04.05.2007 · Er ist einer der besten Spieler in der NBA, der beste deutsche Basketballer sowieso. Doch von einem Weltstar wird erwartet, dass er in entscheidenden Momenten ein Spiel dreht, den Ausschlag gibt. Diese Erwartung kann Nowitzki nicht erfüllen. Ein Kommentar von Anno Hecker.
Von Anno HeckerWas für ein Elend. Dirk Nowitzki, dieser baumlange, starke Kerl, stützt sich auf den Knien ab. Sein Gesicht ist eingefallen, der Blick leer, er wirkt ausgepumpt. Das hat es lange nicht gegeben: Der beste Spieler der ersten 82 Saisonspiele in der amerikanischen Basketball-Profiliga steht schon nach der ersten Playoff-Runde mit leeren Händen da. Die beste Mannschaft, der Favorit für die Meisterschaft der besten Liga der Welt, ist aus dem Rennen. Und nicht einmal unglücklich geschlagen worden. Nein, so wie die Golden State Warriors in sechs Spielen auftraten, so wie sie kämpften und zuletzt traumhaft sicher trafen, bleibt selbst dem größten Dallas-Fan kein Wahl: Der Sieg ist verdient.
Aber hat Nowitzki das verdient? Nach dem Rücktritt von Michael Schumacher gilt er als der deutsche Star im Weltsport. Ein Mann, der auf dem Spielfeld alles kann. Er ist für seine Größe von 2,13 Metern unglaublich schnell, hat großes Bewegungstalent, kann von der Flügelposition werfen, aber auch den Ball krachend über Gegner hinweg in den Korb stopfen. Er kann mit überraschenden Pässen wie ein intelligenter Aufbauspieler auftreten und hat zuletzt sogar seine Verteidigung verbessert.
Dem Würzburger fehlt etwas
Wer die Statistiken kennt, weiß, dass sich Nowitzki seit seinem Wechsel von der Zweiten Bundesliga in die NBA stetig verbessert hat. Mit unermüdlichem Eifer. Niemand zweifelt, dass er zu den besten fünf Spielern der NBA gehört. Und trotzdem fehlt dem Würzburger etwas. Die letzte Auszeichnung nach all den Lobeshymnen. All das, wofür er selbst Jahr für Jahr hart trainiert: die NBA-Meisterschaft, der Titel schlechthin.
Nowitzkis Karriere ist in gewissem Sinn beispiellos. Nie zuvor hat ein Deutscher so überragend Basketball gespielt. Und trotzdem gibt es eine Reihe Landsleute, die mehr gewonnen haben. Nowitzki verlor das Halbfinale um die EM 2001, das Halbfinale um die WM 2002, das Finale der EM 2005, im vergangenen Jahr nach einer 2:0-Führung noch die NBA-Endspielserie – und nun sogar die erste Prüfung auf dem Weg zum angestrebten Ziel. Allerdings hätten es die meisten Teams ohne seine Fähigkeiten kaum so weit gebracht. Aber von einem Weltstar wird erwartet, dass er in entscheidenden Momenten ein Spiel dreht, den Ausschlag gibt, den Umschwung einleitet. Im fünften Spiel, als Nowitzki in drei Minuten seine Mavericks zum Sieg führte, blitzten Führungsstärke und Selbstsicherheit des Mannschaftskapitäns auf. Ein Spiel später war nichts mehr davon zu sehen: Im dritten Viertel traute sich Nowitzki nur einen Wurf zu. Das reicht nicht für einen Titel in der NBA.
Rückzug während des Aufstiegs
Auf der Suche nach den Gründen für das Scheitern bleibt man unweigerlich an der Persönlichkeit Nowitzkis hängen: ein angenehmer, ruhiger Charakter, ein Musterschüler, sagen seine Trainer. Nicht von ungefähr ist er bislang nicht ausgebrochen aus dem ungewöhnlichen Trainer-Schüler-Verhältnis zwischen ihm und seinem Mentor Holger Geschwindner. Noch heute reist der frühere Nationalspieler nach Dallas zum Schusstraining mit dem „Bub“ auf Weltstar-Niveau. Als brauche Nowitzki Halt von außen.
Dessen Desinteresse an großen Szenen, an der ganzen PR-Maschinerie, an der üblichen Abzocke, überhaupt an der Chefrolle, die er nur widerwillig übernahm, macht ihn zwar sympathisch. Zugleich ist diese defensive Haltung, der Rückzug während des Aufstiegs, ein Signal. Nowitzki will zwar auf dem Parkett mitspielen, kann aber anscheinend nicht das große Spiel kontrollieren.
zu hart...
Daniel Tridico (Tridi)
- 04.05.2007, 22:16 Uhr
Die Weiterentwicklung eines Spielers
Dennis Wiegel (Dennis_W)
- 05.05.2007, 13:01 Uhr
Nowitzki
Jonas Ronnebaum (HappySailor)
- 05.05.2007, 15:05 Uhr
nur eine Momentaufnahme...
Rainer Bardon (Rainy82)
- 07.05.2007, 21:26 Uhr