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Kofler verlässt Premiere Der große Zampano

13.08.2007 ·  Mit Georg Koflers Abgang verliert nicht nur der Bezahlsender Premiere sein Aushängeschild und seinen kreativen Motor. Mit ihm verlässt der letzte Unternehmertyp das Privatfernsehen: Die Finanzinvestoren haben nun das Sagen. Michael Hanfeld über Koflers Abgang.

Von Michael Hanfeld
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Es stimmt. Man mag kaum glauben, dass Georg Kofler erst fünfzig ist. Man hat vielmehr den Eindruck, dass er schon seit fünfzig Jahren im Geschäft ist, schließlich mischt er im deutschen Privatfernsehen seit der ersten Stunde mit. Doch es sind nicht fünfzig, sondern fünfundzwanzig Jahre, die er im Geschäft sei, teilt der Vorstandsvorsitzende des Bezahlsenders Premiere zu seinem überraschenden Abgang mit. Seit neunzehn Jahren sei er ohne Unterbrechung als Geschäftsführer, Vorstandschef und Gesellschafter dabei. Nun ist Schluss - allein aus persönlichen Gründen, wie Kofler sagt. Er wolle eine Unternehmensgruppe aufbauen, die mit Medien nichts zu tun habe (siehe auch: Gespräch mit Georg Kofler).

Ein Ende mit Schrecken ist das nicht. Im Gegenteil. Kofler geht, kaum dass sein Sender die Hoheit über die lebenswichtigen Senderechte an der Fußball-Bundesliga zurückgewonnen hat - und gibt sich damit selbst den goldenen Handschlag. Für die 1,227 Millionen Aktien, die er an seinem eigenen Sender hielt und verkauft hat, dürfte er rund zweiundzwanzig Millionen Euro erlösen. Das dürfte als Grundstock für ein Leben nach dem Fernsehen reichen.

Präzeptor der Privaten

Mit Koflers Abgang verliert aber nicht nur der Bezahlsender Premiere sein Aushängeschild und seinen kreativen Motor, die Branche verliert damit ihren größten Zampano. Sie verliert jemanden, der ein ziemlich gutes Gespür für die Entwicklungen des Mediums und für die Lebenszyklen von Geschäftsmodellen besitzt. Sie verliert jemanden, der als Präzeptor der Privaten unentwegt und - vor allem - unterhaltsam die Öffentlich-Rechtlichen angriff. Und sie geht jemandes verlustig, dessen Vita quasi stellvertretend für die Entwicklung des privaten Fernsehens in Deutschland steht. Neben ihm gibt es da nur noch zwei andere: Den Gründer Leo Kirch, aus dessen Sendern die Pro Sieben Sat.1-Gruppe hervorgegangen ist, dessen Sekretär Kofler in jungen Jahren einmal war, mit dem er sich aber endgültig überworfen hat. Und Jürgen Doetz, der Präsident des Privatsenderverbands VPRT - auch er zunächst ein Mann Leo Kirchs, von der ersten Sendesekunde von Sat.1 im Januar 1984 an.

Und genau wie Doetz nahm Kofler sein Lehrjahr fürs deutsche Privatfernsehen in Wien beim Österreichischen Rundfunk. Dort volontierte er im Sommer 1985 bei dem legendären ORF-Intendanten Gerd Bacher als internationaler Referent. Doch ging es für Kofler, der zuvor wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Trier, Fachbereich Politikwissenschaft, war, darum, sich in ein Metier zu finden, das es bis dato privatwirtschaftlich in Deutschland nicht gab.

Gewinn aus unternehmerischem Geist

Kofler lernte schnell, schnell stieg er auf. Im Alter von einunddreißig Jahren wurde er Geschäftsführer von Eureka TV und machte daraus Pro Sieben, er gründete den Kabelkanal, aus dem Kabel 1 hervorging. Mit der Pro Sieben Media AG ging er im Juli 1997 an die Börse - obwohl manche Analysten skeptisch waren, war die Emission von rund 1,1 Milliarden Mark fünfzigfach überzeichnet. Schon damals machte Kofler vor, wie man als Manager Gewinn aus unternehmerischem Geist zieht. Die drei Prozent Anteile, die er an Pro Sieben hielt, veräußerte er im Rahmen des Börsengangs.

Das Geld konnte er gut brauchen, verlief doch seine Investition in den von ihm gegründeten Teleshopping-Sender Hot weniger unproblematisch, auch wenn er mit Hot die Mehrheit an einem ehemaligen Frauensender namens tm3 übernahm, der unter der Regie seiner späteren Frau Christiane zu Salm zu dem Anrufsender 9live mutierte. Das waren die Jahre 2000 und 2001, zum Jahrtausendwechsel hatte Kofler Pro Sieben verlassen. Im Februar 2002 schließlich übernahm er die Geschäftsführung des Abosenders Premiere, der damals als Pleitekandidat Nummer eins im deutschen Fernsehen galt. Kofler aber wendete die Dinge zum Guten, vor allem, indem er im Februar 2003 den Finanzinvestor Permira an Premiere beteiligte. Doch erwarb er auch selbst zwanzig Prozent der Anteile. Im März 2005 führte er schließlich Premiere an die Börse. Wieder war die Emission, diesmal im Volumen von 1,2 Milliarden Euro, überzeichnet - vierzehnfach.

Stehaufmännchen, Regenmacher

Dabei war es stets Koflers persönliche Überzeugungskraft, die Zweifler verstummen und scheinbar aussichtslose Unternehmungen glücken ließ. Der Mann war ein Spieler, allerdings setzte er nie nur fremdes Kapital ein. Sieben Leben schien er zu haben, ein Stehaufmännchen, ein Regenmacher. Im Januar 2006 allerdings schien auch er am Boden, als nämlich Premiere die unabdingbaren Rechte am Bundesliga-Fußball an den Konkurrenten Arena verlor. Damals gab kaum jemand etwas auf den Fortbestand von Premiere. Bezahlfernsehen, das schien, ob der finanziell unangreifbaren Macht der öffentlich-rechtlichen Sender und der auftrumpfenden Kabelgesellschaften - die auch hinter Arena standen - nicht nur das Geldgrab aus Leo Kirchs Zeiten, es schien in Deutschland unmöglich zu sein. Doch kaum anderthalb Jahre später ist Arena draußen, Premiere wieder Fußballsender und Kofler - buchstäblich - fein raus.

Das liest sich atemberaubend und das war es auch, zumal mit all seinen finanztechnischen Verrenkungen. Und es hinterlässt Spuren, sicherlich auch bei jemandem, der Sekunden vor dem Gong der letzten Runde wieder aufsteht. Er habe „Einblick in jede Ecke gehabt“, sagt Kofler. Und „das Risiko von Déjà-vu-Erlebnissen“ sei ihm zu groß geworden. Deshalb sei es „am ehrlichsten und fairsten, wenn ich jetzt gehe“. Er vollzieht damit einen Schritt, den seine Lebensgefährtin Christiane zu Salm vor ihm tat. Sie verließ den Anrufsender 9Live, als der in die Pro-Sieben-Sat.1-Gruppe integriert wurde, und auch sie war mit eigenen Anteilen am Unternehmen dabei.

Die Investoren haben das Sagen

Georg Koflers Abgang markiert aber nicht nur den Abschluss einer persönlichen Entwicklung. Das deutsche Privatfernsehen ist nicht mehr, was es fast zwei Jahrzehnte lang war. Die Unternehmertypen, die Programmgeschäftsführer und die dem Medium zugewandten, aus ihm erwachsenen Manager sterben aus. Die Finanzinvestoren haben das Sagen - die, die man rief, wie Permira bei Premiere, und die, die in die Lücke gestoßen sind, in die das Bundeskartellamt und die Wächter der Medienkonzentrationskommission Kek Verlagshäuser wie Springer nicht expandieren lassen wollten.

Die Spielräume, wie auch ein Georg Kofler sie braucht, der in Südtirol, in Bruneck als Sohn eines Holzfällers zur Welt kam und sich seinen Weg unorthodox und individuell von ganz unten erkämpfte, gibt es nicht mehr. Er wolle „den nächsten Freiheitsgrad meines unternehmerischen Lebens“ erleben, sagt Kofler. Dass er diesen nicht in der Medienbranche sucht, spricht Bände. Die Stelle, die er freimacht, wird frei bleiben. Die Börse, liest man am Tag von Koflers Entscheidung, habe „besonnen“ reagiert. „Nur“ um etwas mehr als drei Prozent sei der Kurs der Premiere-Aktie gefallen. Die Börsianer werden sich vielleicht noch wundern.

Quelle: F.A.Z., 14.08.2007, Nr. 187 / Seite 38
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Jahrgang 1965, Redakteur im Feuilleton, zuständig für „Medien“.

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