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Kanu-Olympiasieger Alexander Grimm „Ich wäre gern öfter im Fernsehen“

10.09.2009 ·  In Peking 2008 gewann Alexander Grimm das erste Gold für das deutsche Olympiateam. Kurzzeitig stand der Wildwasserkanut im Mittelpunkt. Nun steht eine WM an. Im FAZ.NET-Interview spricht Grimm über 500 Liter Bier, Flutlichrennen und Fotoshootings.

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In Peking gewann Alexander Grimm vor einem Jahr die erste Goldmedaille für die deutsche Olympiamannschaft. Kurzzeitig stand der Wildwasserkanut damals im Mittelpunkt des Interesses.

Im FAZ.NET-Interview spricht er vor der an diesem Donnerstag beginnenden Weltmeisterschaft des Wildwasserkanuten im spanischen Seu d'Urgell über die Vergänglichkeit des Ruhms und den Kampf um Aufmerksamkeit für eine Randsportart.

„Der Märchentag von Alexander Grimm“, „Grimms Goldmärchen“ oder „Gold! Grimms Märchen im Stangenwald“ - Ihr Olympiasieg in Peking hatte bei den Journalisten eine Art Wortspiel-Alarm ausgelöst. Welche Schlagzeile würden Sie nach dem anstehenden WM-Rennen gerne lesen?

Ach, mir haben eigentlich alle Schlagzeilen ganz gut gefallen (lacht). Einen Favoriten habe ich nicht, aber so etwas in der Art würde ich natürlich auch nach der WM schon gerne wieder lesen.

In Peking stand der Kanu-Slalom mal im Mittelpunkt. Sie holten damals in den Wellen des mächtigen Betonkanals von Shunyi Park die erste Goldmedaille für die deutsche Mannschaft. Wie lebt es sich heute als Olympiasieger?

Am Anfang habe ich fast alles mitgemacht: Kochsendungen, in Lederhosen Wies'n-Hits auf der Bühne gesungen oder ein Fotoshooting mit der „Bunten“. Aber gerade bei den ganzen Charity-Sachen habe ich irgendwann den Überblick verloren. Seit Anfang des Jahres ist es wieder ruhiger geworden. Das war im Sommer auch gut so, da konnte ich mich auf mein Studium und den Sport konzentrieren. Außerdem wohne ich ja in Schwaben, da sind die Leute eh immer etwas zurückhaltender.

Bei den German Open in Markkleeberg Anfang August mussten Sie sich publikumswirksam unter Flutlicht für die WM qualifizieren. Die Finals dort wurden erstmals unter Flutlicht ausgetragen. Sie sollen nicht gerade begeistert darüber gewesen sein.

Um 22.30 Uhr war der letzte Lauf, den habe ich zwar richtig gut runtergebracht, aber es ist einfach nicht geschickt, ein Rennen so spät auszutragen. Weil ich es geschafft habe, kann ich mich nicht beschweren. Klar, es waren viele Zuschauer da, weil das mit den Lichteffekten für die sehr spannend ist. Und natürlich ist man als Sportler auch dafür, dass Rennen auch mal abends stattfinden, weil die Sportart dann mehr Aufmerksamkeit bekommt. Aber es muss ja nicht unbedingt die nationale Qualifikation sein. Wäre es ein normales Rennen gewesen, dann hätte das schon Spaß gemacht. Aber bei den Bedingungen eine Qualifikation auszutragen ist schon ziemlich belastend.

Aber wollen Sie als klassischer Randsportler lieber immer nur die zweite oder dritte Geige spielen?

Natürlich wäre ich auch gerne öfter im Fernsehen. Deshalb kämpfen wir jetzt darum, dass wir mehr Weltcups bekommen und präsenter sind. Wie bei den Biathleten, die haben doch auch zwölf Weltcups oder so. Das macht die Sache spannender, auch für den Sportler. Bei uns ist die Weltcup-Saison nach drei Wochen schon wieder vorbei.

Sie sind also offenbar weder richtig berühmt noch reich geworden?

Die alten Sponsoren sind mir treu geblieben, neue gibt es nicht. Es kommt schon was zusammen, leben kann man vom Kanu-Sport nicht. Für Peking gab es noch eine Prämie von der Sporthilfe. Und dann noch für ein Jahr freien Strom und ein Auto, Freiflüge in Europa und 500 Liter Bier.

Und was machen Sie als Sportler mit 500 Litern Bier?

Die muss ich ja nicht auf einen Schlag trinken. Aber wenn ich in Spanien erfolgreich bin, wäre das sicherlich ein guter Anlass für eine kleine oder auch größere Party.

Das Gespräch führte Katharina Blum.

Quelle: FAZ.NET
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