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Klitschko gegen Peter Die Renaissance des Stadion-Boxens

11.09.2010 ·  Wladimir Klitschko trifft am Samstag (22.45 Uhr) auf Samuel Peter. 44 Jahre nach Muhammad Ali findet wieder ein Kampf in der Frankfurter Arena statt. Die Zuschauer strömen, aber die sportliche Qualität spielt keine Rolle mehr.

Von Arne Leyenberg, Frankfurt
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Der Kampf ist auch ein Duell mit dem Größten. Wenn Wladimir Klitschko am Samstag (22.45 Uhr/live in RTL) in der Frankfurter WM-Arena zuschlägt, tut er das fast auf den Tag genau 44 Jahre nach Muhammad Ali. Der legendäre Ali verteidigte seinen Weltmeistertitel am 10. September 1966 im Frankfurter Waldstadion gegen seinen deutschen Herausforderer Karl Mildenberger. Der Auftritt des größten Boxers aller Zeiten zog rund 30.000 Zuschauer ins Waldstadion. Eine Marke, die Klitschko übertreffen wird - eine Woche vor dem Kampf sind schon mehr als 30.000 Eintrittskarten verkauft. Zum dritten Mal in Folge kämpft Klitschko im Stadion. 61.000 Zuschauer kamen im Juni vergangenen Jahres in die Arena auf Schalke, 51.000 im März nach Düsseldorf. Auch Bruder Witali verteidigte seinen Weltmeistertitel zuletzt im Fußballstadion, 40.000 Menschen kamen im Mai nach Gelsenkirchen.

Freiluftboxen im Stadion funktioniert wieder - nicht nur in Deutschland. Auch in Amerika, Mexiko, Australien und Großbritannien. Weil es wieder Stars gibt, die die Massen anziehen. Die gab es zwar beinahe durchgängig, aber heute ist es den Zuschauern egal, gegen wen ihre Helden boxen. Der Event, nicht der Gegner zählt. Früher wurden für Duelle zweier Meister ihres Fachs eigens provisorische Arenen aus Holztribünen errichtet. Heute werden Stadien angemietet, Tickets verkauft und Plakate gedruckt, bevor überhaupt beide Boxer feststehen.

So war es auch bei Wladimir Klitschko. Der IBF- und WBO-Weltmeister im Schwergewicht sollte eigentlich am kommenden Samstag in einem interessanten Duell gegen seinen Pflichtherausforderer, den bislang unbesiegten russischen Olympiasieger Alexander Powetkin, antreten - aber der stieg aus. Nun wird es der wesentlich schwächere Peter, der als Qualifikation einzig drei Niederschläge vorzuweisen hat. Vor fünf Jahren hatte er Wladimir Klitschko dreimal am Boden, verlor aber zu Recht nach Punkten. Während Klitschko seitdem immer stärker wurde, hat Peter erschreckend abgebaut. Der zahlenden Kundschaft in Frankfurt ist es egal.

Boxen verkommt zur „Zirkusshow“

Heute darf es beim Boxen kein Kampf mehr unterhalb einer Weltmeisterschaft sein, früher reichten Duelle um die Nummer eins in Deutschland, um die Massen zu elektrisieren: Max Schmeling, 1966 unter den Zuschauern im Frankfurter Waldstadion, lockte 1934 mehr als 100.000 Menschen zum Duell mit Walter Neusel nach Hamburg, fünf Jahre später 70.000 gegen Adolf Heuser nach Stuttgart. Auch in Amerika füllte Schmeling Stadien, mehr als 50.000 Zuschauer kamen zu seinen Kämpfen ins Baseballstadion der New York Yankees. Die Klitschkos hingegen füllen in den Vereinigten Staaten keine Arenen. Lediglich die übersichtlichen Hallen der Spielcasinos von Las Vegas, in denen der Boxsport in den achtziger Jahren nach der Stadion-Ära verschwand - weil die Casinobesitzer den Veranstaltern hohe Summen zahlten, um den Zockern eine Attraktion zu bieten, und weil der Bundesstaat Nevada mit niedrigen Steuern lockte. Zudem fehlten nach dem Rücktritt Muhammad Alis die Stars, um Stadien zu füllen. Als Mike Tyson Mitte der achtziger Jahre aufkam, hatte sich das Casino-Boxen schon zu fest etabliert.

Noch heute finden die meisten Kämpfe in der Zockermetropole in der Wüste Nevadas statt. Aber das Stadionboxen wird auch in Amerika wiederbelebt. „Las Vegas war gut für das Boxen. Aber die Casinos interessieren sich für nichts anderes als ihre Spieler. Das Ganze verkommt langsam zu einer Zirkusshow“, sagte Bob Arum unlängst. Der Promoter kehrte deshalb in diesem Jahr ins Stadion zurück. 1976 hatte er den Kampf zwischen Ali und Ken Norton im Stadion der Yankees veranstaltet - den letzten an diesem historischen Ort für 34 Jahre.

Gegner egal, Stadion voll

Im Juni wagte er das Comeback im Neubau in der Bronx. Das Duell zwischen Miguel Cotto und Yuri Foreman wollten jedoch nur rund 20.000 Zuschauer sehen. Arum hatte vergebens gehofft, mit Cotto die Puertoricaner New Yorks und mit dem angehenden Rabbiner Foreman die jüdische Bevölkerung der Metropole zu mobilisieren. Aber Arum lässt sich nicht entmutigen. „Wenn Boxen in die erste Liga des Sports zurückkehren will, brauchen wir solche Events rund um den Globus. Wir können nicht dieselben alten Casino-Kämpfe veranstalten. Bleibt der Boxsport in Las Vegas, wächst er nicht mehr.“

Mit einem seiner Boxer hat Arum den Sprung zurück in die Vergangenheit geschafft. 51.000 Zuschauer kamen im März ins Footballstadion von Dallas - obwohl ein Philippiner gegen einen Ghanaer boxte. Aber Mani Pacquiao, der derzeit beste Boxer quer durch alle Gewichtsklassen, wird nicht mehr nur in Manila verehrt, sondern mittlerweile auf der ganzen Welt. Den Afrikaner Joshua Clottey besiegte er souverän nach Punkten. Am 13. November kehrt Pacquiao ins Stadion der Dallas Cowboys zurück. Gegner ist der Mexikaner Antonio Margarito, der in Texas eine große Fangemeinde hat. Aber der Gegner ist ja egal. Das Stadion wird ohnehin voll.

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