04.02.2010 · Seefahrer-Romantik beim America's Cup? Die ganze Zeit auf dem Wasser? Von wegen: Ein Boot kam am Haken eines Helikopters ans Mittelmeer, das andere im Bauch eines Frachtschiffes. Andererseits: Wir fahren ja auch mit dem Auto zum Joggen.
Von Michael AshelmAhoi Kapitän! Die Nase im Wind und die Sonne auf der Haut. Wie schön kann ein Abenteuer mit dem Boot doch sein. Wenn der Bug durch Wogen schneidet, das weiße Segeltuch flattert und unsere Blicke sehnsuchtsvoll schweifen in die Weiten des Meeres. Dann stehen wir an der Reling und fragen uns schwärmerisch: Wohin wird es uns treiben? Wohin führt der Weg? Aber bitte, bloß nicht so viel herumträumen! Mit dieser Seefahrer-Romantik machen wir uns gleich zum Gespött. Die Herausforderungen sind heute nämlich ganz andere - viel umfassender. Aber aufgepasst: Dafür muss auch die Sinnhaftigkeit der sportlichen Fortbewegung von A nach B ganz neu definiert werden.
Nehmen wir zum Beispiel den America's Cup: In der nächsten Woche wird die Trophäe zum 33. Mal vor Valencia vergeben werden. Die Entscheidung fällt zwischen dem Titelträger aus der Schweiz und dem amerikanischen Herausforderer. Es handelt sich um die älteste Regatta der Welt. Die Teilnehmer sind einst über den Ozean gesegelt, um sich dann mit ihrem Gegner in einigen Rennen zu messen. So wie beim ersten Mal 1851 vor der Küste Südenglands, als die Crew des Schoners America gewann und der Regatta ihren Namen gab.
Mit dem Lastenhubschrauber über die Alpen
Das alles hört sich im Rückblick doch ziemlich anachronistisch an. Die ganze Zeit auf dem Wasser? Anreise über den Atlantik? Nein, sportliche Bewegung muss effizient gestaltet werden. Es geht um körperlichen Einsatz im richtigen Augenblick. Alles zu seiner Zeit. Wir fahren ja heute auch mit dem Auto zum Joggen oder mit dem Flieger in Wanderurlaub. Oder eben mit dem Hubschrauber zur Segelregatta.
So wie das Team von Alinghi, das seinen Katamaran von einem russischen Lastenhelikopter vom Genfer See über die Alpen ans Mittelmeer fliegen ließ. Der Gegner aus den Vereinigten Staaten setzte seine Mannschaft in ein Flugzeug, schob den riesigen Trimaran in den Bauch eines Frachtschiffes und ließ das Mehrrumpfboot von San Diego nach Valencia transportieren. Hier übrigens treffen die schnellen Boote in dieser Woche auf schnelle Straßenrenner. Die Formel 1 absolviert auf dem Kurs im Hinterland gerade ihre ersten wichtigen Tests der neuen Saison. Und wenn die letzte Runde gedreht ist? Dann werden die Autos auf Lastwagen verladen und irgendwann zum ersten Rennen nach Bahrein geflogen.