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Kasparow über Putin „Die Leute machen Witze über ihn“

 ·  Der frühere Schach-Weltmeister Kasparow gilt als stärkster Spieler der Geschichte. Heute engagiert sich der 48-Jährige für Schach als Schulfach und als russischer Oppositionsaktivist.

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© AFP Vergrößern Außergewöhnlicher Denker: Garri Kasparow

Sie sind ein Mann mit vielen Talenten. Sie waren Schachweltmeister und Schachtrainer, sind Buchautor, Vortragsreisender, Oppositionspolitiker. Jetzt auch noch Pädagoge?

Es geht mir um die Zukunft des Schachs. Viele Jahre lang war der Traum im Schach, einen anerkannten Platz im Sport zu erhalten, damit man finanziell gefördert werden kann, aus Steuer- oder Lotteriegeldern. Schön, ich bin zufrieden, dass das gelungen ist, dass wir eine solide finanzielle Förderung bekommen haben. Nun aber geht es mir um etwas Wichtigeres, um die Kinder. Erziehung und soziale Projekte gewinnen selbst in Zeiten finanzieller Einschnitte an Bedeutung. Und Schach sollte Teil davon sein.

In welcher Form?

Immer mehr Bildungseinrichtungen in aller Welt suchen nach einem Extra-Element, das den Horizont der Kinder erweitert, nicht nur die Leistungen in einzelnen Fächern. Viele Studien belegen, dass Schach dafür ein sehr gutes Hilfsmittel sein kann. Es zeigt, wie man unter Druck, in einer Situation mit vielen Unbekannten, Entscheidungen trifft, Probleme löst, und das innerhalb eines festen Regelwerks.

Und was können Sie da tun?

Wir haben in diesem Jahr eine Stiftung gegründet, die „Kasparow Chess Foundation Europe". Damit wollen wir ein Zentrum schaffen, das über das Internet, über Lehrprogramme, über Seminare für Lehrer Schach in die Schulen bringt, mit Stützpunkten in aller Welt. Schach ermöglicht eine gute Verbindung von traditionellem Unterricht und computervernetztem Lernen.

Ist dafür denn Zeit? In deutschen Schulen ist der Lehr- und Stundenplan meist dicht gefüllt.

Ideal ist die Grundschulzeit. Dann haben die Kinder noch Zeit dafür. Außerdem ist dieses Alter, von etwa fünf bis neun Jahren, ideal. Man muss sie heranführen an Schach, wenn sie lernen, wie man denkt.

Wofür soll das nützen, außer für Mathematik?

Sie profitieren für alle Schulfächer. Ihre mentalen Fähigkeiten werden trainiert, weil Kinder anders als bei den vielen Computerspielen beim Schach lernen, sich zu konzentrieren. Schach fördert die Intuition, die man braucht, um mit der Flut an Informationen zurechtzukommen, der wir ausgesetzt sind.

Gibt es Erfahrungen in der eigenen Familie?

Wir haben unserer fünfjährigen Tochter im Sommer die Regeln erklärt, wollten sie dann weiter inspirieren und fanden dabei das altersgerechte Computerprogramm einer schottischen Firma, entwickelt von Russen. Unser Konzept basiert weitgehend auf dieser Software. Wenn alles funktioniert, ist der ultimative Traum, Wettkämpfe zu organisieren. Eine Schachweltmeisterschaft der Schulen im Internet.

Wer soll das alles bezahlen?

Es ist nicht teuer. Du musst kein Stadion bauen, du brauchst nur einen Computer, der meist schon da ist, oder ein Schachbrett und Figuren. Es ist wirklich billig. Und private Sponsoren und Spender sollen helfen.

Können die Schulen das kostenlos erhalten?

Nein, es wird aber nicht sehr teuer sein, weil wir eine Non-Profit-Organisation sind. Finanziell unterstützt wird sie von einem belgischen Unternehmer. In ärmeren Ländern ist es denkbar, dass Schulen die Pakete kostenlos erhalten.

Vor dem pädagogischen Effekt steht politisches Lobbying. Wie weit sind Sie da?

Ich habe zuletzt den britischen Schulminister getroffen und führende Bildungspolitiker in Frankreich. Überall sind die Reaktionen positiv, weil Schach keine Schattenseiten hat. Es ist ein pädagogisches Mittel ohne Risiko.

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Das Gespräch führte Christian Eichler.

Quelle: F.A.Z.
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