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Kasparow trainiert Carlsen Geheimnisse für den Auserwählten

Garri Kasparow bestreitet dieser Tage einen Schaukampf gegen Anatoli Karpow. Um sein Hirn in Schwung zu halten, trainiert die russische Schach-Legende den 18 Jahre alten Magnus Carlsen - und will so die Zukunft des Schachs bestimmen.

© AFP Vergrößern Kasparows Nachfolger? Magnus Carlsen, 13 Jahre

Dreizehn war Magnus Carlsen, aber er sah aus wie zehn, als er den großen Kasparow erst in die Bredouille brachte, aber dann doch noch in ein Remis entkommen ließ. Das Rückspiel verlor der kleine Norweger, er sagte danach: Er habe gespielt wie ein Kind. Kasparow aber behauptete, der Junge werde sein Nachfolger, nicht nur einer in einer langen Reihe von Weltmeistern. Carlsen habe das Zeug, Schach auf eine höhere Stufe zu heben.

Die Begegnung vor fünf Jahren in Reykjavik blieb ihre einzige am Turnierbrett. Als Garri Kasparow bald darauf seine Führungsposition unter den Schachspielern gegen eine unsichere Rolle in der russischen Opposition tauschte, erhielt er eine E-Mail von Henrik Carlsen: ob sein Sohn ihn in Moskau besuchen dürfe? Magnus Carlsen durfte. Sein Talent faszinierte Kasparow. Es war anders als sein eigenes, und er wollte es verstehen.

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Politische Partie gegen Putin

Damals ging seine politische Partie gegen Putin vor. Inzwischen widmet sich Kasparow wieder öfter seinem alten Spiel. Anfang des Jahres hatte er den Carlsens seine Unterstützung angeboten, im März begann das gemeinsame Training. Ihre Zusammenarbeit blieb bis zuletzt ein gut gehütetes Geheimnis. Als Sponsor gab sich in der vergangenen Woche in Oslo das norwegische Bildungsministerium zu erkennen.

Der Lehrmeister: Garri Kasparow beim Schaukampf in Valencia © AP Vergrößern Der Lehrmeister: Garri Kasparow beim Schaukampf in Valencia

Carlsen sagte, nach einem Tag mit Kasparow sei er immer erschöpft. Kasparow entgegnete, der Junge spiele merkwürdige Eröffnungen, brauche endlich ein seriöses Repertoire. Doch nun habe er die Chance, richtig arbeiten zu lernen. Junge Leute verbrächten heute ja zu viel Zeit am Computer. Er wolle sicherstellen, dass Carlsen sein Potential nicht verschwende.

Seine Fähigkeiten glaubt Kasparow mittlerweile durchschaut zu haben. Sie glichen denen von Karpow und Capablanca, gekennzeichnet durch ein feines Sensorium. Er selbst komme von der Dynamik und der analytischen Arbeit. Carlsen profitiere umso mehr, so Kasparow, als ihn nun ein Vertreter des entgegengesetzten Stils trainiere.

Das „Dreamteam des Schachs“

Mittlerweile wird schon vom „Dreamteam des Schachs“ geschwärmt. Und Kasparow schürt die Erwartungen. Bis Ende 2010 will er Carlsen trainieren. Dann soll er die Nummer eins sein. Noch lässt der Erfolg auf sich warten. Seit sie zusammen trainieren, jagt sein Schüler einem ersten Platz nach. Vielleicht klappt es ja in der chinesischen Stadt Nanking, wo Carlsen in anderthalb Wochen antreten wird.

Wenn der Norweger bei einem Turnier weilt, telefonieren er und Kasparow zwischen den Runden. Oder Kasparow schickt Analysen per E-Mail. Vor Carlsen hält er nichts zurück. Er lud ihn in seine kroatische Villa ein und öffnete ihm seine Datenbank, vielleicht immer noch die bestorganisierte ihrer Art. In ihr lagern noch jede Menge frische Ideen, ungenutzte Neuerungen, wie sie unter Gegnern des höchsten Niveaus vielfach den Ausschlag über Sieg oder Niederlage geben.

Schaukampf gegen Anatoli Karpow

Seit seinem Rücktritt schreibt Kasparow in dicken Bänden über die Geschichte des modernen Schachs. Mit der Zusammenarbeit mit Carlsen will er auch über die Zukunft des Spiels bestimmen. Seit vergangenen Dienstag hält er sich in Norwegen auf. Doch dieses Training ist anders: Nicht, weil es kein Geheimnis mehr birgt, sondern weil Kasparow selbst aktiv ist.

Er bestreitet dieser Tage in Valencia einen Schaukampf gegen Anatoli Karpow. Dafür gibt es einen besonderen Grund: Seit dem ersten ihrer WM-Duelle sind nun genau 25 Jahre vergangen. Während ihres letzten Titelkampfes im Jahr 1990 war Carlsen zur Welt gekommen. Die Zusammenarbeit mit ihm bringe sein Hirn in Schwung, halte ihn wach, sagt Kasparow. Karpow hat sich Großmeister Bologan als Sekundanten genommen. Kasparow braucht keinen. Er hat ja Carlsen.

Quelle: F.A.Z.

 
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