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Klitschko besiegt Johnson Klamotte in der Eishalle

13.12.2009 ·  Gegen Kevin Johnson feierte Box-Weltmeister Witali Klitschko einen ungefährdeten, aber unbefriedigenden Punktsieg. Denn der Stier nervte den Matador. Und Klitschko war drauf und dran, seine gute Kinderstube zu vergessen.

Von Hans-Joachim Leyenberg, Bern
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Wie ergeht es einem Matador in der Arena, wenn der Stier nicht kämpfen will? Er kann nicht glänzen. Er bemüht sich, er stellt ihm nach, er wird kurzatmig, seine Überlegenheit geht ins Leere. Dieses frustrierende Erlebnis widerfuhr Witali Klitschko am späten Samstagabend in der Eishalle zu Bern. „Das war der unbequemste Gegner in meiner Karriere“, gestand der WBC-Boxweltmeister nach seinem ebenso ungefährdeten wie unbefriedigenden Punktsieg.

Den Part des Spielverderbers behielt Herausforderer Kevin Johnson auch noch jenseits von Mitternacht bei. Da saß er nun und behauptete, demnächst der Schwergewichts-Champion aller Klassen zu werden. Eine Verletzung am linken Ellenbogen habe ihn daran gehindert, „meine beste Waffe einzusetzen“. Alles Wortgeklingel eines pampigen Großmauls? Ihm muss man zugute halten, nach Timo Hoffmann (Kampfname „Deutsche Eiche“) erst der zweite von insgesamt 39 Verlierern zu sein, der das Ende der zwölften Runde stehend schaffte.

„So einen Feigling werden wir nicht noch mal boxen“

Beim Amerikaner Johnson reichte es sogar noch zu verbalen Attacken am dritten Advent. Eine Fortsetzung der vorangegangenen Provokationen zwischen den Handgreiflichkeiten. Der Titelverteidiger war drauf und dran, seine gute Kinderstube zu vergessen. „Ich war wütend“, gestand er später, „ich wollte ihn bestrafen.“ Bruderherz Wladimir war kurz davor, diesen Part zu übernehmen, als er sich wie ein Bodyguard zwischen die beiden Kampfhähne stellte und Johnson in dessen Ringecke drängte.

„So einen Feigling werden wir nicht noch mal boxen“, hielt Trainer Fritz Sdunek fest. Anders als einst Hoffmann, der seinen Kopf hingehalten hatte, war der aktuelle Herausforderer darauf bedacht, möglichst ungeschoren davonzukommen. Er pendelte mit dem Oberkörper, er tauchte ab, war ständig auf der Flucht. Nur hin und wieder machte die Führhand einen Vorstoß in höhere Gefilde. Zwei blaue Augen ließen den großen Meister so gepeinigt dreinblicken, als habe jemand eine Rauchbombe gezündet.

„So einen Kampf sollte man schnell vergessen“

„Vielleicht hätte er mehr Aufwärtshaken schlagen müssen“, erlaubte sich Sdunek ansatzweise eine Kritik an der Strategie seines Matadors. Der strotzte vor Kraft, ohne sie auf den Punkt zu bringen. Hüftsteif stiefelte er der Reizfigur hinterher, praktizierte stets die von Johnson einkalkulierte Kombination links, rechts. Erst in der zwölften Runde erlebten die 16.000 Zuschauer in der Arena den Matador so zielstrebig, wie sie ihn sehen wollten. Aber da war der Spuk nach drei Minuten bereits vorbei. Es war dann letztlich doch sauer verdientes Weihnachtsgeld.

„So einen Kampf sollte man schnell vergessen“, riet Felix Sturm als Augenzeuge am Ring. Der Mittelgewichts-Weltmeister hat sich von seinem Promoter Klaus-Peter Kohl abgenabelt wie einst die Klitschkos. Gut möglich, dass auch er demnächst mit dem Fernsehsender RTL kooperiert. In Reihe eins war er in Bern entsprechend gut positioniert. Da trennten ihn nur ein paar Meter vom Tatort. Für Johnson hatte Sturm nur Verachtung übrig: „Wenn man eine so große Klappe hat, muss man auch was zeigen.“

„Das nächste Jahr bringt sehr attraktive Gegner“

Aus ihm spricht die Boxerehre. So aber geriet das Duell zu einer Klamotte, in der der Volksheld Witali Klitschko keine Meriten erwerben konnte. Wladimir, der Weltmeister anderer Verbände, hätte sich vermutlich geschickter angestellt. So, wie die Rollen am Samstag verteilt waren, beschränkte sich der Jüngere darauf, dem Bruder in den Rundenpausen den Schemel in die Ringecke zu stellen. Er selbst ist erst wieder am 30. März in Aktion.

„Das nächste Jahr“, sprach Witali für den ganzen Klitschko-Clan, „bringt sehr attraktive Gegner für unsere Titelverteidigungen.“ Der Knaller mit David Haye, der jenen Gürtel besitzt, der den Klitschkos noch fehlt, ist, wie Politiker zu sagen pflegen, auf der Agenda. Witali Klitschko, in Kiew politisch engagiert, kämpft dort „für eine bessere Ukraine“. Enttäuschungen über handelnde Personen sind an der Tagesordnung.

Auch in der Person Kevin Johnson hat man sich geirrt. „Man sollte kein Drama daraus machen“, versuchte sich Wladimir an einem Wort zum Sonntag. Derweil präsentierte sich der Geschlagene wie der eigentliche Gewinner. Der Stier war ungeschoren davongekommen, der Matador hatte sich zu rechtfertigen. Verkehrte Welt auf neutralem Schweizer Boden.

„Heute um 23 Uhr findet in der Postfinanz-Arena der Boxkampf zwischen Witali Klitschko und Kevin Johnson statt. Unter anderem wegen musikalischer Umrahmung des Anlasses ist im Quartier mit ausserordentlichen Lärm-Immissionen zu rechnen. (Mitteilung der Stadt Bern)

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Jahrgang 1943, Sportredakteur.

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