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Kommentar Die letzte Maskerade

02.04.2007 ·  Das Experiment Henry Maskes, nach mehr als zehnjähriger Pause vom Wettkampfsport den Weltmeister herauszufordern, ist wider alle Wahrscheinlichkeit geglückt. Mit Maske ist Boxen eine Kopfsportart, meint Hans-Joachim Leyenberg.

Von Hans-Joachim Leyenberg
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Aus Sir Henry ist nun doch nicht Old Henry geworden. Das Experiment Henry Maskes, nach mehr als zehnjähriger Pause vom Wettkampfsport den Weltmeister – zudem noch in so einem komplexen Fach wie Boxen – herauszufordern, ist wider alle Wahrscheinlichkeit geglückt.

Er hat den Ring in der Münchner Olympiahalle als umjubelter, strahlender Sieger verlassen. Weil er, um in seiner Diktion zu bleiben, all das „abgerufen hat, was mal da war und immer noch da ist“. Als Olympiasieger und Weltmeister der Amateure profitierte er am Samstag von einer glänzenden Grundausbildung, einer gesunden Lebensführung auch nach seiner Karriere und einer akribischen Vorbereitung auf die Stunde der Wahrheit. Mit Trainer Manfred Wolke an seiner Seite hat der ehemalige Sportsoldat der Volksarmee Boxen wieder zu dem gemacht, was es in der Idealvorstellung des Duos immer war: eine Kopfsportart. Wer dabei an Schach denken sollte, liegt so falsch nicht.

Geduld im Angesicht des Gegners

Maske ist eine andere Hausnummer als Axel Schulz, der mit seinem Comebackversuch eine Lawine von Spott und Hohn auslöste. Als Vorsänger im Chor derer, die Maske in den höchsten Tönen preisen, ist Kollege Wladimir Klitschko herauszuhören. Sie sind Brüder im Geiste, wenn es um die Philosophie des Boxens geht. Mit ähnlichen Vermeidungsstrategien, einer Geduld im Angesicht des Gegners, die an Langmut und Langeweile grenzt, aber sie sind zugleich auch effektiv, wenn es zu attackieren gilt. Andernfalls wäre ihre Disziplin brotlose Kunst.

Kommentar: Die letzte Maskerade

Virgil Hill, der sich nach dem Schlussgong mit Worten viel pfiffiger präsentierte als während der vorangegangenen zwölf Runden mit Handschuhen, glaubte die Gunst der Stunde nutzen zu können. Wie wäre es, so fragte er, den Naiven spielend, mit einer Revanche der Revanche in Deutschland? Schließlich stünde es 1:1 im Duell Hill gegen Maske. Dazu sollte man wissen, dass für Hill bei seiner letzten Titelverteidigung in den Staaten gerade mal knapp 200.000 Dollar an Kampfbörse anfielen. Beim Duell der Oldies sprang für ihn in etwa das Zehnfache der Summe heraus.

Wäre es Maske, wie gern gemutmaßt, bei seiner Rückkehr allein um das Geld gegangen, hätte er sich alle Optionen auf die Offerte offengelassen. Hat er aber nicht. Vom Beifall umrauscht und berauscht, sah er nach der Wiederkehr im Seilgeviert so aus, als sei er einem Jungbrunnen entstiegen. Nach keinem seiner vorangegangenen Kämpfe hat man ihn so aufgekratzt und zugleich entkrampft erlebt wie nach der Herausforderung von München. Gelöst und erlöst vom Makel, sich im November 1996 mit einer Niederlage verabschiedet zu haben. Damals sahen bis zu 19 Millionen zu, beim Selbstversuch 2007 waren es an die 18 Millionen. Irgendwie zeitlos, diese Maskeraden.

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Jahrgang 1943, Sportredakteur.

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