Seebühne.
Schnell ist die Rede vom verführerischen Spiel der Milliardäre, als würde immenser Mitteleinsatz allein schon Erfolg garantieren. Doch wer beim America's Cup höhere Ziele erreichen will, muss sich vorher im Klaren sein, dass die größte Herausforderung in der unternehmerischen Leistung besteht, die zur Verfügung stehenden Ressourcen ausbalanciert und wohldosiert zu investieren. Nicht nur das sportliche Endergebnis mit zwei Siegen in zwanzig Rennen und dem vorletzten Platz im Gesamtklassement der Vorrunde zeigt, dass diese Management-Aufgabe vom ersten deutschen Teilnehmerboot in der Geschichte dieses Wettbewerbs nicht gelöst werden konnte. Eine stabile, ausgewogene Lage erreichte das Segelsyndikat des Internet-Tycoons Ralph Dommermuth nie - trotz des satten Budgets von offiziell 50 Millionen Euro.
Bank verzettelte sich
Keiner auf der Kommandobrücke war dem Zeitdruck gewachsen, innerhalb von zwei Jahren eine Organisation kontrolliert hochzufahren. Die verschiedenen Charaktere lebten nicht für ein Ziel, ihre Eitelkeiten und persönlichen Machtspiele waren ihnen wichtiger als Teamarbeit. Es fehlte eine Hierarchie mit einem unangefochtenen Leader an der Spitze, der über eine interne Akzeptanz bis hinunter zum letzten Segler verfügte. Finanzier Dommermuth sah sich nach dem Eignerstreit zwar als Kopf der Kampagne, doch fehlte ihm die gelebte Nähe zur Branche, wie das bei den Segelmilliardären Bertarelli ("Alinghi") oder Ellison ("BMW Oracle Racing") zu sehen ist.
Der stets um strukturelle Klarheit bemühte Teamchef Scheeren aus Dommermuths Westerwald-Connection ordnete - erst spät geholt - nur scheinbar die Verhältnisse und traf aus Unerfahrenheit genau die falsche zentrale Entscheidung, indem er Skipper Jesper Bank zum Herrn über das Syndikat machte und nicht neue sportliche Expertise von außen einkaufte. Bank glaubte, durch mehr Macht auch mehr Leistung bringen zu können; doch der zweimalige Olympiasieger verzettelte sich in der Vielzahl der Aufgaben und gab am Ende vor dem Steuerrad ein unsicheres Bild ab.
Als sich vor einem halben Jahr nach technischen Problemen am Boot abzeichnete, unter welch sportlichen Druck das Team kommen würde, sägte Bank im Selbsterhaltungstrieb am Stuhl des Technikvorstands Eberhard Magg und schwächte damit im letzten Moment die gesamte Sportkompetenz-Abteilung. Der Skipper, dem es besser getan hätte, sich voll und ganz auf seinen Job an Deck zu konzentrieren, trat gestern zurück. Magg soll zurückkommen. Zudem setzt das Team auf die Unterschrift der deutschen Segel-Ikone Jochen Schümann und hat ein neues Boot in Auftrag gegeben, was das Interesse am nächsten America's Cup hochhalten soll. Doch dies sind nur Absichtserklärungen. Wie viel Substanz wirklich noch vorhanden ist nach dieser Vergeudung von Geld und Arbeitskraft, wird sich zeigen. Einzig die Lernkurve macht Hoffnung. Und der America's Cup war immer schon ein Wettbewerb der vielen Anläufe.
AC
Heinrich Rieler (HeinrichRieler)
- 11.05.2007, 15:45 Uhr
@ AC - Heinrich Rieler
gerd posywio (hammer22)
- 11.05.2007, 17:15 Uhr
@Heinrich Rieler: Wundervoll geschildert!
Meut Hässler (Haesller)
- 11.05.2007, 18:52 Uhr
Team Germany/United Internet
Christoph Runge (Chris271)
- 12.05.2007, 20:25 Uhr