16.08.2009 · Die deutschen Kanuten mit Roland Rauhe und Max Hoff an der Spitze haben bei der WM in Kanada sechs Goldmedaillen eingefahren. Ärger gab es beim Kajak-Vierer. Trotz ungenauer Startlinie wurde im Ziel in tausendstel Sekunden gemessen.
Angeführt von Goldjunge Ronald Rauhe haben die deutschen Kanuten bei den Weltmeisterschaften in Kanada im nach-olympischen Jahr sechs WM-Siege und insgesamt 16 Medaillen eingefahren. Neben dem im Kajak-Einer über 500 und 200 Meter erfolgreichen deutschen Rekordchampion Rauhe waren auch Max Hoff im Kajak-Einer über 1000 Meter, der Canadier-Zweier Tomasz Wylenzek/Erik Leue über 1000 Meter, Robert Nuck/Stefan Holtz im Canadier-Zweier über 500 Meter zu schnell für die Konkurrenz. Und im Sprint holte sich die viermalige Olympiasiegerin Katrin Wagner-Augustin den Sieg mit ihrem Kajak-Vierer.
„Das ist über unseren Erwartungen. Ein super Ergebnis. Ich bin einfach nur glücklich“, sagte Chef-Bundestrainer Reiner Kießler. „So gute Einer-Ergebnisse hatten wir seit Ewigkeiten nicht mehr.“ Nach Doppelgold binnen nur einer Stunde war der nun 13-malige Weltmeister Rauhe gerührt. „Mir laufen einfach nur die Tränen“, sagte der 27-Jährige. Mit Lob überschüttet wurde auch der Kölner Hoff, der den WM-Titel in der Königsdisziplin über 1000 Meter holte. „Für mich ist heute ein Traum in Erfüllung gegangen“, sagte der erst vor zwei Jahren zum Rennsport gewechselte frühere Wildwasser-Weltmeister.
Algen bremsten den Herren-Vierer
Siebenmal Silber und dreimal Bronze gingen bei der goldenen Bilanz fast unter. Vize-Weltmeister über 1000 Meter wurden der Canadier-Vierer der Herren, Franziska Weber (Potsdam) im Kajak-Einer sowie Carolin Leonhardt/Tina Dietze (Mannheim/Leipzig) im Kajak-Zweier. Bronze ging an Andreas Dittmers Nachfolger Sebastian Brendel (Potsdam) im Canadier-Einer über 1000 Meter. Über 500 Meter gab es Bronze für die Berliner WM-Neulinge Marcus Groß/Hendrik Bertz. Silber ging im Kajak- Zweier über 500 Meter an Fanny Fischer/Nicole Reinhardt (Potsdam/Lampertheim). Im Sprint holten sich Fischer/Reinhardt ebenfalls Silber, Nuck/Holtz noch eine bronzene Medaille und hatten „richtig Tränen in den Augen.“
Am Samstag hatte dem Kajak-Vierer über 500 Meter nur die Winzigkeit von 4/1000 Sekunden zum eingeplanten Gold gefehlt, über fünf Sekunden dagegen dem enttäuscht hinterher fahrenden Herren-Kajak-Vierer über 1000 Meter. „Auf der einen Seite entscheiden Tausendstelsekunden, auf der anderen Seite bremsen den Herren-Vierer Algen auf der Bahn - da ist die Freude schon etwas getrübt“, sagte Kießler.
Ungenaue Startlinie - aber in Tausendstel Sekunden messen
Auf dem Zielfoto war nicht klar zu erkennen, dass der Damen-Vierer wirklich nur auf Platz zwei hinter Ungarn eingefahren war. „Bei der Leichtathletik und im Schwimmen wird in Hundertstel gemessen, bei uns über längere Strecken und einer ungenaueren Startlinie gelten Tausendstel“, kritisierte Kießler und musste seine Athletinnen trösten, denn trotz der vielen Erfolge waren auch ein paar Tränchen der Enttäuschung geflossen.
Doch der goldene Sonntag ließ den Ärger des Vortages vergessen. „Der erste Schritt Richtung London ist geglückt“, betonte DKV-Sportdirektor Jens Kahl.