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Kanu-Olympiasiegerin Franziska Weber „Training mit Alligatoren gehört halt dazu“

 ·  Bei Olympia 2012 gewann Franziska Weber Gold im Kajak-Zweier. Im F.A.Z.-Interview spricht sie über Mängel der Sportförderung, ihre Abneigung gegen Uniformen und das Risiko des eigenen Weges.

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© AFP Erfolg im Wasser, Entbehrungen an Land: Kanutin Franziska Weber (links)

Die Medaille glänzt noch golden, aber der Alltag hat die Kanutin längst eingeholt. Die Potsdamerin - sie gewann zusammen mit Tina Dietze aus Leipzig im Kajak-Zweier über 500 Meter und Silber im Vierer - schildert ihre Schwierigkeiten mit dem deutschen Spitzensportsystem.

Hat der Olympiasieg Ihr Leben verändert?

Man hat jetzt doch mehr Termine und versucht, alles unter einen Hut zu bekommen. Aber menschlich habe ich mich überhaupt nicht verändert. Ich bin noch die gleiche Person, die ich vorher war, und versuche, das auch zu bleiben. Ich gebe mir allergrößte Mühe, nicht abzuheben.

Haben Ihre Trainer oder Funktionäre vor London zu Ihnen gesagt, Sie müssen eine Medaille holen?

So direkt hat es niemand gesagt. Aber der Druck auf die Kanuten ist natürlich immer da, weil wir in den vergangenen Jahren im Verband ziemlich erfolgreich waren. Den größten Druck allerdings macht man sich selbst.

Sind Sie mit den Bedingungen für den Spitzensport in Deutschland und speziell in Potsdam zufrieden?

Wir haben schon viel Gutes beisammen, auch was die Unterstützung durch die Sporthilfe und den Olympiastützpunkt anbelangt. Aber trotz Olympiasiegs gibt es keine Absicherung. Ich kann es mir nicht erlauben, im nächsten Jahr keine Leistung mehr zu bringen, weil dann alles Finanzielle zusammenbricht. Wenn ich sage, ich versuche mal eine neue Trainingsmethode, dann muss man dies mit ganz viel Mut angehen, weil uns nur die erbrachte Leistung den Lebensunterhalt sichert.

Haben Sie Angst, später keinen guten Job zu bekommen, wenn Sie weiter in Kanu investieren?

Eigentlich nicht, denn ich setze ja nicht allein nur auf den Sport, sondern mache ja parallel mein Studium. Den Kanusport betreibe ich nicht, um damit viel Geld zu verdienen, sondern weil es meine Passion ist.

Warum gehen Sie nicht in eine der Sportfördergruppen von Bundeswehr oder Polizei?

Ich habe mich gegen den Weg über die Bundeswehr oder die Polizei entschieden. Da hätte man natürlich eine gewisse Absicherung, weil man über einen gewissen Zeitraum verpflichtet ist. Aber ich will das nicht, weil ich gerne mein Studium in Ruhe machen möchte. Und deshalb ist das Kapital meine sportliche Leistung. Wenn die nicht mehr kommt, dann muss die Mutter wieder tiefer in die Tasche greifen. Es wäre schön, wenn es auch Firmen gäbe, die einem nach dem Studium einen Arbeitsplatz zusichern könnten.

Mögen Sie keine Uniformen?

Na ja bei öffentlichen Veranstaltungen finde ich es doch ganz cool, wenn ich aus meinem Kleiderschrank was raussuchen kann und keine Uniform anziehen muss.

Was macht für Sie die Faszination des Kanusports aus?

In der Natur bei Wind und Wetter. Im Sommer ist es schön, wenn man sich im Wasser abkühlen kann. Wenn man im Herbst bei Sonnenaufgang auf das Wasser geht und die Nebelschwaden auf dem spiegelglatten See hochsteigen, das ist schon toll.

Und wenn Alligatoren vor Ihrem Boot auftauchen wie beim Winter-Trainingslager in Florida, fühlen Sie sich dann auch wohl?

In dem Trainingscamp, wo wir uns die meiste Zeit aufhalten, paddeln wir tatsächlich mit Alligatoren, mittlerweile hat man sich schon fast daran gewöhnt. Man begegnet ihnen mit viel Respekt, und bisher ist auch noch nichts passiert. Die haben wohl noch mehr Angst vor uns als wir vor ihnen. Aber es ist schon schöner, wenn sie am Uferrand rumliegen, als dass sie plötzlich vor der Bootsspitze auftauchen. Das sind dann doch Gefühle, die man nicht zwingend haben muss.

Es hat noch keine Kollisionen gegeben?

Nein, aber dass Alligatoren kurz vor dem Boot auftauchen, das schon. Das finden die ja dann wohl auch nicht so lustig, wenn die sich dann halb zu Tode erschrecken. Das sind schon Situationen, die man nicht unbedingt noch mal haben möchte. Es gehört halt dazu. Aber man hat in Florida auch manchmal das Glück, dass man mit Delphinen paddeln kann, und die entschädigen natürlich für ganz viel.

Die Fragen stellte Thomas Purschke.

Quelle: F.A.Z.
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