http://www.faz.net/-gtl-75rvx
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 16.01.2013, 10:18 Uhr

Kimiko Date-Krumm Älter als die Mütter ihrer Gegnerinnen

1994 hatte sie ihr bestes Jahr bei den Australian Open; damals scheiterte sie erst im Halbfinale an Steffi Graf. Knapp zwanzig Jahre später gewinnt Kimiko Date-Krumm ihr Match gegen die Nummer 12 der Setzliste mit 6:2, 6:0.

von , Melbourne
© AP 42 Jahre und topfit: Kimiko Date-Krumm

Dass ihre Gegnerinnen allesamt so viel jünger sind, das ist für Kimiko Date-Krumm kein Problem, daran hat sie sich längst gewöhnt. Mittlerweile aber seien zuweilen sogar selbst die Mütter der Spielerinnen jünger als sie, und das findet sie dann auch schon etwas seltsam.  Aber viel Zeit, um nach den Spielen oder dem Training mit den anderen noch weg zu gehen, habe sie ja ohnehin nicht. „Ich bin immer so müde und kaputt, ich muss einfach viel schlafen. Und wie ein Kind liege ich meistens schon vor 22 Uhr im Bett“, sagt die Japanerin, die alles macht, um auf dem Platz hellwach zu sein. Am Dienstag besiegte sie die an Nummer 12 gesetzte Russin Nadja Petrowa 6:2 und 6:0 – und ist nun mit 42 Jahren und 109 Tagen die älteste Spielerin, die je ein Einzelspiel bei den Australian Open gewonnen hat. An diesem Donnerstag trifft sie auf die Israelin Shahar Peer.

Peter Penders Folgen:

Kimiko Date-Krumm war ja einst einer der besten Tennisspielerinnen der Welt, damals in ihrer ersten Karriere. Zwischenzeitlich war sie bis auf den vierten Platz vorgerückt. Bei den Australian Open scheiterte sie 1994 erst im Halbfinale an Steffi Graf, aber den Spaß an der Sache hatte sie da schon längst verloren. 1996 legte sie den Tennisschläger deshalb zur Seite, und da wäre er  vielleicht auch für immer geblieben, wenn sie nicht 2007 für eine Tennis-Show mit Steffi Graf und Martina Navratilova wieder mit ein wenig Training angefangen hätte.

Tennis Australian Open 2013 © dpa Vergrößern Die älteste Spielerin, die jemals bei den Australian Open ein Match gewonnen hat

Ihr deutscher Mann, der ehemalige Rennfahrer Michael Krumm, hatte sie vorher schon immer vergeblich dazu aufgefordert. Fit war sie ja schließlich immer noch, den London-Marathon war sie 2004 in dreieinhalb Stunden gelaufen. So aus Spaß spielte sie dann 2008 ein paar Turniere in Asien mit, und schon die ersten Erfolge reichten aus, um 2009 mit Weltranglistenplatz 184 gar auf die Profitour zurückzukehren.

Mehr zum Thema

Vielleicht wird die ganze Geschichte ja irgendwann in einem Kinofilm zu sehen sein, Stoff genug für ein spannendes Drehbuch wäre ja vorhanden. Vor zwei Jahren trat sie beispielsweise erstmals mal wieder auf dem Center Court in Wimbledon – 15 Jahre nach dem letzten Male. Sie verlor zwar in der vielleicht bemerkenswertesten Partie des gesamten Turnieres in drei mitreißenden Sätzen gegen Venus Williams, aber die ganze Tennis-Welt staunte und fragte sich, wie das gehen könne, dass sie in diesem Alter noch so mithalte.

Am japanischen Essen liegt es nicht

Das fragen sich immer noch alle, aber Kimiko Date-Krumm hat auch immer noch keine Antwort darauf gefunden. Das japanische Essen sei es jedenfalls nicht, sagte sie, da sei sie außerhalb Japans immer etwas skeptisch, und  am Abend vor ihrem Sieg gegen Petrowa habe sie deshalb italienische Pasta gegessen.

Sie habe einfach Freude an dem, was sie mache, das sei der größte Unterschied zu früher, als immer ein großer Druck auf ihr lastete. Nun kann sie die Dinge ganz entspannt angehen, und dass ihr dabei der ein oder andere Rekord durch die Lappen geht, ist eben nicht weiter schlimm. Im November vergangenen Jahres stand sie so in Pune im Finale, und hätte sie es gewonnen, wäre sie die älteste Siegerin eines WTA-Turnieres überhaupt geworden.

22800170 © AFP Vergrößern 1996 hatte sie den Schläger zur Seite gelegt, 2009 kehrte sie auf die Profitour zurück

Kommt ihr aber keine größere Verletzung dazwischen, wird sie es weiter versuchen, solange eben, wie sie sich auf jeden Tag der zweiten Karriere freue. Vermutlich hält sie nun die Bestmarke für den längsten Abstand zwischen zwei Siegen bei einem – 1996 hatte sie bei den Australian Open zuletzt eine Partie gewonnen.

Ein sehr weiter Weg wäre es allerdings noch, um die bislang älteste Siegerin einer Einzelpartie bei einem Grand-Slam-Turnier abzulösen. Martina Navratilova war 47 Jahre und 235 Tage alt, als sie 2004 in Wimbledon ihre Erstrundenpartie gewann. „Solange spiele ich nicht mehr“ behauptet Kimiko Date-Krumm. Aber sicher sollte da niemand sein.

Quelle: FAZ.NET

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Viertelfinale der French Open Frankreichs Lichtblick

Allen Zweiflern zum Trotz: Tennisprofi Richard Gasquet steht im Viertelfinale der French Open. Schafft er es im Duell mit Andy Murray in die Runde der letzten Vier, tritt er in die Fußstapfen großer französischer Tennis-Ikonen. Mehr Von Doris Henkel, Paris

31.05.2016, 13:37 Uhr | Sport
Gefangenenaustausch Ukrainische Kampfpilotin Sawtschenko ist frei

Sie wurde in der Ukraine zur Nationalheldin, weil sie in den Reihen eines Freiwilligenbataillons gegen die pro-russischen Separatisten im Osten des Landes kämpfte – jetzt ist die ukrainische Kampfpilotin Nadja Sawtschenko nach fast zwei Jahren in russischer Gefangenschaft wieder frei. Mehr

25.05.2016, 19:16 Uhr | Politik
French Open Abbruch in Roland Garros zum Auftakt

Auf Sonne am Samstag folgt Regen am Sonntag: Das Wetter bringt den Spielplan bei den French Open durcheinander. Ein Deutscher ist schon ausgeschieden. Mehr

22.05.2016, 18:03 Uhr | Sport
Estland Drei Marathon-Schwestern für Rio

Leila, Liina und Lily Luik aus Estland haben Historisches vor sich. Als erste Drillinge überhaupt werden die Frauen aus Estland gegeneinander bei den Olympischen Spielen antreten. Mehr

28.05.2016, 21:04 Uhr | Sport
Nadal-Aus bei French Open Es ist noch nicht das Ende

Riesenenttäuschung für Rafael Nadal: Der Spanier gibt bei den French Open frühzeitig auf. Eine Verletzung stellt nun sogar den Wimbledon-Start infrage. Mehr

27.05.2016, 17:08 Uhr | Sport

Ein unlösbarer Konflikt

Von Christian Kamp

Der Wunsch, sich mit den Besten zu messen, ist das Wesen des Sports. Es ist frustrierend, wenn einem das verwehrt bleibt. Doch im Fall des Weitspringers Markus Rehm ist vielleicht auch die zweitbeste Lösung nicht verkehrt. Mehr 0