23.01.2007 · Es ist gewiss leichter, Ray Austin kampfunfähig zu schlagen als Don King zum Schweigen zu bringen. Wladimir Klitschko hörte sich das Getrommel des Promoters distanziert-amüsiert an und erklärte, es werde am 10. März „keine Gnade“ für Austin geben.
Von Hans-Joachim Leyenberg, MannheimEigentlich wollte sich Wladimir Klitschko nicht mehr mit Promotor Don King an einen Tisch setzen. Am Dienstag aber kam er nicht an ihm vorbei. Schließlich hat King jenen Boxer unter seinen Fittichen, der am 10. März in der Mannheimer SAP Arena den IBF-Weltmeister herausfordert: Ray „Rainman“ Austin.
Der Gang des 36-Jährigen Amerikaners ist schwerfällig und wenn er spricht, kommen die Worte schleppend. Da ist es dann von Vorteil, einen Mann wie King an der Seite zu haben. Keiner trommelt weltweit so laut und schräg für das Box-Geschäft wie Don King.
Der „Nikolai-Walujew-Knie-Zerschmetterungsschlag“
Dieser nutzte den Medientermin am Schauplatz Mannheim, um Klitschko zu raten, sich schon mal nach einem neuen Job umzusehen, weil Austin ihn am 10. März entthronen werde. Als kluger und blendend aussehender Mann werde es für den Herrn Doktor kein Problem sein, künftig als Lehrer, Arzt oder Schauspieler zu arbeiten. Sprach‘s und lachte in einer Tonlage, die ins Kreischen kippte.
Klitschko hörte sich alles distanziert-amüsiert an, wollte auch den „Nikolai-Walujew-Knie-Zerschmetterungsschlag“, den Austin laut King ebenfalls im Repertoire habe, nicht kommentieren. Er rede lieber über den Sport als Märchen á la King zu erzählen. Nur soviel zum eigentlichen Thema: Es werde am 10. März „keine Gnade“ für den Gegner geben.
„Wir sind gekommen, um ihn auszuknocken“
Klitschko durfte sich schon am Dienstag als verbaler Punktsieger über Austin fühlen. Auf die Frage, wo er trainiere, antwortete der Amerikaner „in New York“. Als er die Trainingstätte präzisieren sollte, fiel ihm nur die 38. Straße ein, der Name war ihm entfallen. Da konnte auch King nicht mehr helfen und schob flugs hinterher: „Wir sind gekommen, um ihn auszuknocken.“ Der Angesprochene hatte vorher verraten, sich wie schon vor dem Duell mit Chris Byrd auf Mallorca vorzubereiten - natürlich hatte der Ukrainer den Namen des Hotels parat.
So wie es aussiehst, ist der Pflichtherausforderer Austin nur eine Zwischenstation auf dem Weg zur ultimativen Auseinandersetzung mit WBA-Weltmeister Nikolai Walujew. „Es wird Zeit dafür, wir werden älter“ schloss der 30 Jahre alte Klitschko den um ein paar Sommer und Winter älteren Russen mit in seine Überlegungen ein. „Damit das Gequatsche aufhört“ - die Spekulation, wer denn aus dem einstigen Imperium Sowjetunion der stärkste Boxer sei.
Klitschkos wollen Promoterunabhängig zuschlagen
Bis dahin wird sich das Publikum gedulden und noch einiges von Don King anhören müssen. Der Deal mit dem deutschen Promoter Wilfried Sauerland, der sich die Rechte an Walujew mit King teilt und im April auslaufen sollte, wird nämlich verlängert. Die marktbeherrschende Stellung des Mannes mit der Starkstromfrisur ist Fluch und Segen zugleich.
Die Klitschko-Brüder haben eigens die Vermarktungsfirma K2 gegründet, um Promoterunabhängig zuschlagen zu können, müssen sich aber von Fall zu Fall - Beispiel Ray Austin - arrangieren. Der „Kniescheiben-Zerschmetterungsschlag werde am 10. März weltweit zu hören sein, tönte King. Gesendet aus einer Arena, „die wie gemacht ist für einen K.o. nach einem Regen von Schlägen Austins, die auf Klitschko niedergehen.“
Wer bringt King zum Schweigen?
Wie es wirklich kommt, davon werden sich 13.500 Zuschauer in der SAP Arena (Karten gibt es vom 1. Februar an) sowie das Fernsehpublikum in über einhundert Ländern live überzeugen können. Mit RTL als „Home-Broadcaster“.
Es ist gewiss leichter, Austin kampfunfähig zu schlagen als King zum Schweigen zu bringen, dürfte Wladimir Klitschko in Mannheim mal wieder durch den Kopf gegangen sein. Bevor King den Schauplatz seiner PR-Stunde räumte, sagte er flugs noch: „Ich werde für immer da sein“ Der Mann ist 75 Jahre alt. Er übertreibt auch in diesem Punkt maßlos.