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Mittwoch, 19. Juni 2013
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Kim Clijsters Zu alt für die eigenen Ansprüche

 ·  Kim Clijsters hat nach ihrem Comeback mit Töchterchen Jada im Schlepptau die erfolgreichste Zeit ihrer Tenniskarriere erlebt. Jetzt hält der Körper die Belastungen nicht mehr aus. Bald ist Schluss - endgültig.

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© dapd Weiter mit Applaus: Kim Clijsters übersteht in Wimbledon die erste Runde

Was unterwegs zur Grundausstattung der meisten Tennisspielerinnen auf Reisen gehört? iPad und iPod, vielleicht E-Book oder Dinge für ganz persönliche Hobbies; Angelique Kerber, die gern malt, hat beispielsweise oft Block und Buntstifte dabei.

Kim Clijsters, 29, reist mit Ehemann Brian Lynch und Tochter Jada, und für Jada hat sie ein spezielles Gerät im Gepäck. Das Ding nennt sich „Babycook“, es kann dampfgaren, mixen und zerkleinern, und es wird mindestens einmal pro Tag zur Zubereitung einer Mahlzeit für Jada eingesetzt. Ohne den Babycook fahre sie nirgendwohin, verriet Clijsters dieser Tage in einer Kolumne für die Tageszeitung „Daily Mail“.

Selbstredend macht es einen Unterschied, ob man beruflich mit Coach und Videokamera reist oder mit Kind und Kegel. Viele Dinge müssen besser durchdacht und straffer organisiert werden; das lässt sich lernen. Die Sache mit dem Gefühl ist dagegen kompliziert. Wie viele berufstätige Mütter macht sich Kim Clijsters Vorwürfe, nicht genügend Zeit mit ihrem Kind verbringen zu können. „Ich denke, für Jada ist es in Ordnung“, sagt sie, „aber ich fühle mich manchmal schuldig.“

Doch das ist nicht der Grund, warum sich die Belgierin, eine der populärsten und beliebtesten Spielerinnen, nun von den All England Championships verabschiedet. Seit ein paar Wochen steht fest, dass sie ihre Karriere bei den US Open in New York beenden wird. Und diesmal, das versichert sie, werde es keinen Rücktritt vom Rücktritt geben.

Wimbledon kompakt: Aus für Venus

Den ersten Teil ihrer Karriere hatte sie vor fünf Jahren beendet, weil sie heiraten und eine Familie gründen wollte. Gesagt, getan - im Februar 2008 wurde Jada geboren. Gut möglich, dass die Kleine längst Geschwister hätte, hätte der All England Club die Mama nicht im Frühjahr 2009 anlässlich der Einweihung des Daches zu einem Auftritt auf dem Centre Court eingeladen.

Um sich bei diesem Spiel nicht zu blamieren, begann Clijsters seinerzeit wieder mit dem Training, und je mehr sie trainierte, desto stärker wurde das Gefühl, sie sei noch nicht fertig mit diesem Spiel. Was offensichtlich stimmte. Ein paar Wochen nach ihrer Rückkehr zum Tennis gewann sie bei den US Open den zweiten Grand-Slam-Titel ihrer Karriere, im Jahr danach an gleicher Stelle den dritten und ein paar Monate später bei den Australian Open in Melbourne den vierten.

Mit Jada im Schlepptau und Babycook im Gepäck erlebte Kim Cljisters die erfolgreichste Zeit ihrer Karriere. Es ist kein Geheimnis, wie sehr sie sich darauf freut, die Familie zu vergrößern; schon nach dem Sieg in Melbourne versicherte sie, sollte sich ein zweites Kind ankündigen, dann sei sofort Schluss mit dem Tennis.

Doch dass sie nun tatsächlich auf die Zielgerade eingebogen ist, hat einen anderen Grund. „Zu alt“, sagt sie. „Zu alt, um die Art von Spiel auszuhalten, die ich mag. Ich hatte von Natur aus immer dieses körperbetonte Spiel mit harten Schlägen, und das hat mich an die Spitze des Frauentennis geführt auf eine Ebene mit Venus, Serena (Williams) oder Justine (Henin)“.

Der Körper hält die Belastungen nicht mehr wie früher aus, Verletzungen sind die Folge, und sie ist es leid, sich den Spielplan vom strapazierten Körper diktieren zu lassen. Wegen einer Verletzung der linken Hüfte hatte sie in diesem Jahr mehrere Monate pausiert und auf einen letzten Start bei den French Open verzichtet, um rechtzeitig für Wimbledon und die Olympischen Spiele wieder fit zu sein.

Beim ersten Auftritt nach der langen Pause beim Rasenturnier in s’Hertogenbosch erreichte sie zwar in der vergangenen Woche das Halbfinale, verzichtete dann aber wegen einer aufgeflammten alten Bauchmuskelverletzung auf das Spiel, um den Start in Wimbledon nicht zu gefährden.

Dass es der Spielplan nicht allzu gut mit ihr meinte, nahm sie klaglos hin. In der ersten Runde ihrer letzten Tour traf Clijsters auf die ehemalige Nummer eins der Weltrangliste, Jelena Jankovic. Und zeigte, dass sie es noch kann: Clijsters siegte 6:2 und 6:4. „Es ist toll, dass ich hier noch ein paar Spiele bekomme“, sagt sie.

Sie wusste vorher, dass es ihr nicht leicht fallen wird, sich von diesem Turnier zu verabschieden. Sie liebe das alles hier, sagt sie, die Atmosphäre, die Geschichte, die Tradition: „Diese Art von Stimmung fühlst du bei keinem anderen Grand-Slam-Turnier.“ Aber was auch immer in den nächsten Wochen bis zum allerletzten Spiel dann bei den US Open passieren wird, die Bilanz steht längst fest. „Es gibt nichts zu bedauern“, sagt Kim Clijsters, „ich weiß, dass ich immer alles gegeben habe.“ Es gibt vermutlich niemanden, der das nicht unterschreiben würde.

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